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Story 1
Jens Freyler
http://www.traveldiary.de/
Part 1
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
4 Stunden Verspätung,
Frankfurt 2001
Your first choice ?
Anreise Hamburg - Frankfurt - Chicago - San Diego
Um 4 Uhr morgens klingeln unsere Wecker, drei an der Zahl, um ganz sicher zu sein, daß wir nicht unseren Urlaub verpassen. Trotzdem fällt das Aufstehen schwer, da wir bis nach Mitternacht unsere Rucksäcke gepackt haben. Irgendwie hatte uns vorm Urlaub der Streß eingeholt und um so nötiger war es jetzt, auf Reisen zu gehen.
Von einem Taxi lassen wir uns zum Flughafen bringen. Es ist ein Samstag morgen und die Straßen sind leer um diese Zeit. Entsprechend sind wir schon um 5 Uhr am Flughafen. Lediglich Condor checkt bereits Touristen nach Ibiza und Malaga ein. Während dort die Menschen Schlange stehen, lauert im Wartebereich eine Menschentraube auf die Öffnung der Lufthansa-Schalter. Eine halbe Stunde später sind wir unter den ersten, die ihr Gepäck abgeben.
Freundlich checkt uns die Lufthansa-Angestellte durch bis nach San Diego und merkt an unserer Reaktion, daß sie uns nicht erklären muß, daß wir in Chicago unser Gepäck aufnehmen, durch den Zoll bringen und wieder abgeben müssen. Es ist nicht unsere erste USA-Reise. Genau genommen ist es die vierte binnen 5 Jahren. Route 66, Neuenglandstaaten und der Beginn der Panamericana in Alaska und Kanada gingen voraus.
Der nur einstündige Flug von Hamburg nach Frankfurt verläuft problemlos. Bei strahlend blauem Himmel starten wir, nutzen die hervorragende Aussicht während des Fluges und landen bei morgendlichem Sonnenschein in der Mainmetropole.
Dort erwartet uns allerdings der erste Rückschlag. Unter der riesigen Auswahl an Flügen, die die Anzeigetafeln anbieten, haben wir den einzigen mit einer nennenswerten Verspätung ausgewählt: 4 Stunden. An einem erneuten Sturmchaos in Chicago - wie wir es letztes Jahr erlebt haben - kann es diesmal allerdings nicht liegen. In den 4 Stunden, die wir warten sollen, startet eine Lufthansa-Maschine pünktlich und American Airlines nur leicht verspätet mit dem gleichen Ziel.
Wir prüfen unseren Reiseplan und stellen fest, daß wir so den Anschluß nach San Diego niemals erreichen können. Schnell machen wir uns auf den Weg zu United und schaffen es recht weit vorne in der schnell anwachsenden Schlange zu stehen. Am Check-In sieht es sogar noch schlimmer aus, da auch dort alle Anschlußflüge umgebucht werden müssen.
Wir versichern uns nochmal bei einem United-Mitarbeiter und werden darin bestätigt, daß wir für unser Anliegen am richtigen Schalter anstehen. Als wir endlich an der Reihe sind (aber Zeit haben wir ja genug), erfahren wir, daß man uns bereits umgebucht hat auf einen San Diego-Flug, der Chicago knapp 4 Stunden nach dem anvisierten verläßt und San Diego gegen 18 Uhr erreicht. Mißlich, da wir den Nachmittag in der südkalifornischen Stadt noch nutzen wollten.
Unsere Bordkarten erhalten wir hier jedoch nicht. Dafür sollen wir uns nun auch noch am Check-In anstellen oder es direkt am Gate versuchen. Der Hinweis, daß wir von einem United-Mitarbeiter an diesen Schalter geschickt wurden hilft nicht, man schaut uns nur genervt an und wartet bis wir Platz machen. Wir beschließen, es später am Gate zu versuchen.
Wir erkunden den Flughafen, den wir längst kennen, kaufen uns im Supermarkt ein Frühstück, füttern Spatzen vorm Terminal 1, nehmen die Bahn zum Terminal 2 und setzen uns auf einen Parkplatz in die Sonne. Während Claudia versucht etwas Schlaf nachzuholen, lese ich, schaue zwischendurch nochmal ins Terminal, wodurch ich erfahre, daß unser Flug weitere 20 Minuten verschoben wurde und setze mich wieder in die Sonne.
United Airlines,
Frankfurt 2001
Rechtzeitig machen wir uns wieder auf den Rückweg, wechseln zu Terminal 1, passieren Sicherheitskontrolle und Zoll und treffen auf ein vollkommen überfülltes Gate. Auch hier heißt es wieder Schlange stehen, um unsere Bordkarten für den Anschlußflug zu erhalten. Lange stehen wir unbeweglich in der Schlange bis eine engagierte deutsche Mitarbeiterin von UA sich unser annimmt. Wir kriegen unsere Bordkarten, lassen uns nochmals versichern, daß wir unseren Anschlußflug auf jeden Fall kriegen werden und borden die Maschine.
Um 13:30 Uhr haben wir die Reiseflughöhe erreicht und erhalten ein Frühstück. Entweder man hat es nicht mehr geschafft, das Catering umzubuchen oder man will uns schon an Chicago gewöhnen, wo um 06:30 Uhr Ortszeit die Sonne wahrscheinlich gerade aufgeht. Mit der Auswahl von Eiern und Bacon versuchen wir unsere Mägen zu besänftigen.
Während Claudia anschließend liest und schläft, sind meine Augen für ersteres zu müde und mein Körper für letzteres zu wach. Ich schaue zum zweiten Mal "Forrester gefunden" und einen Film mit Meg Ryan und Russel Crowe, dessen Name mir nicht mehr einfällt. Es geht um eine Entführung in Südamerika, einem unserer nächsten Reiseziele, und ich bin froh, daß Claudia schläft.
Mit einem ungenießbaren Snack will man uns schließlich darauf hinweisen, daß in Chicago die Mittagszeit bereits durch ist und wir bald landen. Um 14:30 Uhr verlassen wir endlich das Flugzeug und tun das, was wir sonst hassen, nämlich drängeln. Angesichts dessen, daß unsere Bordkarten verkünden, daß wir um 15:05 Uhr in die Maschine nach San Diego einsteigen sollen, zweifeln wir, ob die Zeit wirklich reicht.
Überraschend schnell absolvieren wir die Einreisekontrolle, was allerdings nur bedeutet, daß wir am Gepäckband warten bis alle Mitreisenden uns wieder eingeholt haben. Eine Frau mit endlos langen Papierausdrucken nennt uns das richtige Gate unseres Anschlußfluges und äußert die Prognose, daß wir ihn noch bekommen, wenn wir binnen 15 Minuten unser Gepäck haben. Claudias Rucksack kommt nach 10, meiner erst nach 20 Minuten.
"Wir schaffen es noch", bin ich zuversichtlich " aber ob es für unser Gepäck reicht?". Schnell kommen wir durch den Zoll, können das Gepäck wieder aufgeben und kommen an das Gate als die Fluggäste bereits einsteigen.
Doch ich sollte recht behalten. Wir haben es geschafft, aber am Gepäckband in San Diego warten wir vergeblich auf unsere Rucksäcke. Hinter einigen anderen Reisenden stellen wir uns am Schalter für vermißtes Gepäck an und erfahren, daß unsere Rucksäcke mit der 22 Uhr-Maschine in San Diego landen und zu unserem Hotel gebracht werden sollen. Die Frage, welches dies ist, können wir allerdings nicht beantworten. Wir haben lediglich den Mietwagen gebucht und gedacht angesichts der für 14:15 Uhr geplanten Ankunft hätten wir genug Zeit, ein Motel zu suchen. So erhalten wir eine Telefonnummer und zwei Waschsets und sollen uns umgehend melden, sobald wir eine Unterkunft gefunden haben. United Airlines - your first choice ?
Mit dem Schnellbus geht es zu Avis, die seit unserer Alaska-Reise für die Probleme bei der Reise auf der Route 66 wieder halbwegs rehabilitiert sind. Auch diesmal stehen die Zeichen gut für uns. Wir haben wie immer die günstigste Kategorie gebucht. Ein Sub-Compact steht jedoch nicht zur Verfügung. Einen Compact könne man uns anbieten, aber wenn es uns nichts ausmache, würde man uns gerne einen Full-Size aus Oregon geben, der sowieso wieder zurück in den Norden muß.
Der Wagen erweist sich als rotbrauner Chevrolet Lumina, der in einigen Punkten zwar etwas unpraktisch konzipiert ist (Automatikschaltung am Lenkrad, unterschiedliche Schlüssel für Türen und Zündung), aber ansonsten komfortabel und groß ist. Zudem sind wir optimistisch zu den lediglich 5.348 Meilen, die er erst auf dem Tachometer hat, einen nennenswerten Beitrag leisten zu können.
Gaslamp Quarter,
San Diego
Kalifornien 2001
Vom Flughafen haben wir bereits das erste Couponheft mitgenommen (Gutscheine mit ermäßigten Übernachtungspreisen). Schnell orientieren wir uns in der überschaubaren Stadt Richtung City und suchen das Days Inn, das unter den namhaften Motels das günstigste Angebot bietet. Doch für diese Nacht ist es leider ausgebucht. Ein 80'er Sender begleitet unsere weitere Suche und empfängt uns in den USA mit einer englischen Version von Major Tom.
Für diese Nacht landen wir in einem Comfort Inn, das überraschenderweise einen günstigen Preis hat. Wir checken ein und ruhen uns etwas aus. Eigentlich hatten wir an unserem ersten Tag in San Diego noch einiges vor, aber inzwischen ist es fast 20:00 Uhr, so daß wir die erste Attraktion gleich mit einem Abendessen verbinden wollen - im Gaslamp Quarter.
Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in das ehemalige Seemannsviertel, das inzwischen ein vielfältiges Nightlife-Angebot bereithält. Auf dem Weg durch die Straßen fühlen wir uns etwas an die Hamburger Reeperbahn erinnert, auf der das Rotlicht auch immer mehr hinter Musicals, Kneipen und Livemusik nach hinten rückt.
Auch hier in San Diego reihen sich in zwei Straßenzügen Clubs, Bars und Restaurants aneinander. Einige haben Außenbestuhlung und die lauwarme Nachtluft führt dazu, daß viele in T-Shirts oder Sommerkleidern unterwegs sind und die Cabriofahrer im zähen Verkehr über die Straße flanieren. Vielfältig ist das Angebot, wobei es uns die Entscheidung nur wenig erleichtert, daß wir schon wissen, daß wir heute mexikanisch essen wollen. Gerade Mexikaner gibt es hier in dieser Stadt, die man auch als die mexikanischste Stadt der USA und die nördlichste Stadt Mexikos bezeichnet, mehr als genug.
Wir landen bei Fred's Mexican Café, wählen zwei riesige Burritos und erhalten durch einen Junggesellinnenabschied am Nachbartisch gleich noch die Unterhaltung dazu. Nach den riesigen Portionen ist ein Verdauungsspaziergang durch das Gaslamp Quarter dringend erforderlich. Die Straßen sind voller junger Leute, Musik dringt aus Bars und Cabrios. Fahrradrikschas bieten ihre Dienste an und immer noch läßt das Klima bauchfreie Shirts bei weißen und Latino-Mädchen zu.
Wir machen uns schließlich auf den Weg zurück zum Motel, wo wir gegen 22 Uhr ankommen. Unser Gepäck ist noch nicht da und unsere Reise-Shirts müssen zu Schlaf-Shirts umfunktioniert werden. Doch auch darin schlafen wir gut ein, denn inzwischen sind wir 25 Stunden auf den Beinen.
Part 2
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Cabrillo Statue
Cabrillo National Mon.
San Diego,
Kalifornien 2001
Muttertag in San Diego
Tag 1: San Diego - Cabrillo National Monument - Mission Beach - Carlsbad
Wenn wir beschattet worden wären, hätten wir uns in dieser Nacht in jedem Fall verdächtig gemacht. Gegen 1 Uhr nachts kommt ein Fahrer, der zwei große Rucksäcke für die Gäste in Zimmer 116 bringt. Etwa eine Stunde später öffnet sich die Tür des Motelzimmers Nr.116 einen Spalt und ein Mann mit Kinnbart schaut heraus.
Um 3:30 Uhr öffnet sich die Tür erneut. Der Mann tritt heraus, läuft zur Rezeption, sieht hinter der verschlossenen Tür die beiden Rucksäcke und klingelt. Doch die beiden Rucksäcke sind an Claudia Beyer adressiert. Der Mann weist sich nicht aus und geht zurück ins Zimmer. 10 Minuten später holt eine Frau, die sich als Claudia Beyer ausweist, das Gepäck ab.
Um 7:30 Uhr verlassen die beiden mit den Rucksäcken das Zimmer und verschwinden in einem braunen Mietwagen. Zurück lassen sie ein Waschbecken voller Barthaare. Der Mann hat wohl seinen Bart abgenommen. Weil er nicht erkannt werden will ?
Nachdem ich mir im Mai letzten Jahres während unserer Alaska-Kanada-Reise am Beginn der Panamericana (Buch zur Reise kann hier bestellt werden) einen Schnauz- und Kinnbart habe stehen lassen, war es jetzt ein Jahr später an der Zeit, ihn abzunehmen. Die Sonne Kaliforniens soll Gelegenheit haben, mein ganzes Gesicht zu bräunen. Auf dem Weg zum Frühstücksraum deutet der blaue Himmel bereits an, daß sie es auch vorhat.
Im bereits um 07:30 Uhr gut gefüllten Frühstücksraum erwartet uns Randolph und ein umfangreiches Buffet. Neben Müsli, Cornflakes, Obst, Joghurt, Toast und Bagels hat er auch einen Muttertagskuchen zu bieten. Zudem sorgt der in einem hellen Anzug gekleidete Schwarze für eine freundliche Atmosphäre. Angesichts des beengten Platzes gesellt sich ein kräftiger Mann zu uns, der sich schnell als Australier entpuppt, der aus landwirtschaftlichem Interesse durch Kalifornien reist und Fachartikel schreibt. Sieh an, ein Autor! Wir unterhalten uns über Kalifornien, Australien und Getreide bis es uns loszieht.
San Diego hat von unserem Freund Sascha viele Vorschußlorbeeren gesammelt und die soll die Stadt sich heute verdienen! Vorbei am Maritimmuseum und am Flughafen wollen wir mit der Landzunge des Cabrillo National Monument beginnen.
Ein braunes Hinweisschild (in den USA immer ein Zeichen für eine Sehenswürdigkeit) lenkt uns kurzfristig von unserem Ziel ab. Die Bezeichnung Spanish Landing verspricht, daß wir hier in der Bucht von San Diego geschichtlichen Boden unter den Füßen haben. Und tatsächlich finden wir mit Blick auf den Yachthafen und die Luxushotels der Stadt zwischen vereinzelten Joggern einen Gedenkstein, der verkündet, daß 1769 von hier aus die Besetzung Kaliforniens durch die Spanier gestartet wurde.
Wir fahren weiter auf der Straße, die uns um die Bucht von San Diego führt. Das Cabrillo National Monument liegt an der Südspitze einer Landzunge, die die Stadt vor der Brandung des Pazifiks schützt.
An der Einfahrt zum Monument haben wir die Auswahl zwischen einem Paß, der uns für USD 5,-- Eintritt gewährt und einem Jahrespaß für alle US-Parks für USD 50,--. Da wir nicht wissen, mit welchen Kosten die noch folgenden Parks dieser Reise auf uns warten, fällt die Entscheidung schwer. Wir wählen die vorerst günstigere Variante (die wir nun nachträglich als teurere erkannt haben) und nehmen den Cabrillo-Paß.
Unmittelbar nach der Rangerhütte halten wir an einem Aussichtspunkt und blicken auf die heranrauschenden Wellen des Pazifiks und auf den neuen Leuchtturm, der unter uns auf den Klippen steht. Pittoresk fügen er und die anschließenden Gebäude sich in eine palmengesäumte Parkanlage ein.
Leuchtturm vorm Pazifik
San Diego,
Kalifornien 2001
Wir lassen unser Auto stehen und laufen durch ein kleines Waldsstück zum alten Leuchtturm. Dabei passieren wir eine Militärgedenkstätte und eine Frau, die sich auf einem Campingstuhl unter einem Busch niedergelassen hat und die Vögel beobachtet, die zahlreich durch das Blattwerk toben.
Zwischen windgepeitschten Gräsern und niedrigem Buschwerk wirkt das Lighthouse wie aus einer schottischen Küstenlandschaft entrissen. Bis auf die Turmkammer sind die Zimmer offen und zeigen den wenigen Raum, den die Familie des Leuchtturmwärters hatte. Wir umkreisen den Hügel, beobachten die Küstenlinie und schrecken überrascht auf, als ein Hase vor uns über den Weg hoppelt und sich im Geäst versteckt. Auf dem Weg zur Statue Cabrillos auf der Ostseite der Landzunge sehen wir einen weiteren kleinen Hasen, der weniger ängstlich zu sein scheint und von uns unbeeindruckt die verschiedenen Pflanzen am Wegesrand beschnuppert.
Doch etwas anderes zieht unsere Blicke in den Bann und beeindruckt stehen wir vor der Statue Cabrillos, die sich in cremefarbenem Stein vor dem Himmel Kaliforniens abhebt. Einen besseren Platz als die windumpeitschte Klippe über der Bucht von San Diego hätte man für den Seefahrer, der diese Region vor Jahrhunderten erkundete, kaum finden können. Das Bildnis Cabrillos ist überlebensgroß und obwohl mit dem monumentalen Christus of the Ozarks (Eureka, Route 66) nicht zu vergleichen, erinnert es uns doch an ihn.
Das benachbarte Visitors Center bietet das übliche Angebot an Informationen und gelegentlichen Vorführungen. Auch jetzt steht ein Vortrag an, der uns jedoch nicht besonders reizt. Wir verlassen das National Monument wieder und nehmen eine der Straßen zum Fuß der Halbinsel.
Nahe des Leuchtturmes halten wir auf einem Parkplatz und folgen einem schmalen Weg zur Küste. Einige andere Besucher sind mit uns unterwegs. Über verschiedene Steinplatten und Felsvorsprünge gelangen wir auf Meereshöhe. Von unten erkennt man deutlich die Kraft des Wassers. Die Klippen sind ausgespült und Muscheln klammern sich an die Felswände. Eine Zeit lang beobachten wir die Krebse, die sich selbst über die Steine schieben, und hangeln uns einige Schritte entlang der Pazifikküste, bevor wir zurückfahren nach San Diego.
Als nächstes besuchen wir Old Town. Die Ursprünge San Diegos haben wir eher als zeitlichen Lückenfüller ausgewählt, um um 14:00 Uhr dem Orgelkonzert im Balboa Park beiwohnen zu können. Doch das von unseren Reiseführern als touristischen Nepp abgetane Old Town entpuppt sich als ein angenehmes Wochenendziel mit Chance auf Historie. Zwar sind die Restaurants und Cafés am Sonntag nachmittag überlaufen, doch auf der Plaza entwickelt sich ein mexikanisches Flair. Die Wolken reißen auf und lassen wärmende Sonnenstrahlen zu uns herunter, mexikanische Livemusik schallt aus einem der Restaurantgärten und wir schlendern über die Grundsteine San Diegos. Teils werden die historischen Häuser als Geschäfte, teils als kostenlose kleine Museen und Ausstellungsgebäude genutzt. Auch eine Mission ist darunter, deren weiße Gemäuer sich massiv gegen den zwischenzeitlich blauen Himmel abzeichnen. Ein blühender Garten und mehrere offene Räume sind vom Inneren des Hofes aus zugänglich.
Ohne etwas zu kaufen, aber die Atmosphäre sehr wohl genießend, erkunden wir Old Town, besuchen eine nahegelegene Kirche und rufen zu Hause an, um zu bestätigen, daß trotz der Probleme mit dem United-Flug zwischenzeitlich wir und auch das Gepäck wohlbehalten angekommen sind.
Balboa Park,
San Diego
Kalifornien 2001
In unserem klimatisierten Auto lösen wir uns aus der südkalifornischen Hitze und fahren zum Balboa Park.Unser Kartenmaterial ist nur unzureichend und stellt den großen Grüngürtel, der San Diego von Nord nach Süd durchzieht nicht detailliert dar. Wahllos nehmen wir eine der Highwayabfahrten in den Park und suchen unseren Weg.
Überall haben sich Menschen niedergelassen, spielen Football, liegen auf Decken oder bauen ihr Barbecue auf. Eine Lateinamerika-Ausstellung hat hier im Herzen San Diegos einen weiteren mexikanischen Stadtkern entstehen lassen. Dem Adobe-Baustil nachempfundene Gebäude beherbergen zahlreiche Museen und Ausstellungen, ein mexikanisches Restaurant und natürlich mexikanische Musiker im einem von Brunnen gespeisten Innenhof.
Wir schlendern umher und genießen erneut das mexikanische Flair dieser Stadt bis unsere Uhr uns zur Spreckel Organ ruft. Allsonntäglich um 14:00 Uhr wird hier eine historische Orgel in einem Amphitheater zum Leben erweckt und bietet Interessierten ein kostenloses Konzert.
San Diego und das Amphitheater wirken wie der perfekte Ort, um einen Urlaub ausklingen zu lassen mit der Musik der Orgel und den Jets, die davon begleitet lautlos über das Theater zum tieferliegenden Flughafen der Stadt schweben.
Doch für uns ist San Diego erst der Anfang der Reise und nach einer halben Stunde machen wir uns auf den Weg, mit der 2. Etappe entlang der Panamericana zu beginnen (Buch zur 1. Etappe jetzt lieferbar).
Wir kehren zurück auf den Highway und verlassen San Diego Richtung Nordwesten. Am Mission Beach und Pacific Beach, die auf einer Landzunge zwischen dem offenen Pazifik und dem Mission Bay Park liegen, halten wir jeweils an, laufen barfuß über den Strand, setzen uns in die Sonne und schauen ein paar Surfern zu. Erst im Wagen merken wir, daß der kühlende Wind uns dazu verleitet hat die Kraft der Sonne zu unterschätzen und Kalifornien sich bereits in unsere Haut einzubrennen beginnt.
Weiter geht es auf einer Straße, die uns immer wieder Lichtblicke auf den Pazifik bietet, der sich in einem endlosen Glitzern ausbreitet - so lange, bis ein grauer Nebelschleier uns einholt. Trotzdem halten wir am Pier von La Jolla nochmals an, laufen hinaus auf den Steg unter dem Bodyboarder vergeblich auf eine Regung des Pazifiks warten und schauen Anglern zu, die ihre Beute aus dem Ozean ziehen.
Wieder ist es Major Tom, der uns in seiner englischen Version auf der letzten Etappe des Tages nach Carlsbad begleitet. Hier reißt der Himmel wieder auf und wir halten schnell an und suchen uns einen Platz in einem Café. Das Café Albania ist das einzige, was wir auf Anhieb finden und auch wenn der Eistee nur aus Wasser zu bestehen scheint und wir bereits versuchen müssen, unsere Arme vor der Sonne zu schützen, so ist dies wohl Kalifornien.
Wir vertrödeln unsere Zeit in dem kleinen Ort und beschließen gleich hierzubleiben. Die Motels in Orts- und Strandnähe scheinen jedoch der Ansicht zu sein, daß Hochsaison ist, so daß wir Richtung Interstate fahren, wo wir ohne weiteres ein günstigeres Super 8 finden.
Schlaf haben wir ja genug nachzuholen, so daß das Abendprogramm nicht allzu ausgiebig sein soll. Ein Essen bei Kentucky Fried Chicken soll reichen. Trotz zahlreicher USA-Besuche und obwohl die Kette sich bereits nach Deutschland vorwagt, ist KFC bisher für uns Neuland - und nach dem Essen sind wir der Überzeugung, daß es auch gar nicht weiter erkundet werden muß. Die fettigen Hähnchenteile mit den Fingern zu halten ist schlichtweg eine Sauerei, mit der kein ketchuptriefender Burger konkurrieren kann. Jungs, wenn Ihr so versucht in Deutschland in den Markt zu kommen, werdet Ihr auf den Bauch fallen!
Gute Nacht!
Part 3
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Mission
San Antonio de Pala
Pala Indian Res.,
Kalifornien 2001
Vom Meer zur Oase
Tag 2: Carlsbad - San Luis Rey - Pala - Riverside - Palm Springs - Cathedral City
Mit Kaffee und Danishs beginnen wir den nächsten Morgen. Dank des Jetlags kommen wir bereits um 07:30 Uhr los und stürzen uns in einen ereignisreichen Tag.
Wir starten mit einem Besuch von Oceanside, fahren an die Waterfront, die der Stadt unzweifelhaft ihren Namen gegeben hat und finden direkt an der Küstenstraße einen Parkstreifen mit Parkuhr. Leider haben wir nur einen Dime der in die Parkuhr paßt und damit ist unsere Besichtigung auf 12 Minuten begrenzt.
Der Pazifik wird vor uns fast vom Nebel erstickt und wir laufen hinaus auf das Pier, das irgendwo im Nichts unterzugehen scheint. Erst als wir über die Holzplanken laufen sehen wir, daß Bodyborder darunter auf Wellen lauern. Doch an diesem Morgen scheinen sie vergeblich warten zu müssen.
Angler stehen auf dem Pier und wir schauen einem der alten, verknöcherten Männer, die irgendwie gar nicht zu einem kalifornischen Strand passen zu, wie er seinen Fang auf den Steg zieht.
Wir lassen unseren Blick über Oceanside schweifen, können im Nebel kaum die Waterfront ausmachen, die aus modernen Strandhäusern und einem breiten, asphaltierten Walk besteht. Eigentlich ideal für Fahrradfahrer und Inline Skater, doch an diesem Morgen scheinen alle drinnen zu bleiben und auf eine sonnigere Gelegenheit zu warten.
Was sollen wir bei derartigem Wetter am Strand ? Wir nehmen die 76 und fahren ins Landesinnere zur Mission San Luis Rey. Die hiesige Mission ist eine von über 20, die spanische Missionare im 18. Jahrhundert gegründet haben, um von Baja California (im heutigen Mexiko) im Auftrag der spanischen Krone Alta California unter spanische Vorherrschaft zu stellen.
In erhabenem Weiß liegt die gut erhaltene Mission über dem Highway 76 und würde sicher ein hervorragendes Motiv abgeben, würde der Himmel eine andere Farbe zeigen. Gärtner sind in den Anlagen der Mission unterwegs und wir sind das einzige Fahrzeug auf dem großen Parkplatz. Was das zu bedeuten hat, ahnen wir schon fast. Es ist kurz vor 9 Uhr und die Mission ist noch nicht geöffnet. Wir schauen uns um, lesen daß der Friedhof um 9, der Gift Shop um 9:30 und Mission und Museum um 10:00 Uhr (- 16:30 Uhr) öffnen.
Wir starten also mit dem Friedhof. Viele Gedenkplatten sind in die Mauer des Friedhofes eingelassen und noch geschmückt vom gestrigen Muttertag. Wir fragen uns, ob es sich um Gedenkplatten für Verstorbene handelt, die irgendwo auf dem kleinen Friedhof liegen, oder ob sich Urnengräber hinter den Platten verbergen. Ein Mönch läuft mit uns über den Friedhof, geht seinen Weg durch den schön angelegten Garten, vorbei an einem bedächtig plätschernden Brunnen und in die Mission, die für uns noch verschlossen ist.
Wir laufen etwas übers Gelände und entdecken ein Büro, das ebenfalls bereits geöffnet ist. Wir klopfen an, werden freundlich empfangen und erhalten angesichts der frühen Stunde die Erlaubnis, den Innenhof des Klosters und heutigen Seminarzentrums zu erkunden. Mit dieser Genehmigung übergehen wir das Schild, das nur befugten Eintritt erlaubt, öffnen das Tor und schauen uns in dem Hof um.
Auch hier ist alles gut gepflegt und letztlich empfinden wir es als gute Idee, die Einnahmequelle als Seminarstätte zu nutzen, um die Mission zu erhalten. Alte Grundsteine sind im Innenhof zu finden, die wohl den Standort eines älteren Missionsgebäudes zeigen und ein riesiger Pfefferbaum, der selbst in den Reiseführern Erwähnung findet. Ich wußte gar nicht, daß Pfeffer an einem Baum wachsen soll und hätte mir den viel berufenen Ort, an dem "der Pfeffer wächst" irgendwie anders vorgestellt. Nach San Luis Rey verflucht zu werden erscheint uns ganz und gar nicht abschreckend zu sein.
Wir verlassen den Innenhof wieder, fotografieren eine sehr schöne Christusstatue vor der Mission, in deren geöffnete Hand jemand rote Rosen gelegt hat und entschließen uns, nicht länger auf die Öffnung der Mission zu warten.
Stattdessen ändern wir unseren Reiseplan. Statt zurück an die dunstige Küste zu fahren, wollen wir ins Landesinnere zur Mission San Antonio de Pala im Pala Indianer Reservat fahren. Sie ist die einzige der spanischen Missionen, die noch heute aktiv dabei ist, den Indianern den christlichen Glauben nahezubringen.
Wir fahren weiter ins Landesinnere und offensichtlich der Sonne entgegen. Den Küstennebel lassen wir zurück, der Himmel reißt auf und läßt ein warmes Blau über uns erstrahlen. Als wir die Interstate 15 kreuzen und der Straße weiter Richtung Reservat folgen, sehen wir bereits die Früchte der Missionsarbeit. In den frühen Zeiten der Missionierung lockten die Kirchenmänner Indianer zu ihren Predigten, indem sie nur denjenigen, die bereit waren in den Missionen den Gottesdiensten zu folgen, Ackerbau und Landwirtschaft beibrachten.
Die Region zeigt, daß die Indianer gelehrige Schüler waren. Endlos scheinen die Orangen- und Zitronenhaine zu sein, die unsere Straße begleiten. So endlos und gleichzeitig so reizvoll ist ihr Anblick, daß wir irgendwann beim Anblick unseres Kilometerzählers (bzw. Meilenzählers) zweifeln, noch auf dem richtigen Weg zu sein - und tatsächlich sind wir bereits 8 Meilen am Ziel vorbei.
Wir drehen um, finden Pala schließlich und auch die Mission, die wir suchen. Auch hier ist der Parkplatz leer, auf dem wir unseren Wagen abstellen und auch hier starten wir wieder mit dem Friedhof. Dieser ist hier jedoch wesentlich schlechter erhalten, als in San Luis Rey, vielleicht aber auch urtümlicher dadurch. Zwei Indianer arbeiten in den Gärten, während wir vorbei an dem markanten Glockenturm um die Mission herum schlendern, um festzustellen, daß wir unser Hiersein, der Unzulänglichkeit unserer Reiseführer verdanken. Mission und Museum sind nämlich Montags und Dienstags geschlossen - und wir haben Montag. Doch statt Gelegenheit zu finden uns zu ärgern, finden wir die offenstehende Tür zur Kirche der Mission und zögern nicht, in das Gotteshaus einzutreten.
Eine wunderbare Einfachheit empfängt uns. Grobes, weiß gestrichenes Mauerwerk, Holztafeln, die den Kreuzweg Christi zeigen und ihn zudem in indianischer Hautfarbe zeichnen. Auf diese Art war es wohl einfacher, ihm Zugang zu den Herzen der Ureinwohner zu verschaffen.
Dank Organgenhainen, Glockenturm und dem geöffneten Kirchenschiff sind wir froh, diesen Umweg zu gemacht zu haben, schauen den größtenteils indianischen Kindern zu, die schön in Päärchen gruppiert ihrer Lehrerin in den Pausenhof folgen und machen uns auf den Rückweg.
Dinosaurier an einem
Truck Stop bei Cabazon,
Kalifornien 2001
Als wir das Reservat verlassen findet endlich unser Autoradio wieder einen Sender und begrüßt uns sogleich mit der englischen Version von Major Tom wieder in der Welt von heute. Ist Peter Schilling wiedergeboren oder warum verfolgt uns dieses Lied seit drei Tagen ?
Bevor uns die Interstate 15 nach Norden bringt, halten wir an einem Stand, der uns frisches Obst verspricht. Indianer sind die Inhaber der Plantagen und eine Frau bietet uns Orangen und Macadamia-Nüsse zum Probieren an. Angesichts der kleinen Frucht, die sie uns in die Hand gibt, sind wir nicht sicher, ob wir über das gleiche sprechen, denn eine Nuß ist es bestimmt nicht, die sie uns anbietet.
Aber in jedem Fall schmeckt es interessant und die Orangen sind so saftig und lecker, wie wir sie nie zuvor gegessen haben. Ich überschlage mich heute noch bei dem Gedanken an dieses Obst, daß der Definition von fruchtig am allernächsten zu kommen scheint. USD 2,50 für 5 Pfund dieser Delikatesse investieren wir ohne weiteres.
Outlet Shops lenken uns kurzzeitig von unserem nächsten Ziel ab, doch nach kurzem erfolglosemStop fahren wir weiter nach Riverside. Ein Hotel wollen wir uns hier anschauen und zwar das Mission Inn. Gerade mal die Mittagszeit vor Augen, haben wir kein Interesse, eine Nacht dort zu verbringen, aber das Hotel soll eines der sehenswertesten Gebäude Kaliforniens sein. Diese Behauptung ist vielleicht etwas zu ultimativ, aber das Adobe-Bauwerk aus dem Jahre 1880 ist das Herzstück der Innenstadt von Riverside (man ist fast versucht, in dieser amerikanischen Kleinstadt den Begriff "Altstadt" anzuwenden). USD 8 sind uns zu viel, um uns ein Hotel anzuschauen, 75 Minuten zu viel Zeit, um sie hier zu investieren. Aber wir schlendern um das Hotel, schauen ins Foyer und tun so, als suchen wir einen Tisch in dem Restaurant im Innenhof. In Wahrheit interessiert uns nur das Gebäude selbst, dessen Architektur ausgefallen und vielseitig ist, dessen Preislage wohl zu hoch und dessen Standort schlicht und ergreifend falsch ist. Denn der einzige Grund nach Riverside zu fahren ist dieses Hotel.
Wir orientieren uns Richtung Highway 10, fahren weiter Richtung Osten und ich freue mich schon auf den Joshua Tree Nationalpark, der einer meiner persönlichen Favoriten dieser Reise ist. Palm Springs erwartet uns noch zuvor und Dinosaurier. Dinosaurier ?
Ja, tatsächlich stehen ein Brontosaurus und ein Tyrannosaurus Rex auf dem Gelände eines Truck Stops bei Cabazon. 9 m hoch sind die beiden Figuren und der Körper des Brontosaurus beherbergt (wie sollte es in den USA anders sein) einen Gift Shop. Wir schauen uns die beiden Monster natürlich an und beobachten ein paar College-Jungs, die sich daraus einen Spaß machen, zu versuchen, Baseballs ins Maul des Tyrannosaurus zu werfen. Vielleicht versuchen sie noch heute, den ersten Treffer zu landen.
Weiter Richtung Osten verändert sich die Landschaft erneut. Das Braun des ausgedörrten Landes und das tiefe Blau des Himmels wird durch ein schwirrendes Weiß ergänzt. Ganze Wälder aus Windkraftanlagen überziehen die Hügel entlang des Highways und scheinen mit rasenden Umdrehungen Kalifornien aus der Energiekrise reißen zu wollen. Doch die Technik, die der Mensch in diese einsame Gegend gesetzt hat, wirkt auf uns nicht störend. Vielmehr scheint sie das sonst trostlose Bild zu vervollständigen.
Oase in der Wüste
Palm Springs
Kalifornien 2001
Werbeplakate gesellen sich zu den Windrädern am Rand der Straße nach Palm Springs und stören das Bild der Landschaft wesentlich mehr.
Die Stadt empfängt uns mit den Palmen, die der Name verspricht, und mit der Hitze, die wir mit ihr verbinden. Bevor wir in die Stadt fahren, wollen wir mit der Palm Springs Aerial Tram beginnen, die auf den 8.616 ft. hohen Mt. St. Jacinto führt. Windige Wanderwege durch den Mt. St. Jacinto National Park sollen oben auf diejenigen warten, die aus der Hitze der Stadt flüchten wollen.
Bereits auf dem Weg in die Schlucht, aus der die Bahn startet, müssen wir den Warnschildern zu Folge unsere Klimaanlage ausschalten, um den Wagen nicht zu überfordern. Wir lassen die Scheiben runter, atmen die heiße und staubtrockene Luft ein und versuchen etwas Fahrtwind einzufangen. Doch bei der erlaubten und möglichen Geschwindigkeit kommt nicht einmal dieser auf.
Unser Kühler keucht, als wir auf dem Parkplatz vor der Talstation ankommen und die letzten Schritte zum Gebäude laufen. Wir haben damit gerechnet, daß diese Attraktion nicht günstig ist, aber der Preis, den man von uns fordert, haut uns um: USD 20,25 pro Person. Beim derzeitigen Dollarkurs dürften das rund DM 90,-- sein, um auf einen Berg zu fahren, sich umzuschauen und wieder runterzufahren. Das Angebot "ride&dine", das eine Fahrt nach 02:30 p.m. und ein Abendessen in der Bergstation vereint, scheint da schon angemessener zu sein. Wir beschließen, dies im Hinterkopf zu behalten und vorerst Palm Springs zu erkunden.
Auf einer der beiden parallel verlaufenden Hauptstraßen fahren wir in die Wüstenstadt hinein, die fast ausschließlich aus einer Aufreihung von Geschäften zu bestehen scheint. Doch auch in dieser reichen Stadt, scheint nicht jede Geschäftsidee aufzugehen. Zahlreiche Läden stehen leer und bieten dem Auswanderer vielleicht noch die Möglichkeit für eine Chance in bester Lage.
Wir bummeln durch die Straße, schauen uns einige Geschäfte an und ich kaufe mir eine Baseball Cap als Ersatz für meine, die noch zu Hause auf der Couch liegt. Eine Investition, die dringend nötig ist, um in Palm Springs nicht Opfer eines Sonnenstichs zu werden!
Die Hitze sickert durch unsere Kleidung und den Rückweg treten wir anstatt auf der Straße in eisig klimatisierten Malls an, bis wir auf die Straßenterasse eines Starbucks flüchten. Mit zwei Frappucinos genießen wir die grenzenlose Verschwendung einer degenerierten Stadt. In einer Wüste, in der der Wasserbedarf der Zivilisation fast ausreicht, um den Colorado trockenzupumpen, werden die Gäste der Gartencafés aus winzigen Wasserdüsen berieselt. Wie angenehm und erholsam dies ist, kann man fast gar nicht beschreiben, aber das amerikanische Allheilmittel einer Klimaanlage dürfte sogar mehr Umweltressourcen schonen.
Wir überlegen, wie es weitergehen soll und visieren die Indian Canyons im Süden der Stadt an, die nur über eine holprige Piste zu erreichen sind und wie wir feststellen müssen um 4:30 p.m. (und das heißt direkt vor unserer Nase) schließen.
Von Palm Springs verprellt beschließen wir, ein paar Dollar zu sparen und einige Meilen zu gewinnen, indem wir noch an diesem Abend nach Cathedral City weiterfahren. Mit einem Gutschein aus unserem Voucherheft kommen wir hier für USD 39,-- in einem Comfort Inn unter und ruhen im Schatten am Pool etwas aus.
Die Mary Chandler Country Kitchen ist eine Empfehlung unseres Motels (wie wir später entdecken eine Kette, die es überall gibt) und wird von uns bzgl. Abendessen angesteuert. Was wir dort sehen, verwundert uns jedoch etwas. Das Restaurant ist voll belegt, Gäste sitzen bereits in der Wartezone, was uns die Gelegenheit gibt, in die Karte zu schauen. Dabei gelangen wir zur Erkenntnis, das Mary Chandler ein Kuchenrestaurant ist, daß selbst zum Dinner lediglich Backwaren zu unverschämten Preisen anbietet - anscheinend etwas spezielles für Amerikaner, aber nichts für uns.
Wir landen schließlich bei Upper Crust Pizza, wo Claudia die montägliche Spaghetti Night nutzt (USD 4,95 inkl. salad & garlic bread) und ich eine Pizza esse. Danach geht's direkt ins Bett, denn die Hitze des Tages hat uns geschafft und Joshua Tree erwartet uns am nächsten Morgen.
Part 4
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Kühlwasser
an der Interstate 10,
Kalifornien 2001
Die Schönheit der Wüste
Tag 3: Cathedral City - Joshua Tree N.P. - Ventura
Früh wachen wir auf an diesem Morgen und sitzen bereits um 06:30 Uhr am Frühstückstisch. Der Frühstücksraum hat fast schon Hotelcharakter. In einer Art Wintergarten mit Blick auf den Pool läuft ein Fernseher und eine Bar ist gefüllt mit einer großen Auswahl. Nach Bagels und Toast wage ich es ein Quaker Oat Meal zu probieren. Vanille-Geschmack suche ich mir aus und rühre das Pulver nach Anleitung mit Milch an. Was entsteht ist eine unansehnliche, zähe Masse. Zögernd stochere ich mit meinem Löffel darin rum, doch es schmeckt überraschend gut und die Masse verklebt so schnell meinen Magen, daß der Nutzen klar wird: Einfach zuzubereiten, schmackhaft, nährstoffreich und sättigend. Muß da das Auge noch mitessen ?
Doch an einem Tag, an dem der Joshua Tree Nationalpark auf einen wartet, sollte man sich nicht zu lange mit Frühstück aufhalten. Wir kehren zurück auf die Interstate 10 und fahren nach Osten. Kaum lassen wir die künstlich angelegten Palmenhaine von Palm Springs und Cathedral City hinter uns, gewinnt Wasser wieder an Bedeutung.
Selbst in diesen frühen Morgenstunden merken wir die Hitze, mit der unsere Klimaanlage kämpft und sehen vor der ausgedörrten Kulisse links und rechts der Fahrstreifen immer wieder Parkbuchten, in denen Tanks Kühlwasser bereithalten. Wir fotographieren die Behälter nur und müssen mit unserem neuen Mietwagen nicht darauf zurückgreifen.
Den Schildern folgend verlassen wir schließlich die Interstate und passieren das Schild, das uns im Nationalpark willkommen heißt. Kurz danach halten wir an einem ersten Stop und laufen unsere ersten Schritte in die Wüste hinein. Die Vegetation ist karg hier, aber durchaus noch vorhanden. Schilder benennen die einzelnen Pflanzen.
Wir fahren weiter und haben schon einige Meilen zurückgelegt, als wir an die südliche Visitor Information kommen, wo wir auch unser Eintrittsgeld von USD 10 pro Auto bezahlen müssen. Wir schauen uns in dem kleinen Laden etwas um, überdenken unsere Wasservorräte und stocken sie zum angesichts der Lage fairen Preis von USD 1 für 1 Liter auf und besorgen uns eine Parkzeitung.
Während wir weiterfahren blättern wir durch die Zeitung, schauen uns die großflächige Karte an und lesen, was die einzelnen Walks zu bieten haben.
Mit dem Cholla Kaktus Garten fangen wir an und entdecken, wie vielfältig eine Wüste sein kann. Ocotillokakteen mit zwei - drei Meter langen, dünnen Ästen, magere Gräser und mit gelben Blüten übersähte Kakteensträucher. Doch all dies soll nicht einmal die Attraktion an dieser Stelle sein. Die Attraktion ist die größte Kultur an Cholla Kakteen, die hier versammelt ist. Ein kleiner Walk führt durch den Bestand an Gewächsen, die sich teils einstämmig, teils weit verzweigt, die knappen Wasserressourcen hier zu teilen scheinen. Wir machen zahlreiche Fotos bevor wir weiterfahren, doch da uns die Joshua Trees noch besser gefallen, schafft es keines davon auf diese Internetseite.
Arch Rock
Joshua Tree N.P.,
Kalifornien 2001
Eine der Besonderheiten am Joshua Tree Nationalpark ist, daß er zwei Wüsten vereint. Nicht nur am Höhenunterschied merken wir sofort, daß wir die Colorado Desert verlassen und in die Hochlandwüste Mojave kommen.
Schlagartig ändert sich die Landschaft, die Umgebung wird hügeliger, die Fauna verändert sich. Kalifornische Palmen tauchen auf, denen man die Wassernot allerdings ansieht, Mojave Yuccas stacheln in alle Himmelsrichtungen und wir entdecken die ersten vereinzelten Joshua Trees.
Am Arch Rock halten wir an. Noch haben wir kein Gefühl dafür, wie viele Joshua Trees es gibt und wie schnell sich die Landschaft vor uns wieder ändert. Da auf dem Album von U2 nur ein einziger Baum abgebildet ist, wollen wir auf Nummer sicher gehen und fotographieren den ersten, der sich uns bietet vor den Felskugeln des Arch Rock.
Doch als wir weiter fahren in Richtung Westen, ins Herz des Parks hinein, entdecken wir, daß es tausende von ihnen gibt. Unsere Augen suchen ständig nach dem schönsten von Ihnen und nach dem, der das gleichnamige Album von U2 ziert. Doch das schönste der ungewöhnlichen Gewächse zu finden scheint genauso aussichtlos, wie den U2-Baum zu entdecken.
Der Ryan Mountain Trail soll unser Hauptwalk an diesem Tag sein. Für 1,5 Meilen bergauf und 1,5 Meilen bergab kalkulieren die Park Ranger 2 - 3 Stunden. Eine wahrscheinlich wieder zu hoch gegriffene Zeitangabe.
Wir packen unseren Rucksack und nehmen den Berg in Angriff. Die Sonne ist inzwischen weit in den tiefblauen Himmel gestiegen und obwohl wir unser Ziel noch nicht ausmachen können, wird schon auf den ersten Schritten deutlich, das wir keinen Schatten erwarten dürfen. Es ist etwa 40 Grad Celsius und die Hitze raubt uns den Atem. Langsam setzen wir einen Schritt vor den anderen und erfreuen uns an kleinen Dingen wie Kakteen mit kräftig-lila Blüten oder der Hoffnung hinter der nächsten Windung entweder Schatten oder den Gipfel ausmachen zu können.
Vereinzelt kommen uns Wanderer entgegen, was uns auf dem engen Pfad immer wieder zu einem dankbaren Halt zwingt. Wir nutzen diese und andere Gelegenheiten, uns mit unseren Mützen Luft zuzufächeln und uns einzubilden, daß dies einen kühlenden Effekt hätte, und unseren Blick über die sich unter uns ausbreitende Wüste schweifen zu lassen.
Etwa 45 Minuten benötigen wir für den Aufstieg zum Gipfel, wo ein Steinhügel und eine riesige Mojave Yucca uns erwarten. Der Blick schweift endlos umher und wir bedauern ein paar Touristen, die mit einer Chartermaschine über uns fliegen und wahrscheinlich enttäuscht feststellen werden, daß sie für viel Geld aus luftiger Höhe viel braunes Nichts gesehen haben. Schade. Für weniger Geld und etwas mehr Anstrengung hättet ihr einen wundervollen Nationalpark erleben können.
Wir setzen uns auf die Steine und zaubern die herrlich frischen Orangen heraus, die wir am Vortag gekauft haben. Vitamine und kühle Feuchtigkeit rinnen durch unseren Körper und helfen uns trotz der drückenden Hitze nicht einfach liegen zu bleiben und darauf zu warten, daß es kühler wird.
Der Abstieg geht beschwingter, wenn auch nicht leichter, denn den Waden ist es meist lieber, aufwärts zu klettern, als abwärts zu gehen. Doch mit dem Blick nach vorne über die Wüste gerichtet, können wir den Weg besser genießen und freuen uns auf die kühlende Klimaanlage unseres Wagens, den wir zur Mittagszeit erreichen.
Joshua Tree N.P.,
Kalifornien 2001
Wir fahren weiter nach Westen in Richtung unseres nächsten Zieles, dem Hidden Valley. Unterwegs springe ich nochmal aus dem Auto um das obige Bild zu machen, daß den Joshua Tree zeigt, der dem schönsten schon sehr nahe kommt.
Bauarbeiten im Nationalpark verzögern von hier aus das weiterkommen und teils müssen wir auf der Sandpiste an Baustellenampeln in langen Rotphasen warten. Doch die Straßenarbeiten scheinen nicht nur an der Hauptstraße stattzufinden. Die Zufahrt zum Hidden Valley ist gar ganz gesperrt.
Etwas enttäuscht fahren wir weiter und nehmen unseren letzten Stop vorm Nordwestausgang des Parks ins Visier, Quail Springs. Quail Springs erweist sich als ein Felsen der insbesondere bei Freeclimbern beliebt ist. In der Umgebung aus Sand und Kakteen quält sich sowohl eine Gruppe Freeclimber wie auch eine Soldaten-Truppe in der Hitze. Wir schauen nur einen Moment zu, bevor wir auf die andere Seite der Felsen flüchten, wo wir uns unter einem Überhang in den Schatten kauern. Weitere Orangen und Bananen werden geopfert und dienen uns als Mittagessen. Mit dem Rücken an die Felswand gelehnt nehmen wir Abschied von einem Nationalpark, in dem die Temperatur zwar zu heiß, für den die Zeit zwar zu kurz, aber der den Besuch auf jeden Fall wert ist !
Wir verlassen den Park und landen in Joshua Tree, einer kleinen Ortschaft, die keine einzige der Pflanzen zu beherbergen scheint, aber vom bekannten Namen des Nationalparks Gebrauch macht. Und obwohl es hier eigentlich gar keine Besucher geben sollte, finden wir einen Flohmarkt und dort auch noch ein Schnäppchen. Einen alten Fotoapparat, für den man USD 3 von uns haben will und der laut unserem Katalog DM 120 wert ist. Dankeschön !
Noch vor Yucca Valley biegen wir nach Norden ab auf eine kleine Straße, die uns nach Victorville führen soll, um ja dem Moloch von Los Angeles zu entgehen. An einer Tankstelle mitten im Nichts der Wüste halten wir an. Sowohl das Benzin gibt es überraschenderweise zu fairen Preisen wie auch zwei Eis am Stil. Etwas degeneriert vielleicht aber gut, ein Eis in der Wüste zu essen.
In Apple Valley kehren wir in die Zivilisation zurück. Bei Wal Mart schauen wir kurz in den Laden hinein bevor es weitergeht. Unser Tagesziel Santa Barbara ist eindeutig zu weit weg, aber zumindest einige Meilen näher heran wollen wir noch kommen.
Entlang der Telegraphenlinie folgen wir einer schmalen Straße durch endlose Felder nach Westen. Kaum Ortschaften säumen unseren Weg bis wir überraschend in Palmdale ankommen. Offensichtlich haben wir eine Ausfahrt verpaßt. Ein Blick auf die ausgefallene City Hall der Stadt ist die Belohnung dafür. Den Weg nach Westen wieder zu finden ist dafür um so schwerer.
Hungrig halten wir in Santa Paula bei Taco Bell an, bevor wir den Pazifik wieder erreichen. Unsere Augen lassen sich von einem großen Menü mit 10 Tacos und Burritos begeistern - mehr als unsere Mägen von dem leckeren Fast Food schaffen, wie wir feststellen müssen.
Spät kommen wir in Ventura an. Zu spät, um mit unserem Coupon bei Best Western noch ein Zimmer zu kriegen, so daß wir bei einem Vagabond Inn enden. Nachdem wir das Abendessen bereits hinter uns haben, lassen wir unsere müden Körper auf dem Bett liegen und schauen The Patriot auf HBO bevor wir einschlafen.
Part 5
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Adobe-Treppe im
County Courthouse
Santa Barbara,
Kalifornien 2001
Missionen und Strände
Tag 4: Ventura - Santa Barbara - San Louis Obispo - Morro Bay
Danish und Obst sind unser Frühstück bevor wir das Vagabond Inn verlassen und durch die Straßen von Ventura fahren. In dem Küstenort ist das Wetter leider wieder einmal diesig und die Wolkendecke hängt tief über uns.
Kein Grund also zum Strand zu fahren, so daß wir die Mission San Buenaventura aufsuchen, die zwar um 08:30 Uhr offiziell noch nicht geöffnet hat (tgl. 10 - 17 Uhr, USD 1), aber uns idyllisch und ruhig empfängt. Eine Madonnenfigur steht in einer kleinen Gruft im Innenhof, das schneeweise Gebäude hebt sich nur zögerlich vom Himmel ab, wirkt aber mit seinen klaren Linien dennoch auf uns. Wir schlendern durch den Innenhof, schauen uns die Gebäude an, werfen einen Blick auf zwei Murals (übergroße Wandgemälde) auf der gegenüberliegenden Straßenseite und setzen unsere Fahrt fort.
Wir folgen dem US 101 entlang der Pazifikküste nach Nordwesten, wo wir in Santa Barbara trotz des unveränderten Wetters den Strand aufsuchen. Ein zum Restaurant umgewandelter Leuchtturm führt uns zwangsläufig zum Pier der Stadt, der großzügig angelegt ins Meer hinausführt. Sogar Autos dürfen darauf fahren, um einen Parkplatz und die Restaurants sowie Geschäfte am Ende des Piers zu erreichen. Wir parken kostenfrei auf einem Parkplatz an Land und laufen aufs Pier hinaus. Die Geschäfte entpuppen sich als typische Souvenirläden, die Tiere hier schon fast als Stadtbewohner. Ein Pelikan sitzt gelassen und schläfrig auf einem Hausdach ungeachtet der lauten Bauarbeiten, die direkt unter ihm stattfinden.
Wir verlassen den Stearns Wharf wieder, schnappen uns unser Auto und fahren die State Street hinunter, um die Stadt zu erkunden. Nahe des County Courthouse halten wir an und laufen die Straße wieder hinunter. Santa Barbara ist eine schön angelegte, kalifornische Kleinstadt, die alles zu bieten hat, was man als Bewohner, Tourist oder Wochenendausflügler braucht. Baudenkmäler zieren die Stadt ebenso wie Geschäfte, von denen die nobleren sich die spanisch-mediterrane Struktur der Stadt zu Nutze gemacht haben.
So sind verschiedene Adobes ebenso sehenswert wie der Paseo Nuevo, in dem man in Anlehnung an die Architektur der Umgebung neue Geschäfte angesiedelt hat. Bis zum Paseo Nuevo folgen wir auch der State Street, gehen einen Block nach Süden und laufen auf der Anacapa Street zurück. Hier erwarten uns das Presidio und das County Courthouse. El Presidio de Santa Barbara sind die Reste eines Forts aus dem Jahre 1782, das heute zu einem Teil noch erhalten ist und als karge Ausstellungsgebäude dient. Mit einer kleinen Ausstellung über die Geschichte beginnt der Rundgang, führt durch den Innenhof und bietet Einblick in verschiedene Räumlichkeiten, darunter die kleine Kapelle des Gebäudekomplexes.
Wir schlendern durch die Gebäude und Ruinen, sind beeindruckt von den Zitronenbäumen, die im Innenhof stehen und setzen unseren Weg fort zum County Courthouse.
Auch dieses ist dem Adobe-Baustil treu. Eine weiß getünchte Fassade, eine massive Bauweise und viele Kunstarbeiten im Innern. Wir erkunden das Gebäude, dessen Boden an vielen Stellen mit Adobefliesen bedeckt ist, schauen in die juristische Bibliothek und in den Gerichtssaal, dessen Wände mit einem durchgängigen Gemälde verziert sind, das Episoden aus der Besiedlung von Alta California zeigt. Eine "schlichte" Treppe jedoch ist das Fotomotiv, das uns am meisten reizt und das Ihr oben seht.
Eine weitere Mission, die Mission Santa Barbara suchen wir auf einem Hügel östlich der Stadt auf. Hier ist die Anzahl der Besucher schon größer als bei den Missionen, die wir bisher besucht haben, der Parkplatz entsprechend groß und hier will man auch einen Eintritt von USD 4 pro Person haben.Queen of the Missions nennt sie sich selbst und ob wir wollen oder nicht wird uns ein "Touristen-Führer" in deutsch in die Hand gedrückt. Durch verschiedene Ausstellungsräume bewegen wir uns auf das großzügige Kirchenschiff zu, dessen Anblick wir uns mit einer Gruppe Schulkinder teilen. Trotzdem setzen wir uns für einen Moment in eine der hinteren Bänke, versuchen den Krach der Kinder wegzudenken und uns in das Jahr 1786 zurückzuversetzen. Der Friedhofsgarten der Mission rundet den Rundgang ab bevor wir wieder auf den großen Platz vor dem Gebäude treten, das nicht ganz dem Stil der anderen Missionen entspricht. Vielleicht sieht man, daß hier nicht mehr Junipero Serra, der Gründer der ersten 9 spanischen Missionen in Kalifornien aktiv war, sondern ein anderer Herr die Geschicke leitete. Statt dem prägnanten Adobe-Baustil zeichnet sich hier das Skelett der Backsteine deutlich ab.
Wir verlassen die wohl touristischste aller Missionen und folgen weiter der US 101.
Madonna Inn
San Luis Obispo,
Kalifornien 2001
Auf dem Weg nach Norden verheißt unser Reiseführer uns karibische Momente am Refugio Beach. Palmenhaine an schneeweißem Strand werden uns versprochen und vielleicht wirkt es sogar so, wenn man den Strand bei blauem Himmel erkundet.
Und verfolgt allerdings immer noch der diesige Himmel, der uns schon heute morgen begrüßt hat und was wir an dem State Beach sehen ist für uns nichts als ein normaler Strand an einem Tag, an dem man überhaupt nicht ins Wasser gehen möchte.
Die nächsten Versprechungen des gleichen Reiseführers verkünden uns heiße Quellen. Bereits zweimal sind wir solchen Vergnügungen in Katherine, Australien und Circle Hot Springs, Alaska nachgegangen. Auch hier freuen wir uns auf den Geheimtip.
Wo genau die Las Cruces Hot Springs sind, weiß hier offensichtlich niemand so richtig und erst nach wiederholtem Fragen erfahren wir, daß wir auf einem Park&Ride-Platz östlich der Kreuzung US 101/US 1 an der richtigen Stelle sind. Wir nehmen Handtücher und Badesachen zur Hand und folgen einem steilen, steinigen Weg den Berg hinauf. Passend zu unserer anstrengenden Tour ist auch das Wetter inzwischen so, daß es die Wanderung zusätzlich erschwert. Die Sonne scheint und die Hitze hat uns wieder, was kein Wunder ist angesichts dessen, daß wir die Küste bereits wieder verlassen haben.
Mit der Zeit gewinne ich einen gewissen Abstand zu Claudia und entdecke nach etwa 20 Minuten bergan zuerst, was unser vermeintliches Ziel ist. Zwei kleine, nach Schwefel stinkende, milchigweiße Naturpools mitten im Dickicht. Ich zögere einen Moment, kann nicht glauben, daß wir uns hierfür 20 Minuten durch die Hitze gekämpft haben und erkenne, daß der Pfad noch schmaler weitergeht.
Ich warte nicht auf Claudia sondern folge ihm. Ein Stück führt er entlang des Wasserlaufes, dann aber wieder ins Dickicht und über eine Wiese an der ich plötzlich wie erstarrt stehen bleibe. Eine braune Schlange mit dezentem Muster liegt quer über dem Weg. Ihren Kopf ist bereits wieder im tiefen Gras verschwunden, doch wie ich hält auch sie, überrascht über die Begegnung, inne. Ich bin geduldig. Claudia ruft irgendwo unter mir am Berg, daß sie an den beiden Pools angekommen ist und wo ich denn sei. Ich antworte nicht, obwohl ihre Rufe drängender werden.
Zögernd setzt sich die Schlange wieder in Bewegung und erst als sie untergetaucht ist antworte ich Claudia. Von der Schlange sage ich vorerst nichts, warte noch einen Moment und gehe dann weiter. Doch ich entdecke keinen weiteren Pool, drehe irgendwann um, beobachte den Boden auf dem Rückweg ganz genau und kehre unbehelligt zu Claudia zurück.
Wir sind uns einig, daß wir beide diese Pools nicht ausprobieren wollen. Ich bin mir dabei angesichts der Schlange vielleicht noch sicherer als Claudia. Erst als wir wieder am Auto sind berichte ich ihr von der Schlange und erst ein paar Tage später lesen wir in einem Buch über die kalifornische Fauna nach, daß es sich tatsächlich um eine giftige Schlange gehandelt hat ...
Wir lassen uns jetzt nicht mehr ablenken von unserem Weg nach San Luis Obispo. Kurz vor der Stadt halten wir beim Madonna Inn an, einem Zeitgeist-Motel, daß wohl aus den 70ern stammen muß. An der Rezeption schauen wir uns die Postkarten an, die es von jedem der 109 Zimmer gibt und die alle ein eigenes Motto tragen. Sei es der Safari Room, das Stone Age Zimmer oder was auch immer. Bei Preisen ab USD 137 pro Nacht belassen wir es bei einem Postkartenblick auf die verrückt gestalteten Zimmer. Das Restaurant schauen wir uns allerdings noch an, die kitschige Bar in knalligem rot, an deren ebenfalls rotem Blätterhimmel Puppen auf Holzschaukeln hin und herpendeln und natürlich die Herrentoilette - und dies aus einem besonderen Grund. Die Pissoirs werden hier nämlich von einem Wasserfall gespült. Zugegeben, es war nicht leicht, mit dem Fuß die Lichtschranke des Wasserfalles auszulösen und gleichzeitig genug Abstand zu halten, um das Spektakel mit der Kamera zu filmen - aber es gelang !
Doch von San Luis Obispo sollte man nicht nur die Pissoirs in Erinnerung behalten. Um diese Gedanken wegzuwaschen, suchen wir erneut eine Mission auf, die Mission San Luis Obispo de Tolosa. Diese glänzt wieder im Adobestil. Auch das innere ist im kargen Stil des Endes des 18. Jahrhunderts eingerichtet und lediglich zwei Standbilder flankieren Altar und Kreuz. Doch gerade diese Einfachheit unterstreicht die Bauweise und paßt in diese Region besser als bunte Fenstermosaike.
Wir erkunden die Mission und auch den Innenhof, in dem wir über zwei Einheimische stolpern, die auf einem großen Grill Würstchen zubereiten. Der Duft steigt uns brennend in die Nase und erinnert uns daran, daß das Mittagessen heute wohl wieder einmal auf der Strecke geblieben ist. Wir fragen nach, ob er die gut duftenden, saftigen Würstchen denn auch verkaufe, doch diese sind für eine geschlossene Gesellschaft geplant. Am Sonntag nachmittag jedoch, da grille man öffentlich und wir seien herzlich eingeladen.
Es ist Mittwoch und wir berichten, daß wir noch an diesem Abend weiterfahren wollen. Schnell entwickelt sich ein Gespräch und natürlich haben auch diese beiden (Vater und Sohn) wie fast alle US-Amerikaner Verwandte in Deutschland. Wir berichten woher wir kommen, sortieren für die beiden die Deutschlandkarte etwas, erfahren von den Reisen des Opas durch die USA und berichten von unseren - und natürlich fällt am Ende auch ein Würstchen für uns ab, das tatsächlich so lecker schmeckt wie es riecht.
Sonnenuntergang über
dem Otterfelsen
Morro Bay,
Kalifornien 2001
Morro Bay visieren wir als Tagesziel an und kommen dort in einer Econo Lodge für USD 40 inkl. Frühstück gut und günstig unter. Wir fragen nach, wo man essen gehen könne und erfahren gleich alles, was man in dem kleinen aber reizvollen Ort tun muß.
In der Abendsonne fahren wir hinunter zur Bucht, stellen unser Auto ab, laufen am Wasser entlang und studieren die Menükarten und die Lage der einzelnen Restaurants. Mit Blick aufs Wasser und den Otterfelsen am Ende der Bucht essen wir schließlich bei "The Galley". Die Preise sind hier etwas höher, womit wir wohl auch die Aussicht abgelten. Etwas schade finden wir, daß der Service leider nicht mithalten kann und wir uns bei unseren Mahlzeiten etwas über den Tisch gezogen fühlen. Zwischen Claudias Fish & Chips und meinem Rock Cod ist eigentlich kein Unterschied zu erkennen oder zu schmecken - ah ja doch, der Preis meines Rock Cods war deutlich höher.
Doch die Aussicht lassen wir uns nicht nehmen, trinken Weißwein zum Essen und steigen danach wieder in unser Auto, um ein typisch amerikanisches Spektakel mitzuerleben - den Sonnenuntergang im Coleman Park. Gegen 8 Uhr ist es soweit und wie zahlreiche Einheimische um uns herum sitzen auch wir wie in einem Autokino in unserem Wagen, schauen durch die Scheibe nach vorne, wo die Sonne sich langsam dem Wasser des Pazifiks annähert, den Horizont orange streicht und schließlich von den Wellen mitgerissen wird.
Wir können uns nicht entscheiden, ob der Sonnenuntergang selbst schöner ist, oder ob die Situation lustiger ist, daß 20 Autos in einer Reihe am Wasser stehen und darauf warten, daß der Film beginnt.
Nach einer Fahrt um den Otterfelsen kehren wir zurück zu unserer Econo Lodge, zappen und lesen noch etwas bis die Müdigkeit uns einholt.
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Ausblick vom
Hearst Castle Visitor Center, San Simeon
Kalifornien 2001
Metropole, Wälder und Küste
9. Tag: San Francisco Gualala
Bevor wir San Francisco verlassen, wollen wir noch zwei Ziele der Stadt ansteuern. Wir checken aus unserem Hotel aus und fahren erneut zur Grace Cathedral. Auch diesmal gelingt es uns nicht, direkt an dem vorgelagerten Platz eine Parkgelegenheit zu finden, aber eine Häuserecke weiter.
Wir laufen zurück zu der Kathedrale, die sich mit ihrem grauen Stein und den goldenen, mit Ornamenten verzierten Türen deutlich von der Architektur der Stadt abhebt. In ihrem Innern stehen wir in einem hohen Gewölbe, dessen Wandgemälde besonders hervorzuheben sind. In Säulenbögen unterteilte Bilder zeigen Szenen aus der Geschichte der Stadt und der Grace Cathedral.
Froh einen Parkplatz gefunden zu haben, erlaufen wir unser zweites Ziel, das Cable Car Museum. Der Eintritt ist kostenlos, geöffnet wird es jedoch erst um 10:00 Uhr morgens. Wir sind eine halbe Stunde zu früh dran. Wir überlegen einen Moment, ob das Museum es wohl wert sein wird, eine halbe Stunde zu warten, sehen ein Café gegenüber und beschließen, aus der Not eine Tugend zu machen. Das Schakey Grounds ist ohne Zweifel als alternativ zu bezeichnen. Sowohl Angestellte als auch Gäste scheinen dem Klischee der Flower Power zu folgen, das Interieur hinterläßt einen leicht verwahrlosten Eindruck, ein großer Schäferhund wird hier genauso herzlich willkommen geheißen wie die menschlichen Gäste.
Doch die Lage ist es wert, ein Auge zuzudrücken. Wir suchen uns aus der Vitrine etwas zu essen aus, bestellen Tee und Kaffee und setzen uns an einen der kleinen Zweiertische auf dem Bürgersteig der direkt an der Straßenbahnlinie liegenden, steil abschüssigen Straße. Während die Touristen in den vorbeiratternden Cable Cars uns als einheimische Sehenswürdigkeit bewundern, beobachten wir die vollgepackten Bahnen, die hier vor ihrem eigenen Museum langsam fahren, um auf diese Attraktion der Stadt hinzuweisen.
Als die Türen des Museums sich öffnen, haben wir unser Frühstück hinter uns und sind unter den wenigen Interessierten, die am Montag morgen das Cable Car Museum aufsuchen. Doch hierbei handelt es sich nicht nur um ein Museum, das die außergewöhnliche, nur in SF angewandte Technik erklärt und ausrangierte Wagen zeigt, sondern es handelt sich auch um das Herzstück der Cable Cars der Stadt. Im Museum können wir die Kabelstränge sehen, die von Turbinen angetrieben unter den Straßen gespannt sind und die Fahrzeuge über die Hügel ziehen. Die Straßenbahnen besitzen tatsächlich keinerlei Eigenantrieb sondern verfügen nur über eine Kralle, mit der der Schaffner sich in das Kabelsystem einhaken und an Haltestellen wieder aushaken kann. Eine wahrhaft faszinierende Lösung.
Sicherlich würde San Francisco noch genug Sehenswürdigkeiten für einen längeren Aufenthalt bieten und auch die Atmosphäre der Stadt würde ein längeres Verbleiben durchaus rechtfertigen. Auf uns warten jedoch noch einige tausend Kilometer Küstenstraße. Wir orientieren uns Richtung Norden, fahren auf den Highway 101 und über die Golden Gate Bridge. Erneut spielt uns der Nebel einen Streich. Hätten die Pylonen nicht eine durchdringend rote Farbe, hätten wir womöglich gar nicht wahrgenommen, daß wir über das Wahrzeichen der Stadt fahren. Die Sicht ist schlecht und ich muß mich auf den vielspurigen Verkehr konzentrieren, den ich mehr erahne denn vor mir sehe.
Auf der Nordseite der Bucht reißt der Himmel jedoch unvermittelt auf, wir sehen eine Abfahrt vom Highway, nehmen sie und landen auf einem Aussichtspunkt östlich der Brücke. Im strahlenden Sonnenschein tummeln sich hier Schaulustige und peruanische Verkäufer, die sowohl ihre altbekannten Wollpullover als auch jegliche Art von SF-Souvenirs feilbieten.
Doch die Verkaufsteppiche haben eine starke Konkurrenz, die Brücke selbst. Hier kann der Nebel sie nicht mehr verbergen und wir haben einen schönen Blick auf den ersten Pylonen und eine Brücke, die im unendlichen Nichts zu versinken scheint. Wir fotographieren und filmen die Szenerie, bleiben einen Moment und können doch nicht genug kriegen. Von irgendwo muß die Brücke doch noch besser zu sehen sein.
Anstatt zurück auf den Highway fahren wir unter ihm hindurch auf die Westseite der Halbinsel, die ebenfalls zur Golden Gate National Recreation Area gehört und die Bezeichnung Marine Headlands trägt. In Serpentinen fahren wir am Südende der Halbinsel bergauf und versuchen immer wieder durch Fenster und Rückspiegel die Brücke auszumachen. Wir passieren eine kleine Aussichtsbucht, die mit einem Bus und drei Privatfahrzeugen schon überfüllt ist, fahren weiter, finden jedoch keinen besseren Punkt.
Also drehen wir um, kehren zurück zur der Ausbuchtung, freuen uns, daß der Bus weg ist und der Nebel gerade noch einige wenige Meter mehr preisgibt. Erneut filmen und fotographieren wir und haben ein paar Bilder für Euch in die Photogalerie gepackt.
Muir Woods
National Monument,
Kalifornien 2001
Spätestens jetzt heißt es Abschied nehmen von San Francisco und auch den Highway 101 verlassen wir kurze Zeit später, um mit dem Highway 1 an der Küste zu bleiben. Hier treffen wir auf unser erstes Ziel nördlich der Stadt, das Muir Woods National Monument. Auch hier wurde John Muir ein Denkmal gesetzt und auch hier sind es natürlich Redwood-Wälder, die sich hinter seinem Namen verbergen.
Das Wetter ist hervorragend und obwohl es Montag ist, hat es zahlreiche Ausflügler hierher gelockt. So viele, daß die Parkplätze des Monuments vollkommen überfordert sind. Wir fahren ein gutes Stück weiter die Straße entlang und parken halb in die Büsche gequetscht am Straßenrand.
Der Weg zurück führt uns zum (aus Redwood gestalteten) Eingangsportal des Monuments und zum (aus Redwood gebauten) Visitor Center. Wir zahlen den Eintritt von USD 3, wofür wir Eintrittskarten erhalten und einen Plan, der uns die verschiedenen Walks zeigt. Wir ent-scheiden uns für den zweitkürzesten, der uns 1-2 Stunden durch die Redwoodformationen dieses Stückes Natur führt.
Unberührte Natur ist es, was hier gezeigt werden soll, was uns aber schwerfällt zu glauben angesichts der Menschenmassen, die sich auf den geteerten Wegen durch das Tal ziehen. Doch das Blattwerk der Baumriesen ist gewaltig und spendet eine angenehme Kühle, der Duft der Redwoods vermittelt einem das Gefühl von Einsamkeit und Ruhe und tatsächlich scheinen die majestätischen Bäume so eindrucksvoll zu wirken, daß selbst Schulgruppen nur leise flüsternd den Wegen folgen.
Letztlich ist es einer der renommiertesten und angesichts der Nähe zu San Francisco und Silicon Valley wohl auch meistbesuchtesten Redwoodwuchse, aber auch ein Sehenswerter.
In atemberaubenden Küstenstraßen windet sich die 1 weitere Meilen nach Nordwesten. Den größten Teil der Strecke hängt die Straße hoch in den steil abfallenden Klippen über der rauschenden Wucht des Pazifiks. Immer wieder verleitet die Aussicht zu der gefährlichen Versuchung, den Blick vom sich windenden Asphalt zu nehmen und auf das Meer hinauszurichten. Immer wieder ruft Claudia mich zur Ordnung aus Angst heraus, ich hätte den Wagen nicht unter Kontrolle.
Vielleicht ist das einer der Gründe für das flaue Gefühl und die leichte Übelkeit, die sich bei ihr bemerkbar machen. Ich versuche gut einsichtige Kurven zu schneiden, um den Schlingerkurs zu verringern, was aber zumindest das Gefühl im Magen nicht verbessert.
Am nördlichen Ende der Golden Gate National Recreation Area wird der Highway endlich wieder gerader und führt uns auf Meeresniveau zurück. Eine kleine Parkbucht an der Tomales Bay, einem tiefen Landeinschnitt, nutzen wir zu einer Rast. In der Sonne setzen wir uns auf ein paar Steine, essen die Reste aus unserer Eisbox und lassen das ruhige Wasser der Bucht auf uns wirken. Auch unsere Sinne lassen sich von diesem Eindruck beeinflussen und wir setzen unseren Weg entlang der Küste fort.
Bodega, nur wenige Kilometer landeinwärts, ist eine der nächsten Ortschaften, die in einem unserer Reiseführer eine interessante Erwähnung findet. Bodega ist nämlich der Schauplatz von Alfred Hitchcocks schwarz-weiß Thriller "Die Vögel". Warum also nicht diesem Kultort einen kleinen Umweg gönnen.
Doch was uns erwartet ist höchstens erschreckend, was unsere Fehleinschätzung der Amerikaner anbelangt. Wir treffen auf ein ruhiges Örtchen mit ein paar Häusern mit üblichen Vorgärten, einem historischen aber geschlossenen Schulhaus und einer weißen Kirche. Nicht einmal Antikladen und Store sind geöffnet am Nachmittag. Vor einer Holzbude mit zwei Tischen, die wohl ein Gartencafé simulieren soll, sitzen drei Leute auf einer Bank und schauen auf die Straße. Vielleicht schauen sie auch uns an und lachen sich innerlich tot, daß tatsächlich wieder einmal zwei mit der Erwartung hierher gekommen sind, daß es doch in einem solchen Ort zumindest ein Alfred Hitchcock-Museum gegen muß, ein Vögel-Café oder doch wenigstens einen geöffneten Antikladen, der den Umweg rechtfertigt. Doch dem ist nicht so. Es gibt wohl kaum einen unbedeutenderen Ort, den Hitchcock hätte wählen können.
Zurück zur Küste und auf unseren Highway 1, von dem wir erwarten, für die Enttäuschung entschädigt zu werden. Doch die Küste ist einsam, jede bebaubare Ausbuchtung wurde für die Errichtung einer teuren Lodge genutzt, die gleichzeitig vorbeifahrenden Reisenden die Sicht auf den Pazifik raubt.
Fort Ross
State Historic Park,
Kalifornien 2001
Erst im Fort Ross State Historic Park erhoffen wir uns wieder einen berechtigten Grund anzu-halten. Auf dem kleinen Parkplatz sind wir das einzige Fahrzeug, wovon wir uns jedoch nicht entmutigen lassen. Dem kleinen Besucherzentrum schenken wir nur ein wenig Beachtung und orientieren uns eher in Richtung des Hinterausgangs, der zum ehemaligen Fort führen soll.
Ein Weg führt uns durch Wald und Feld und zu einem kleinen mit Holzpalisaden abgegrenzten Garten. Eine Legionärseinheit richtet gerade wieder ihre Waffen und läßt den Garten, in dem Frauen ihre Arbeit verrichten, ungeschützt zurück. Ganz ungeschützt sind die Damen genau genommen nicht, denn ihre Lehrerin bleibt bei ihnen und auch die Legionärseinheit wird von einer Lehrerin geführt.
Während die Legionärseinheit sich Richtung Besucherzentrum entfernt, gehen wir durch das Tor des Forts. Inmitten der hohen Holzbegrenzungen stehen neben den vier Wachtürmen drei Gebäude. Kanonen stehen über das Gelände verstreut und sind von den Schießscharten zurückgezogen. An Tischen arbeiten weitere Schulkinder mit rustikalen Mitteln daran, ein Mahl zuzubereiten. Viele von ihnen tragen Kleidung, die der aktiven Zeit des Forts entstammen könnte. Lediglich Berge von Schlafsäcken und Rucksäcken deuten darauf hin, daß dies nicht die Geschichte ist, sondern ein Schulausflug das Fort eingenommen hat.
Wir schauen uns die Gebäude an, die zum Teil eingerichtet sind und einen Einblick in die Vergangenheit gewähren. Ein Blick in die Wachtürme zeigt, daß das Fort doch nicht ungeschützt ist. Hier stehen Kanonen hinter den Schießscharten bereit und aus den Türmen läßt sich das gesamte Umfeld des Forts einsehen. Lediglich von der offenen See aus hätten Piraten heute eine Chance die Heimstatt zu stürmen. Zu tief hängt der Nebel über der Bucht, als daß eine Warnung hätte rechtzeitig kommen können.
Wir verfolgen die Arbeit der Kinder, die mit hohem Engagement dabei sind, Käse zu reiben, eine kräftige Suppe zu kochen und Brot im offenen Feuer backen. Auch die Legionärseinheit ist inzwischen einmarschiert. Die Lehrerin liest das Kommando von einem Zettel ab, das den Soldaten erlaubt, ihre Waffen abzustellen. Einer der Jungen wird beauftragt, sich nach einer möglichen Verpflegung zu erkundigen und selbstverständlich wird die Wehreinheit bevorzugt versorgt. So war das Leben nun einmal vor ein paar hundert Jahren.
Während die Schüler bleiben können, sind wir nicht gut genug ausgestattet. Wir verlassen das Besucherzentrum kurz bevor das National Monument geschlossen wird und machen uns weiter auf nach Norden. Unser Tagesziel Fort Bragg ist in unerreichbare Entfernung gerückt und wir beginnen uns am Straßenrand umzusehen.
Doch Motels gibt es hier abseits der Main Highways nicht. Vereinzelte Inns und Lodges fragen wir an und schrecken jedesmal vor den Preisen zurück. Auch die Sea View Ranch passieren wir, die aus zahlreichen, von verschiedenen Künstlern entworfenen Gebäuden besteht. Das Gelände der Anlage scheint sich endlos entlang der Route 1 zu ziehen, doch wir halten nicht an, da uns die Gebäude teils aus verfallenen Fensterschlitzen anstarren, teils die Autos vor den Objekten für die Preise sprechen.
Die Dunkelheit ist nicht mehr fern als wir mit Gualala den einzigen nennenswerten Ort der Umgebung erreichen. Wir halten direkt beim Gualala Inn und fragen nach dem Preis. USD 80 will man für ein Doppelbett im Nirgendwo und ist damit nicht weit von den Preisen von San Francisco entfernt. Wir schauen uns das Zimmer an, doch mich schreckt der Preis. Wir fahren weiter durch die überschaubare Ansiedlung und finden zwei weitere Unterkunftsmöglich-keiten, deren Preise allerdings nicht geringer, die Zimmer dafür schlechter sind.
Also zurück zum Gualala Inn. Claudia bucht das Zimmer mit der Behauptung, mir wäre es zu teuer gewesen, aber sie hätte mich überzeugt. Offensichtlich hat sie damit das Herz der Besitzerin getroffen, denn wir werden ohne Aufpreis auf ein USD 160-Zimmer upgegradet. Auch dieses hat nur ein Queen Bed, aber auch einen gasbetriebenen Kamin, ein Jacuzzi und kostenlose Soft Drinks. USD 80 zahlen und dieses Zimmer kriegen, mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis kann auch ich leben.
Wir richten uns ein, steigen wieder in den Wagen und essen in der Bar des Sea Cliff, wo der irische Barkeeper Shamus uns Burger und Calamari zum Bier serviert. Auch dies dürfte so ziemlich der einzige fair value in dem teuren Küstenort sein.
Im Dunkeln kehren wir zurück zum Gualala Inn, nehmen uns Soft Drinks (Dr. Pepper für mich) und lesen unsere Bücher vorm Kamin bevor wir in den Jacuzzi und schließlich ins Bett hüpfen.
Part 11
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Jug Handle
State Reserve.,
Kalifornien 2001
Durch Bäume und Wälder
10. Tag: Gualala Eureka
Auch das Frühstück bestätigt uns erneut, daß das Gualala Inn eine gute Wahl war. Zwei ältere Paare sitzen bereits in dem mit Landmöbeln ausgestatteten kleinen Frühstücksraum. Selbstgebackene Muffins, Croissants, Bagels und andere Sachen sollen uns das Aufstehen versüßen. Wir beladen unsere Teller, setzen uns auf zwei freie Stühle und folgen der Diskussion der anderen Gäste ohne uns einzuschalten.
Nach dem Frühstück sichern wir uns noch zwei Soft Drinks für die Reise und beladen unser Auto wieder. Die ersten Stunden des Tages wird uns die Route 1 weiter entlang der Pazifik-küste führen.
Einer Empfehlung folgend halten wir am Ortsausgang bei der Food Company, um uns die Ingwerkekse anzuschauen. Bei einem Preis von USD 6 für eine Packung mit 6 Keksen, nehmen wir von einem Test der wohl eigenwilligen Kreation jedoch Abstand.
15 Meilen Küste bringen uns bis nach Point Arena, wo wir trotz des hohen Preisniveaus den Tank unseres Wagens etwas auffüllen müssen. Doch wir sind froh und dankbar, eine Tankstelle gefunden zu haben. Hier erkundigen wir uns auch nach dem Weg zum Point Arena Lighthouse, das wenige hundert Meter weiter auch ausgeschildert ist. Auf schmalen Nebenstraßen fahren wir durch eine weitgezogene Graslandschaft bis wir vor den geschlossenen Toren des Leuchtturm-Areals stehen. Erst um 10 Uhr öffnet das Lighthouse und der Eintritt zu dem Turm, der einen atemberaubenden Blick über Küstenlinie und Pazifik bieten soll, beträgt USD 3 pro Person. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, daß wir noch etwa 20 Minuten warten müßten, ein Blick in den Himmel garantiert, daß es heute keine Aussicht geben wird.
Weitere 20 ereignislose Meilen. Elk. Ein Dorf direkt an der Küste, in dem die Gebäude für die Besitzer sprechen, die offensichtlich das Geld haben, hier ein Domizil zu unterhalten, aber auch noch die Liebe aufbringen können, ihre Kleinode zu pflegen. Auch einen Antikladen finden wir hier, dessen Besuch eine willkommene kleine Abwechslung ist.
15 Meilen bis Mendocino. Mendocino könnte man als das Bel Air der kalifornischen Nordküste bezeichnen. Es dürfte sich hier um die größte Ortschaft der Gegend halten. Mehrere Straßen zweigen von der Route 1 auf die Halbinsel ab, die von Künstlern und Reichen dominiert wird. Hier lohnt es sich durchaus, den Wagen für einige Zeit abzustellen und durch die Geschäfte zu wandern. Ein erlesener Einrichtungsladen, Künstlergalerien, eine Chocolaterie, noble Boutiquen etc. zieren die Straße direkt an der Bucht. Nur etwa 300 m lang ist die Ladenzeile, die wie ein Brandzeichen für den Ort wirkt. Wir nehmen die Parallelstraße zurück, in der die Geschäfte schon vereinzelter, das Leben schon bodenständiger wird. In einer Galerie, die sich auf indianische Kunst spezialisiert hat, machen wir jedoch eine interessante Entdeckung. Auf einem Tisch liegt der Powwow-Kalender 2001 aus. Powwows sind indianische Stammestreffen und feiern, die auch öffentlich abgehalten werden. Schnell blättere ich die Broschüre durch und finde tatsächlich ein Powwow, das zu unserer Reiseroute paßt. Am 02.06. findet der Marysville Powwow nördlich von Seattle statt. Wir merken uns den Termin und wollen versuchen, ihn in unseren Reiseplan einzubauen.
Doch wir geben auch heute die Hoffnung auf eine Attraktion nicht auf, legen weitere 9 Meilen zurück und halten am Jug Handle State Reserve. Fußwege, denen wir folgen, führen uns auf ein Cliff hinaus. Unter uns liegt eine blaue Lagune, doch der Weg dahin scheint an Seilen hinabzuführen, die über die Kliffkanten baumeln.
Auch das ist nicht was wir suchen und auch in Fort Bragg finden wir nichts, was uns mitreißt. Möglicherweise ist die Route 1 selbst die Attraktion, an der wir uns erfreuen sollen, doch sich windende Straßen an grünen Klippen und über einem in Wolken hängenden Pazifik begleiten uns ja schon länger auf dieser Reise. Damit haben sie nicht ihren Reiz verloren, doch sie können nur noch der Rahmen sein für ein Tagesprogramm, das mehr bieten sollte.
Chandler Drive thru Tree
Legett,
Kalifornien 2001
Mehr jedoch sollen wir auch auf den restlichen 44 Meilen dieser Straße nicht mehr finden. Bei Leggett erwartet uns der Highway 101 wieder. Bevor wir auffahren, suchen wir den Drive Thru Tree. USD 3 kostet uns die vermeintlich einmalige Attraktion, daß man hier in den 60ern aus dem massiven Stamm eines lebenden Redwood-Baumes eine Durchfahrt herausgeschnitten hat, die breit genug für PKWs sein sollte. Ein Stück fahren wir durch den Redwood-Wald bis der Baum vor uns steht. Vorsichtig fahren wir hindurch und erleben eine Attraktion, die man wohl nur in den USA finden kann.
Selbstverständlich ist es verboten, rückwärts wieder durch den Baum zu fahren, aber wen schert das schon mitten in einem Redwood-Wald. Also lasse ich Claudia mit Fotoapparat und Kamera aussteigen, stoße etwas ängstlich zurück und lasse mich erneut langsam durchrollen.
Einen USD 1 Discount-Bon für den Shop haben wir gemeinsam mit dem Eintrittsticket erhalten. Also muß jetzt auch etwas gekauft werden. Überraschenderweise finden wir in dem Shop sogar die ein oder andere Sache, die man mitnehmen könnte. Eine Zeit lang stehen wir vor den jungen Redwood-Zöglingen, die es für wenige Dollar gibt. Wäre das nicht das richtige für unseren heimischen Garten? Das feuchte Klima, daß der Redwood benötigt sollten wir in Hamburg doch bieten können! Aber den Zögling tagelang im Auto mitnehmen? Ich versichere Claudia, daß wir auch am Flughafen noch derartige Pflanzen kriegen werden und deren Überlebenschance größer sein sollte. Also setzen wir unseren Coupon für einen kleinen (in China geschnitzten) Redwood-Truck als Mitbringsel für unsere Freunde in Kansas City ein.
Noch einmal tanken wir teuer, bevor es für einige Meilen auf den Highway 101 geht. Im Humboldt Redwood State Park fahren wir bereits wieder ab, um an der Avenue of the Giants weitere Baumriesen zu bewundern.
Avenue of the Giants,
Kalifornien 2001
Wir halten am One Logg House (ein aus einem Redwood-Stamm geschnitztes Wohnmobil), wandern durch Redwood Bäume, halten am Visitor Center, wo es kostenlosen Kaffee und Tee gibt sowie ein ebenfalls kostenloses Museum, in dem unter anderem der Logg Car steht (ein aus Redwood gezimmertes Fahrzeug). Einige Meilen weiter laufen wir erneut durch einen Redwood-Wald und inspizieren die Umgebung. Insgesamt bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Pflanzungen zu erkunden, aber auch auf Touristennepps hereinzufallen.
Einen letzten Abstecher vom Highway 101 machen wir noch nach Ferndale. Eine kleine Nebenstraße führt uns durch Felder zu einem reizvollen Ort mit viktorianischer Architektur. Am Ortseingang bleiben wir erneut bei einem Antikladen hängen, der sich speziell auf Fahrzeugmodelle spezialisiert hat und ein paar wirklich schöne, aber auch teure Schmuckstücke bereithält. Wir schauen uns nur um und kaufen nichts, bevor er hinter uns den Laden abschließt.
Wir sind spät dran und der Ort fällt bereits in Schlaf, aber interessant sind vor allem die Fassaden der Gebäude wie z.B. dem Gingerbread Mansion. Bei dem Haus handelt es sich auch um ein Bed&Breakfast, wir machen uns allerdings erst gar nicht die Mühe, den Preis zu erfragen.
Stattdessen verlassen wir den Ort wieder. Eureka ist unser Tagesziel und erweist sich als eine eher typisch amerikanische Stadt. Der Highway 101 läuft zweigeteilt durch den Kern der Stadt und der Block zwischen den beiden Fahrspuren besteht fast ausschließlich aus Motels. Wir wählen die Econo Lodge und fragen für das Abendessen nach einer asiatischen Empfehlungen. Ein Asiate befindet sich in direkter Nachbarschaft, doch wenn man bereit ist, ein paar Blocks zu fahren, findet sich ein besserer namens Gonsea.
Fahren ist der Hauptgegenstand unseres Urlaubs, warum soll es uns also abschrecken! Wir entscheiden uns entsprechend für das Gonsea und haben damit eine sehr gute Wahl getroffen. Wie wir im Eingang lesen können, wurde das Restaurant im fünften Jahr in Folge als bester Asiate Kaliforniens ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die sich in einer Stadt wie Eureka sehr schwer erringen lassen sollte, wenn man gegen Metropolen wie San Francisco und Los Angeles antreten muß.
Obwohl es Dienstag abend ist, ist das Restaurant voll besetzt. Wasser und grüner Tee ist wie bei allen amerikanischen Chinesen inklusive, die Preise in der Karte sind leicht über dem üblichen Niveau. Doch unser Essen ist hervorragend und reichlich. Insbesondere Claudia blickt mit einem weinenden Auge auf ihr Tablett, als wir die Frage nach einer Doggy Bag schließlich dankend ablehnen müssen.
Ich erinnere mich leider nicht mehr, was die Glückskekse schließlich verkünden, aber fest steht, daß wir den Pool in unserer Econo Lodge ungenutzt lassen müssen und an diesem Abend nur noch mit vollem Bauch vorm Fernseher liegen bis die Müdigkeit uns einfängt.
Part 12
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Carson Mansion
Eureka,
Kalifornien 2001
Kein Wetter, kein Gold und kein Bier
11. Tag: Eureka Cave Junction
Nach ein paar Danish, die unsere Econo Lodge als Frühstück bereitstellt und einer Tasse Kaffee erkunden wir zuerst auch in Eureka die viktorianische Seite. Auch hier gibt es mit dem Carson Mansion ein viel fotographiertes und weithin bekanntes Gebäude.
In seinen Farben grün und weiß fällt es dem Ende des 19. Jahrhunderts von einem Holzbaron erbauten Schlößchen zwar schwer, sich von seiner Umgebung abzuheben, doch die Giebel und Türmchen lassen einen schon vermuten, wieso ein elitärer Club es heutzutage zu seinem Sitz erklärt hat.
Nach einer Runde durch den Ort, dessen geschlossene Läden noch im tiefen Nebel hängen, fahren wir weiter. Arcata soll das weitaus attraktivere Ziel sein. Die Stadt liegt nur wenige Meilen nordöstlich an den Ufern einer Bucht. Auch hier dominieren die viktorianische Gebäude, von denen wir einige in einer self-guided Tour abfahren.
Doch auch die Natur steht heute wieder auf unserem Programm. Der St. Patricks Point State Park ist unser nächster Stop, zu dem uns vor allem das historische Dorf der Yurok Indianer lockt. Auch der Nationalpark hängt im feuchten Nebel, der diesen Morgen wohl nicht weichen will. Wir zahlen die überschaubare Eintrittsgebühr von USD 2 und fahren auf den einsamen Parkplatz vor dem Visitor Center. Eine Angestellte ist anwesend und weist gerade einen Ehrenamtlichen ein, einen Rentner, der keinerlei Fragen eines Reisenden beantworten kann, aber sich zumindest engagieren möchte. Wir schauen uns um, lassen uns eine grobe Übersichtskarte des Parks geben, ziehen unsere Mützen in die Stirn und schlagen uns ins Unterholz. Auch wenn es nicht regnet, hängt die Feuchtigkeit in den Baumwipfel, tropft immer wieder auf uns herab und hat den Boden bereits aufgeweicht.
Yurok Indianerdorf
Patricks Point State Park,
Kalifornien 2001
Wir erreichen eine Lichtung, auf der das Indianerdorf liegt. Hohe Gräser überziehen den Boden und nur ein schmaler Pfad zeigt menschliche Spuren, die zu den Holzbauten führen. Dunkler Tannenwald, dessen Wipfel in den Wolken verschwinden, grenzt die Lichtung ab. Die Holzbauten sind ungewöhnlich. Der Zugang ist ein Kreis mit etwa 60 cm Durchmesser in Bodenhöhe, das wohl zu eng sein soll, ausgewachsene Bären einzulassen.
Auch wir haben es nicht leicht bei dem Versuch hineinzukriechen, ohne unsere Hosen über die feuchte Erde zu ziehen. Halbwegs gelingt es und wir stellen fest, daß der Wohnraum der niedrigen Gebäude im Erdreich liegt. In Bodenhöhe befindet sich eine Galerie, die den tiefergelegten, einzigen Raum umgibt und die als Ablagefläche oder vielleicht auch Nachtlager gedient haben mag. In der Grube befindet sich ein grob aus einem Baumstumpf geschnittener Schemel und eine ausgebrannte Feuerstelle.
Wir schauen uns um, versuchen uns das Leben der Yurok auszumalen und erkunden noch zwei andere Häuser, die ähnlich aufgebaut sind sowie ein Gebäude, das komplett unter einem Erdhügel begraben liegt. Dieses hat sogar zwei Eingänge, die schräg nach unten führen und einen nur leicht gebückten Zugang ermöglichen. Eingänge, die wohl kaum bärensicher waren.
Wieder ist es eine Schulgruppe, die mit uns die Entdeckungen teilt. Auf Stämmen sitzend hören sie einem Ranger zu, der ihnen vom Leben der Indianer berichtet. Auch wir gesellen uns kurz dazu, gliedern uns in die Klasse ein und lauschen dem Vortrag für eine Weile.
Zurück zum Auto, um zum Ceremonial Rock zu fahren erscheint uns nicht angemessen. Wir laufen, folgen den Waldpfaden und versuchen uns an beschrifteten Pfählen zu orientieren. Und wir finden den Fels schließlich auch, etwa einige Meter hoch aus dem Wald aufragend. In den Stein gehauene Stufen führen hinter ihm auf eine natürliche Felsgalerie, die einen Blick über den Felsen und über den Park in seinem Rücken bietet. Wäre der Nebel nicht, könnte man vielleicht sogar den Pazifik von hier aus sehen.
Doch der Nebel verzieht sich nicht. Im Gegenteil. Aus den Wolken beginnt es leicht zu regnen und wir wählen wieder unseren Weg unter dem schützenden Walddach zurück zum Auto.
Phantastische Aussichten hat man uns von den verschiedenen Felsklippen entlang der Küste noch versprochen und eine gute Chance, Grauwale zu sichten. Das letzteres bei diesen Witterungsverhältnissen äußerst unwahrscheinlich ist, steht außer Zweifel, doch die Klippen wollen wir trotzdem noch aufsuchen.
Und tatsächlich bieten die verschiedenen Felsen eine atemberaubende Atmosphäre, die bei jedem Wetter wirkt. Wir beugen uns über die Brüstung und werfen einen Blick nach unten auf die heranrauschenden Wellen. Vereinzelte Bänke sollen Besuchern die Möglichkeit bieten, sich zurückzulehnen und den Blick über den Pazifik und den Horizont schweifen zu lassen. Setzt man sich heute hierhin, blickt man in ein undurchsichtiges Grau, hört das Donnern des Wassers und vielleicht auch die Gesänge der Yurok-Indianer.
Ein weiterer Nationalpark erwartet uns an diesem Tag. Der Redwood National Park zieht sich direkt links und rechts entlang des Highway 101. Auch hier gibt es viele die vom Namen der Redwoods profitieren und Touristen locken wollen.
Eigentlich wollen wir einen der ersten solchen Stops passieren, als wir aus dem Augenwinkel Wild wahrnehmen. Claudia bremst, hält an und wir fahren auf den Parkplatz des Redwood Trails General Store.Wir packen Fotoapparat und Kamera ein, wechseln über den Highway und beobachten die Tiere, die auf einer großen Grasfläche äsen. Um sie mit unserem Fotoapparat abzulichten sind sie leider zu weit weg, doch der Zoom der Kamera kann sie erfassen. Sind das Elche ? Roosevelt Elk werden die Tiere hier in Kalifornien genannt. Aber Elk ist doch Elch. Oder was ist ein Moose ? Wir sind unsicher, imposant sind die Tiere mit ihren hochaufragenden, gespreizten Geweihen aber allemal.
Da wir schon mal auf dem Gelände des General Stores stehen, gehen wir auch hinein. In einem großen Raum stehen zahlreiche Tische und Bänke und warten auf Gäste. Aber auch wir wollen nichts essen, sondern werfen nur einen Blick in den benachbarten Shop. Allerlei Krimskrams und Souvenirs gibt es hier und auch abgepackte Redwood-Zöglinge. Doch die kleinen Pflanzen sind hier deutlich teurer als in Leggett und die Plastikverpackung weckt nicht gerade unser Vertrauen in die Überlebenschancen. Fotokopien von Anpflanztips, die ebenfalls ausliegen, nehmen wir jedoch gerne mit.
Die Straße führt uns hinein in den Redwood National Park. Zum wiederholten Mal fragen wir uns, ob wir das besondere dieser Bäume nicht sehen, ob wir in Deutschland zu naturnah auf-gewachsen sind, oder ob wir am Beginn der Panamericana in Alaska und Kanada sowie auch auf dieser Reise bereits zu viel Bäume gesehen haben. Sicherlich ist es ein angenehmes Umfeld, durch ausgedehnte Wälder zu reisen, aber es ist auch weniger abwechslungsreich, da die Dichte des Waldes uns den Blick auf das Land nimmt.
Am Gold Beach halten wir noch einmal an. Auch er gehört zum Redwood National Park, seine Besonderheit sollen aber keine Bäume, sondern von Goldstaub durchzogener Sand sein. Zwar haben wir auch schon auf der ersten Etappe dieser Reise am Klondike Gold gewaschen, doch das glitzernde Gestein hat seine Faszination noch nicht verloren.
Eine steinige Piste führt vom Highway ab dem Strand entgegen. Doch der Weg führt uns nicht direkt nach Westen, sondern schlängelt sich lange zwischen weiteren Redwood-Stämmen hindurch. Als die Dunkelheit des Waldes aufreißt und wir das Meer sehen können, stehen wir schon direkt vor einem kleinen Häuschen, in dem man USD 2 von uns für den Strandbesuch haben will. Wir entrichten unseren Obulus, den wir sicherlich schon bald in Gold aufwiegen können.
Zwischen einem großen Wohnmobil und einem prächtigen Roosevelt-Elk stellen wir unseren Wagen ab. Vorsichtig nähern wir uns dem Tier bis es sich entscheidet, doch nicht als Foto-objekt still zu stehen, uns den Allerwertesten zudreht und davonläuft.
Den Blick auf den Boden gerichtet laufen wir auf den Strand. Drei Angler sind neben uns die einzigen Besucher und erweisen sich als froh über unser Erscheinen. Schnell wird ein Foto-apparat organisiert und wir sollen den Männerausflug aufnehmen, was wir natürlich gerne tun.
Wir suchen weiter den Sand ab, finden Muscheln, die hier zahlreich unberührt zurückbleiben, da die wenigen Besucher die Nationalparkregel, nichts mitgebrachtes zurückzulassen und nichts gefundenes mitzunehmen, überraschenderweise doch beachten. Gold können wir jedoch keines ausmachen. Vielleicht fehlt nur die Sonne heute, um die Körner glitzernd im Sand zu verraten, doch beim gegenwärtigen, wolkenverhangenen Himmel suchen wir vergeblich.
Die Szenerie ist aber auch so beeindruckend, insbesondere auch die massive Anhäufung von Driftwood. Tausende von Bäumen müssen von der Kraft des Pazifiks irgendwo entwurzelt und an den Strand getrieben worden sein, wo sie ineinander verkeilt ein entloses Trümmerfeld zu bilden scheinen.
Roosevelt Elk
am Gold Beach,
Kalifornien 2001
Wir fahren weiter. Ein gutes Stück weiter soll noch ein Wasserfall zu sichten sein. Die Strecke ist schlecht und unser Wagen holpert hilflos über die löchrige Piste. Mehrmals halten wir an um Roosevelt Elk zu beobachten, die ohne jegliche Angst direkt neben der Straße äsen. In der Regel würdigen sie uns nicht einmal eines Blickes.
Und obwohl sich später erweist, das amerikanische Elk tatsächlich keine Elche sind, so klärt uns das Tierlexikon doch auf, daß wir es hier mit einer der majestätischsten Hirscharen zu tun haben. Na immerhin !
Den Wasserfall erreichen wir jedoch nicht. Das Wetter der letzten Tage hat dafür gesorgt, daß ein Wasserlauf sich über die schlechte Piste zieht. Die Furt ist nicht besonders tief, aber unser Wagen ist eine stinknormale Straßenlimousine und hat weder einen erhöhten Radstand, noch Allradantrieb zu bieten. Wir drehen also um. Unsere Enttäuschung hält sich angesichts der Wasserfälle die wir im
Yosemite N.P. gesehen haben in Grenzen.
Eine Attraktion im Redwood National Park, die uns noch gereizt hätte, ist die Sky Trail bei Klamath, eine Seilbahn, die sich durch die Baumwipfel der Redwoods ziehen soll. Doch obwohl die Werbung für die Bahn bereits allgegenwärtig ist, ist sie derzeit noch nicht eröffnet. Vielleicht etwas, was Ihr Euch gönnen und uns davon berichten solltet !
Crecent City ist die letzte Stadt in Kalifornien, durch die wir fahren. Wir nutzen den Ort, um durch einen Antikladen zu stöbern und besuchen kurz die Visitor Info, um uns die Hotel-Voucher-Hefte für Oregon und Washington zu besorgen. Noch einen Blick auf das auf einer Landzunge gelegene Lighthouse und wir biegen auf die Route 199 nach Nordosten ab.
Es ist gerade erst kurz nach Mittag und eigentlich sind wir zu spät dran, um heute noch die Oregon Caves zu besichtigen und zu früh dran, um in einem Ort vor den Höhlen bereits unser Nachtlager aufzuschlagen. Doch manche Überlegungen erledigen sich von alleine. Blinkende Hinweistafeln an der Route 199 verkünden uns, daß aufgrund von Bauarbeiten mit 1-2 Stunden Verspätungen auf unser Strecke zu rechnen ist.
Entsprechend langsam geht es voran doch irgendwann überqueren wir die Grenze zu Oregon. Gleich in O'Brien, dem ersten Ort halten wir an einer 76-Tankstelle an und werden direkt von einem freundlichen Mann mit einem "Willkommen in Oregon" begrüßt. Über die extrem günstigen Spritpreise (Kalifornien hat deutlich höhere Spritsteuern!) kommen wir ins Gespräch und erfahren, daß in Oregon auch self-service-Tanken verboten ist. Entsprechend werden wir bedient, unser Ölstand wird geprüft und festgestellt, daß wir dringend Öl brauchen (die Lampe leuchtete schon seit Tagen...). Zögernd fragen wir nach dem Preis, erfahren, daß ein Liter USD 4,95 kostet und lassen auffüllen.
Wir fragen auch nach den Oregon Caves, die unser Tankwart, der erst seit 2 Jahren in Oregon ist, im letzten Jahr besucht hat und nur empfehlen kann. Wir erfahren auch, daß seine Frau und er bekennende Christen sind und ihre Kinder selbst unterrichten, da sie z.B. die in der Schule unterrichtete Lehre von der Abstammung des Menschen vom Affen nicht teilen. Ein interessantes Gespräch entwickelt sich und wir verbringen mehr Zeit bei ihm, als das Tanken erfordert hätte.
Weitere 8 Meilen trennen uns noch von Cave Junction, wo wir unseren Standort für diesen Abend suchen. Wir finden ein Motel mit Family Restaurant direkt gegenüber der Abzweigung zu den Höhlen und mieten uns ein. Die letzten sonnigen Nachmittagsstunden verbringen wir mit unseren Büchern am Pool bevor wir unser Abendessen bei der Wild River Brewery & Pizzeria einnehmen. Mittwochs gibt es hier bis 07:00 Uhr Pizza + Spare Ribs all-you-can-eat. Dummerweise ist es bereits kurz nach 07:00 Uhr. Wir fragen nach, der Chef bestätigt uns, daß er die Theke noch mindestens eine Stunde auflassen wird und wir schlagen für USD 6,95 zu.
Das Essen ist o.k., vielversprechend sind aber vor allem die Auszeichnungen an den Wänden, die von den zahlreichen Preisen verkünden, die die verschiedenen Biersorten der Wild River Brewery bereits erobert haben. Ein mit Preisen überhäuftes amerikanisches Weizenbier zu probieren hätte mich zwar gereizt, aber nach dem wir mit all-you-can-eat inklusive kostenloser Softdrinks gestartet sind, ist mein Magen so zum Platzen gefüllt, daß ich verzichten muß. Schade + sorry Wild River !
Part 13
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Oregon Caves,
Oregon 2001
Das schönste Blau - der Höhepunkt Oregons
Tag 12: Cave Junction - Oregon Caves N.M. - Crater Lake N.P. - Roseburg
Gegen 8:30 Uhr fahren wir los Richtung Osten und folgen der Stichstraße zu den Oregon Caves. Schon kurz nach der Abzweigung sehen wir zur rechten Hand ein Visitor Center, vor dem wir anhalten. Wie üblich ist auch hier ein Seniorenpaar aktiv und versucht mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Unsere Hoffnung, eine Aussage zu erhalten, ob es auf der ersten Höhlentour des Morgens um 10:00 Uhr noch freie Plätze gibt oder ob wir unsere Tagesplanung lieber gleich umwerfen sollen, wird allerdings enttäuscht. Eine solche Frage, die nach unserem Verständnis jeder stellen müßte, der 20 Meilen vor den Oregon Caves ein Visitor Center betritt, kann man uns hier nicht beantworten.
Wir steigen also wieder ein, fahren weiter und überholen unterwegs zwei Schulbusse. Vor Ihnen anzukommen dürfte uns allerdings kaum helfen, da die Schulgruppen bestimmt ihre Plätze gebucht haben. Auf dem unteren Parkplatz der Caves ist unser Wagen aber schließlich nur eines von wenigen Fahrzeugen. Die meisten scheinen Rangern und anderen Angestellten zu gehören.
Wir packen einen kleinen Ruchsack für mich zusammen und Claudia nimmt sich ein Buch und Wasser aus dem Wagen. Zu viele Tropfsteinhöhlen habe sie bereits gesehen in ihrem Leben, um Interesse an den Oregon Caves zu haben. Unsere letzte und einzige gemeinsame Höhlentour durch die Meramec Caverns, Missouri liegt allerdings 5 Jahre zurück und ich will die Attraktion nicht auslassen so ich denn noch einen Platz auf der 10 Uhr-Tour erhalte.
Wenige hundert Meter bergan stoßen wir auf den Eingang zu den Oregon Caves, um den einige Holzhäuser aufgebaut sind, die Restaurant, Souvenir Shop und Ranger Offices beherbergen. Im Restaurant erhalte ich auch meine Karte, lassen wir uns versichern und betreten um 9:45 Uhr das Gebäude. Außer uns ist nur eine Frau anwesend, die wie wir aus dem kleinen Buch- und Ticketladen wieder weggeschickt wird, da die vollelektronische Kasse heute morgen nicht zu booten ist. Plätze gibt es aber noch genug, die anreisenden Schulbusse werden in Extragruppen geführt.
Wir warten an einem kleinen Teich inmitten der Gebäude und Claudia sucht sich bereits einen geeigneten Platz für die 90 Minuten Lesezeit, die sie in der Sonne genießen will während ich durch das feuchte Dunkel tapse.
Schließlich sammelt sich eine kleine Gruppe, die bis auf drei junge Amerikaner aus Senioren besteht. Wir erhalten unsere Karten (USD 7,50) und starten vor den Schulgruppen mit einem Guide in das Dunkel der Höhle. Ich erweise mich als einziger Nicht-US-Citizen und als einer der wenigen, der nachgedacht zu haben scheint, bevor er in die Höhle geht. Die Temperatur in den Oregon Caves beträgt konstante 5° C. Ich trage ein Jacke, die anderen kurze Hosen und T-Shirts.
Was für uns kühl und feucht erscheint ist ein ideales Klima für Fledermäuse, die es hier ebenfalls gibt, sich uns an diesem Tag aber nicht zeigen. Unser Ranger entpuppt sich als Geologiestudent und berichtet uns neben den Geschichten um die Entdeckung der Höhle während einer Bärenjagd und die ersten Erkundungstouren auch von der geologischen Bedeutung der Formationen und der Veränderung des Gesteins durch den menschlichen Eingriff. Die Oregon Caves verstehen sich dabei als ein naturwissenschaftliches Projekt, das Abstand genommen hat von einstigen Veranstaltungen wie Hochzeitszeremonien in den Höhlen und auch kein unnatürliches Farbenfest (à la Meramec Caverns) aus dem Besuch macht. Die natürliche Schönheit soll dezent ausgeleuchtet werden, was an vielen Stellen beeindruckend gelingt.
Als die 90 durchaus auch anstrengenden Minuten zu Ende gehen und wir wieder in das Tageslicht treten, müssen sich unsere Augen erst einmal wieder an das Licht, unsere Körper an die zwischenzeitlich gestiegene Wärme gewöhnen. Noch einige Walks durch Wälder und zu Aussichtspunkten werden kurz erläutert, doch Claudia und mich erwartet noch eine der Hauptattraktionen unserer Reise.
Schnellen Schrittes nehme ich den Weg zurück zum Eingang der Höhle, sammle Claudia auf und es geht wieder Richtung Cave Junction. Unterwegs halten wir kurz am Haus eines Einsiedlers, der gesammelte Flaschen, alte Dosen und rostigen Unrat verkaufen will. Wir gucken uns um und kaufen zwei selbstgebackene Megacookies, die ein Teil unseres Frühstücks sein sollen. Während der Fahrt teilen wir uns die Kekse und stellen fest, daß sie besser aussehen als schmecken.
Die weitere Fahrt ist weitestgehend ereignislos, doch wir wissen, warum wir sie auf uns nehmen! Cave Junction kennen wir schon vom Vortag, kleine Nester folgen entlang der 199 nach Nordosten. Über den Highway 5 fahren wir ein Stück ostwärts bis wir auf eine kleine Straße abbiegen, die wiederum nach Nordosten führt.
Wir bewegen uns durch eine reizvolle Landschaft. Gelbes Steppengras überzieht die Hügel zu unseren Seiten, vereinzelte, buschige, saftiggrüne Bäume wirken wir Farbkleckse auf dem gelben Grund und schwarze Rinder teilen sich die weitläufigen Flächen. Ich habe das perfekte Bild vor Augen, suche nach dem Stier, der auf einem der gelben Hügelkämme vor blauem Himmel steht. Doch ich zögere zu lange und als sich die Landschaft plötzlich ändert, muß ich enttäuscht feststellen, daß ich meine Chance auf ein gutes Foto wohl verpaßt habe.
Es ist schon 3 Uhr nachmittags als wir die windige Straße zum Crater Lake National Park absolviert haben. Wir haben in verschiedenen Quellen unterschiedliche Informationen über die Öffnungszeiten des Crater Lake N.P. vorgefunden. Einige sprachen davon, daß der Park Ende Juni öffnen würde, was für uns zu spät wäre, andere daß er im Winter geschlossen wäre, der in diesem Jahr allerdings längst ausgetrieben sein sollte.
Zumindest das Kassenhäusschen ist geöffnet. Wir fragen nach dem Rim Drive, der uns weiter nach Norden bringen soll, erfahren jedoch, daß der West Rim Drive erst am nächsten Tag, dem 25.05., geöffnet wird, der Eastern Rim Drive erst Ende Juni. Freude und Enttäuschung vermischen sich. Freude, daß der Park geöffnet ist, daß unser Weg hierher nicht umsonst war. Enttäuschung, daß der Rim Drive nicht geöffnet ist, aber gleichzeitig doch wieder neue Hoffnung, daß wir eine Lösung finden, die uns gestattet, am nächsten Morgen den West Rim Drive zu befahren.
Crater Lake National Mon.,
Oregon 2001
USD 10 ist der Eintrittspreis, der wie bei fast allen Nationalparks für 7 Tage gültig ist, wovon wir aber zumindest an diesem Tag nur noch wenige Stunden nutzen können. Wir fahren hoch zum Kraterrand und halten auf dem ersten großen Parkplatz an. Für den Eintrittspreis sind wir sofort entschädigt, denn vor uns liegt der Höhepunkt unserer Reise. Fast kreisrund füllt der See in einem karibisch tiefen Blau den Krater. Eine kleine, dicht bewaldete Insel schwimmt darin, Bäume erklimmen zum Teil den steilen Kraterrand und bilden gemeinsam mit dem unberührten weißen Schnee einen Kranz, den die Zacken der Berge in eine Krone verwandeln.
Atemberaubend ist der Anblick und wir überlegen um so mehr, wie wir die Nacht verbringen können, um am nächsten Morgen den gesamten Rim zu erkunden. Wir fahren zum Grand Hotel, das sich weiter östlich am Ufer des Sees erhebt. Ein großzügiger Komplex, ein hölzerne Eingangshalle, ein Salon mit Kamin und eine Terrasse mit Blick über den See. Von der Terrasse genießen wir erneut den Anblick des Crater Lake, der aus jedem Winkel andere Facetten zu zeigen scheint. Auch nach den Preisen für eine Übernachtung erkundigen wir uns, USD 150 für das günstigste Zimmer (natürlich ohne Seeblick!) schrecken uns allerdings ab.
Doch wir beschließen so viel vom See mitzunehmen, wie die Straßen zulassen. Wir fahren Richtung Westen bis Schranken an einer Aussichtsbucht die Straße blockieren. Außer uns sind zwei andere Autos hier, deren Besitzer wie wir erneut mit Erstaunen die Blicke schweifen lassen. Blauschimmernde Vögel und Streifenhörnchen versuchen gegen den See die Aufmerksamkeit der Besucher zu gewinnen, haben es hier aber schwerer als an vielen anderen Orten. Doch sie sind hartnäckig und eines der Hörnchen erweist sich so neugierig, daß es unsere Kamera näher inspizieren will.
Blick über den
Crater Lake,
Oregon 2001
Auch nach Osten fahren wir bis der Rim Drive von einer Straßensperre blockiert wird. Über ein weites Schneefeld laufen wir mehrere Aussichtspunkte an, von denen wir den Blick über den See und auf das Sunken Shipwreck suchen, eine winzige Inselgruppe in dieser Seehälfte. Auch hier bietet sich ein neues Bild, das dominiert wird vom Watchman, einem 2.400 m hohen Berg am Westrand des Sees.
Wir reden uns ein, alles gesehen zu haben, was es zu sehen gibt, wollen dem Rim Drive aber doch noch eine Chance lassen. Wir verlassen den Park wieder, um das direkt davor liegende, von Indianern betriebene Mazuma Village aufzusuchen. Obwohl hauptsächlich ein Campingplatz soll es hier auch Cabins geben. Doch so unlogisch die Antwort ist, sollte sie uns wohl doch nicht verblüffen: Da der West Rim Drive erst am morgigen Tag öffnet, werden auch die Cabins erst morgen geöffnet. Ich versuche herumzudiskutieren, frage nach, ob denn nicht schon eine Cabin vielleicht buchbar wäre, doch Mazuma hat sich den einen Tag Winterschlaf wohl noch verdient.
Ratlos sitzen wir im Auto, wägen ab zwischen USD 150 für ein Zimmer ohne Blick aber in der Nähe des Crater Lake und einer Mördertour nach Roseburg. Warum auch immer wir entscheiden uns für letzteres.
25 Meilen macht der Umweg um den Crater Lake aus, den wir angesichts des heute noch geschlossenen Rim Drives nehmen müssen, über 100 Meilen sind es noch bis Roseburg, der nächsten Stadt, in der wir sicher von einer Unterkunftsmöglichkeit ausgehen können. Eine Strecke, die wir bei Tageslicht nicht mehr schaffen können.
Sei's drum, wir fahren zurück nach Union Creek, nehmen eine Straße ohne Anfang ohne Ziel, die irgendwer in die Wälder Oregons gehauen hat und legen die einsame Strecke so schnell als möglich zurück. Nördlich des Crater Lake wechseln wir auf die 138 und passieren den Diamond Lake, den wir aber nur schwerlich von der Straße aus ausmachen können. Wir halten Ausschau nach Unterkunftsmöglichkeiten, halten an einer Lodge über dem Umpqua River, die eine sehr gute Küche verspricht, an diesem Abend aber eine geschlossene Gesellschaft erwartet. Zimmer gibt es für USD 140. Da hätten wir auch am Crater Lake bleiben können.
Steamboat, der erste in unserer Karte eingemalte Punkt an dieser Straße, erweist sich als das, was der Name bekundet, eine ehemalige Anlegestelle für ein Dampfschiff. Keine Übernachtungsmöglichkeit, nichts zu essen, nichts an sich.
Ein Motel am Straßenrand. Eine alte Dame öffnet, Zimmer USD 50, zu essen gibt es hier weit uns breit nichts, aber die Zimmer haben eine kleine Küche. Wir aber nichts zu essen dabei.
Idleyld Park, Glide und Dixonville bezeichnet unsere Karte noch die letzten drei Punkte vor Roseburg, denen eigentlich keinerlei Bedeutung beizumessen ist und irgendwann erreichen wir endlich die Ausläufer von Roseburg. Mit einem Coupon erkaufen wir uns ein günstiges Bett in einem Best Western und während ich geschafft und mit Kopfweh im Zimmer bleibe, organisiert Claudia Burger von Dairy Queen, die vorm Fernseher schließlich unser Abendprogramm ergänzen.
Doch weder das Kopfweh noch die Burger von Dairy Queen können die Erinnerung an diesen Tag trüben, an den Crater Lake, der ohne Zweifel zu den Höhepunkten unserer Reise zählt.
Part 14
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Fischerboote in
Coos Bay,
Oregon 2001
Der Lawrence von Oregon
Tag 13: Roseburg - Coos Bay - Oregon Dunes N.P. - Florence - Newport
Der nächste Tag beginnt für uns etwas später als üblich. Erst gegen 9 Uhr räumen wir unser Zimmer und gehen in den Frühstücksraum des Best Western. Fast zu spät, wir wir feststellen müssen, denn es gelingt uns gerade noch, Toast und Muffins in ausreichender Zahl zu sichern, um satt zu werden.
Ein kurzes Stück bringt uns der Highway Richtung Süden, bevor wir die 42 Richtung Westen wählen. Heute wollen wir wieder zurück an die Küste. Durch unbedeutende, ländliche Ortschaften führt uns die Straße. Hier und da lockern wir die Fahrt durch samstägliche Yard Sales auf und tatsächlich finden wir auf einem eine alte Kamera für 50 Cents. Ein weiteres Schnäppchen finden wir bei einem anderen Yard Sale. Für USD 50 ist ein Taucher bereit, seine Unterwasserkamera abzugeben, die nur leichte Funktionsmängel hat und in unserem Katalog mit DM 450,-- steht. Aber dafür hatte das Sammeln antiker Kameras für uns bisher noch zu sehr "Spielcharakter", als daß wir USD 50 investieren wollen.
Weitere Ortschaften folgen bis wir Coos Bay erreichen. Die Kleinstadt liegt am Südende der gleichnamigen Bucht unweit der pazifischen Küste. Wir parken vor dem Visitor Center und erkunden den gegenüberliegenden Boardwalk. Entlang der Bucht führen Holzstege übers Wasser, bilden eine Landkarte der Bucht und umrahmen ein historisches Fischerboot, das hier vor Anker liegt. US-Flaggen flankieren den Boardwalk vielleicht als Dauereinrichtung, vielleicht aber auch im Vorgriff auf den anstehenden Memorial Day.
Eine große, abwechslungsreiche Antik Mall südlich des Visitor Center erkunden wir genauer. Bereits im Schaufenster stehen große Kodak-Kameras, wie man sie aus alten Western kennt. Stolz ist auch ihr Preis, der mit 4.500 USD deutlich über dem Katalogwert liegt, wie auch andere Kameras in dem Laden. Claudia findet dennoch eine alte Bibel, die sie für USD 4 ins Herz schließt.
Das Visitor Center bestätigt wieder unseren Eindruck derartiger Informationsmöglichkeiten. Wir suchen Informationen über den Oregon Dunes National Park, der etwa 3 Meilen nördlich von hier beginnt. Doch man muß passen, denn dabei handelt es sich um einen anderen Bezirk. Das Visitor Center des National Parks ist in Reedsport logistisch "äußerst sinnvoll" mittendrin angesiedelt, so daß jeder, der es erreicht, die Hälfte schon verpaßt hat.
Wir machen uns also mit dem Material, das wir haben, auf den Weg. Aus unseren Reiseführern und einer Zeitung über den Nationalpark wissen wir, daß es sieben Strand Buggy-Verleiher gibt. Der erste ist direkt am Highway 101 und weit ab von den eigentlichen Dünen. Auf einem großen Schild verkündet er seinen Preis von USD 30 für 20 Minuten. Wir nehmen wahllos die nächste Ausfahrt, orientieren uns Richtung Küste und finden nach einigem Suchen auch einen weiteren Anbieter.
Die Strand Buggys sind hier völlig anders gebaut, eine Art Go Kart mit Überrollkäfig. Ich frage nach und erfahre, daß der Preis hier bei USD 35,-- liegt und der Weg bis zum Strand etwa 10 Minuten beträgt. Das heißt, daß eine Mietperiode gerade mal reicht, um zum Strand und zurück zu gelangen, will man dort noch etwas Zeit verbringen, reden wir schon über mindestens USD 70,-- pro Kart. Ich versuche den Verleiher zumindest auf den Preis des anderen zu drücken, doch Verhandlungen interessieren ihn nicht, so daß wir ohne Einigung auseinander gehen.
Umpqua Dunes Trail,
Oregon 2001
Wir wollen erst einmal weiter sehen und halten am Umpqua Dunes Trail. Mittels self registration zahlen wir die USD 5,-- für einen National Park Tagespass und bepacken wieder unseren Rucksack diesmal mit zwei Wasserflaschen. Schließlich geht es in die Wüste. Gut 4 Meilen soll der Trail bis zum Strand sein, eine Strecke, die man eigentlich schaffen sollte.
Der Weg beginnt mit einer Führung durch einen vegetationsreichen Wald. Hinweistafeln und eine Infobroschüre führen uns durch die verschiedenen Phasen der Fauna, zeigen uns üppige Natur, die ersten Zeichen einer Versandung und lassen uns schließlich mit einem Schritt aus einem dichten Grün an den Rand einer unglaublichen Wüste treten. Obwohl wir schon am Rand anderer, größerer Wüsten gestanden haben, scheint diese wie aus einem Bilderbuch entnommen. Vor unseren Augen endet die Vegetation. Vereinzelte Spinifex-Büsche wirken eher hilflos und tot und haben längst die Farbe des feinen Sandes angenommen. Das helle beige der Dünenkanten wirkt wie ein markanter Schnitt durch das Blau des Himmels. Die Sonne empfängt uns mit gnadenlos gleißendem Licht als wir das Dach der Bäume zurücklassen und Einsamkeit und Stille umgibt uns.
Die höchste Düne liegt nordöstlich vor uns und diese wollen wir ansteuern, um uns einen Überblick zu verschaffen. Der Weg erweist sich als beschwerlich. Mal erwischen wir einen festen Untergrund, auf dem wir uns einige Schritte einfach fortbewegen können, dann wechselt der Boden ohne ersichtlichen Grund und unsere Trekkingschuhe sinken in den Sand ein. Vereinzelt sehen wir einen dunkleren, feuchten Fleck, der wohl auf Wasservorkommen unter dem Sand hindeutet.
Mehrere kleine Dünen führen stufenartig zum Kamm der großen Düne. Quer steigen wir in die erste Düne ein und scheinen uns fast auf der Stelle zu bewegen. Jeder Schritt löst eine kleine Sandlawine aus, mit der wir wieder einen halben Schritt zurückrutschen. Hand in Hand kämpfen wir uns hoch. Jeder der einen Fortschritt geschafft hat, zieht den anderen nach und schließlich erreichen wir die Höhe einer winzig kleinen Düne. (Erfahrungen und Hinweise zum Verhalten in der Wüste). Statt weiter den direkten Weg zu gehen, erscheint es uns einfacher, einen Umweg über die Kämme zu nehmen.
Entsprechend steigen wir serpentinenartig von Kamm zu Kamm der Düne bis wir schließlich die höchste Düne erreichen. Die mächtige Sandwelle bildet einen prächtigen, breiten Rücken aus, auf dem wir zum Gipfel ansteigen. Wir scheinen tatsächlich eine der höchsten der ganzen Umgebung erwischt zu haben und damit eine der höchsten der ganzen Welt, denn dazu zählen mit Höhen von bis zu 150 Metern die Dünen des Oregon Dunes National Recreation Area.
Unweigerlich fühlen wir uns etwas wie Lawrence von Arabien, lassen unseren Blick schweifen nach Osten über die kleine Oase, aus der wir gekommen sind, nach Norden und Süden, über schier endlose Wellen beigen Sandes und nach Westen, wo der Sand so weit ausufert, daß wir den Pazifik nicht ausmachen können. Wahrscheinlich hätte es uns in diesem Moment nicht überrascht, wenn ein Tuareg in seinem tiefblauen Gewand mit seiner Kamelkarawane sich am Horizont abgezeichnet hätte. Aber vielleicht wäre es auch eine Fata Morgana gewesen in Oregon, 15 Minuten von der US 101 entfernt.
Wir lassen uns nieder auf der Düne, schauen uns um und lachen über uns selbst. Claudia hat ein Halstuch in Dreiecksform über Mund und Nase gebunden, um den die Luft durchziehenden, feinen Sand nicht einzuatmen. Nur ihre Augen sind auszumachen über dem blauen Tuch und unter den vom Wind ergriffenen Haaren. Wir machen Fotos von uns selbst, die wir ohne weiteres in jedem Afrikamagazin abdrucken könnten und jeder hätte uns geglaubt, daß wir auf einer mehrmonatigen Expedition durch das Herz der Sahara wären 15 Minuten von der US 101 entfernt.
Wir ruhen uns aus, trinken aus unserem Wasservorrat und denken nach. Wie weit mag es bis zum Strand noch sein. Gut drei Meilen müßten uns noch vom Pazifik trennen. Drei Meilen beschwerlichen Weges. Drei Meilen durch eine Dünenlandschaft, in der uns ein leichterer Weg über Serpentinen deutlich mehr Wegstrecke kosten würde, in der uns vielleicht schnell die Orientierung verloren gehen würde, sobald wir mitten im Meer aus Sand ohne Blickkontakt zum Trailhead oder zum Wasser wären. Wer hätte auch ahnen können, daß es sinnvoll gewesen wäre, unseren Kompaß einzupacken für eine Reise nach Oregon, für einen Nationalpark 15 Minuten von der US 101 entfernt.
Wir beschließen umzudrehen und versuchen auf unseren Hintern den steilen Abhang der Düne hinabzurutschen. Doch dafür erweist sich der Sand jetzt plötzlich als zu träge. Hinunterzugehen ist ebenfalls ein sinnloses Unterfangen und zwangsläufig kommen wir ins Laufen, rennen mit dem sich nun doch lösenden Sand die Dünen hinunter und fangen uns schließlich wieder in der tiefergelegenen Heimat der Spinifex-Büsche. Auf dem Weg zurück, schälen sich plötzlich zwei junge Männer aus der Silhouette des Waldes, kommen uns entgegen und bringen neue Farben in das Beige der Wüste. Zuerst denken wir, die beiden steuern auf uns zu, doch ihr Weg driftet zielstrebig wenige Grad von unserem ab. Als wir ihren Weg mit unseren Augen fortsetzen, erkennen wir ihr Ziel. Auf dem seitlichen Grat einer Düne steht ein kleiner Holzpflock, den wir bisher nicht wahrgenommen haben. Was er markiert erscheint jedoch offensichtlich den direkten Weg zum Strand.
Doch wir drehen nicht um. Wir haben eine wunderschöne Wüstenerfahrung gemacht und kehren wieder in den Wald zurück. Sobald wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, wollen wir endlich die Diskussion ausräumen, wer denn nun mehr Sand in den Schuhen hat. Wir ziehen unsere Schuhe aus und lassen vorsichtig den Sand herausrieseln, um den Wind nicht unsere Pyramiden ergreifen zu lassen. Ich gewinne und es ist klar, daß Claudia heute abend das Essen zahlen muß!
Der Oregon Dunes Overlook und das Visitor Center in Reedsport sind unsere nächsten Stops. Während wir am letzteren außer der offiziellen Broschüre zum Nationalpark nur wenig zusätzliche Infos finden, bietet ersterer uns von einer Holzplattform, die nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt ist, einen Blick über Dünen und Meer. Deutlich kürzer ist hier der Weg zum Wasser und von der Aussichtsplattform können wir mehrere Gruppen ausmachen, die sich auf dem Weg zum oder vom Strand befinden.
Wir fahren jedoch weiter und am Siltcoos Beach nochmals vom Highway ab. Vielleicht finden wir ja hier Strand Buggys für uns, ist meine heimliche Hoffnung. Doch obwohl wir das Dröhnen der Fahrzeuge wahrnehmen, finden wir keinen Verleiher. Am Parkplatz am Ende der Straße treffen wir auf Besucher, die offensichtlich gerade ihre privaten Polaris (vierrädrige All Terrain-Motorräder) verladen. Das leise Dröhnen besteht weiter. Einen Verleiher gibt es allerdings hier offensichtlich nicht.
Was bleibt uns, als das Auto abzustellen und die Gegend zu erkunden. Eine wuchtige, mit hohen Gräsern bewachsene Düne liegt vor uns. Wir folgen einem Weg der uns über die Düne führt und stehen direkt am Pazifik. Der Strand ist reich übersäht mit Muscheln und den Schalen von Krebsen, die die Flut an Land gespült hat und die den Vögeln nicht entkommen konnten.
Ein starker Seewind greift in unsere Kleider, spendet eine unerwartet angenehme Kühle in Oregons Wüste, trägt aber auch Sandkörner mit sich, die ein natürliches Peeling erzeugen. Wir finden eine von den hohen Gräsern halbwegs geschützte Stelle auf halber Höhe der Düne, legen uns flach in den Sand, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und schließen unsere Augen. Die warme Sonne spüren wir auf unseren Gesichtern, der Wind läßt die Gräser um uns herum raschelnd das Geräusch der Strand Buggys übertönen und die leicht brechenden Wellen des Pazifiks erzählen uns, wo wir sind.
Eine Zeit lang liegen wir einfach so da, genießen dieses Kapitel unserer Reise und lassen die Zeit verrinnen. Zurück am Auto merken wir, daß der Sand trotz unseres Windschutzes in alle Poren eingedrungen ist. Notdürftig befreien wir unsere Ohren davon und schütteln unsere Kleider aus. Daß auch die Sonne in den letzten Stunden kräftig genug war, einen leichten Sonnenbrand hervorzurufen, merken wir in diesem Moment noch nicht.
Heceta Head Lighthouse,
Oregon 2001
Die Siuslaw River Bridge, die uns nach Florence hineinführt, stellt das Ende der Oregon Dunes National Recreation Area dar. Florence mag man als Touristenmetropole am Nordrand der Oregon Dunes sehen, zumindest hat es aber noch so viel ursprünglichen Charakter, wie es Typisches einer amerikanisches Stadt aufzuweisen hat. Wir biegen rechts ab Richtung Old Town und halten an dem von unserem Reiseführer empfohlenen Johnson House B&B. Claudia ist heute dran, eine Unterkunft zu besorgen und klingelt an dem über 100 Jahre alten, aber restaurierten Haus. Nach einigen Worten mit dem Inhaber, der natürlich auch eine deutsche Vergangenheit hat, holt sie mich am Auto ab. Selbst wenn wir für Preise ab USD 105,-- nicht bleiben wollen, so möchte er uns doch zumindest eine Hausführung gönnen. Akzeptiert! Das Haus zählt sicherlich zu den B&B's, das seinen Preis wert ist. Mit Antiquitäten und Liebe zum Detail sind die Räumlichkeiten eingerichtet, die frisch gebackenen Frühstücksbagels können wir fast schon riechen. Doch wir haben uns günstigere Unterkünfte vorgestellt und es ist noch zu früh zum bleiben.
Eine kleine Rundfahrt durch Old Town, gekennzeichnet von der Geschichte der Fluß- und Seefischerei, aber inzwischen genauso von Boutiquen und Restaurants, rundet das Stadtprogramm ab. Über alte Brücken, die vornehmlich in den 20ern und 30ern im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen die Westküste Oregons urbar gemacht haben, fahren wir weiter nach Norden.
Die Sea Lion Caves lassen wir aus. Seelöwen sind wirklich keine einzigartige Attraktion auf dieser Reise. Am Heceta Head Lighthouse, einem der meistfotografierten Leuchttürme der USA halten wir allerdings an. Das Lighthouse selbst steht auf einer felsigen Landzunge oberhalb der Bucht eine Distanz, die mit einem handelsüblichen Zoom kaum zu überbrücken ist. Was unser Fotoapparat nicht schafft, schafft unsere Videokamera. Trotzdem reizt es uns, an den weißen Turm, der majestätisch von der hohen Klippe aufragt, näher heranzukommen. Wir folgen dem schmalen Trampelpfad, der wiederholt weitere Fotopunkte bietet.
Auf halber Höhe stehen wir vor einem großen, weißen Haus, dessen Fenster hinausblicken über den Pazifik und die die Macht beobachten, mit der er hier an die Klippen schlägt. In einem Fenster sehen wir undeutlich eine Frau auf dem Fensterbrett sitzen und stellen uns vor, wie sie dort mit einem heißen Kakao in der Hand die eisige Wucht des Meeres verfolgt.
Bei dem Haus handelt es sich um ein Gebäude, das unter der Obhut der Nationalparkbehörde steht, in dem von (vorab per Telefon buchenden) Besuchern aber auch Zimmer reserviert werden können. Sicherlich ein weiteres hervorragendes Domizil, dessen Preis wir allerdings nicht in Erfahrung gebracht haben.
Wir folgen dem Weg weiter und erreichen schließlich den Leuchtturm. Doch wie es Dinge derartiger Größe nunmal an sich haben, sind sie aus der Nähe viel schwieriger wahrzunehmen und zu fotografieren, als aus der Ferne. Den majestätischen Platz auf der Klippe hoch über dem Pazifik können wir allerdings für einige Minuten mit ihm teilen, bevor unsere Reise weitergeht.
Die Motels entlang des Highways erwarten uns alle mit Preisen über USD 60,--. Unser Coupon-Heft verspricht uns für Newport ein Value Inn für USD 45,--. Entsprechend fahren wir weiter, buchen ein gutes Zimmer in der kleinen Motelkette und machen uns nach kurzer Ruhepause wieder auf die Suche nach etwas zu essen und nach einem Abendprogramm.
Es ist Freitag abend und auch wenn wir uns bezüglich des Essens heute schwer entscheiden können (schließlich landen wir bei einem kleinen Mexikaner mit noch kleineren Preisen) finden wir im Moby Dick das passende Abendprogramm.
Eine Liveband spielt in dem neu eröffneten Laden. Die 5 Country-Musiker aus der Region machen richtig gute Musik. Männer sitzen mit ihren Cowboy-Hüten im Publikum und lassen sich vereinzelt von ihren Frauen überreden, über die Tanzfläche zu wiegen. Ich bestelle ein amerikanisches Hefeweizen, daß mir auch auf sehr amerikanische Art serviert wird in der Flasche mit Zitrone. Was soll ich sagen, es schmeckte gut, Country und Rock-Klassiker wechselten sich ab und wären wir mutiger gewesen, hätten wir vielleicht nicht nur mitgesungen, sondern auch getanzt.
Müde nach einem schönen Tag und einem netten Abend kehren wir zurück in unser Motel, drehen die Heizung an, um der kalten Pazifikluft zu trotzen und schlafen ein.
Part 15
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Seelöwe im Hafen
von Newport,
Oregon 2001
Geschichte zum Lernen und Anfassen
Tag 14: Newport - Depoe Bay - Lincoln City - Salem - Woodburn
Mit einem guten Frühstück beginnt der Samstag morgen. Sogar Melonen gehören zum Buffet und wir essen reichhaltig. Nach dem Frühstück packen wir unser Auto und fahren zum Farmers Market des Ortes.
Der Markt ist kleiner als wir erwartet haben. Etwa 10 Stände verteilen sich auf dem Platz neben dem Polizeipräsidium. Einige davon bieten Kunsthandwerk an, andere Ernten aus der umliegenden Region. Auch ein Fotograf, dessen Werke wir uns näher anschauen, ist unter den Anbietern. Nicht daß wir eines seiner Fotos kaufen wollen, aber wir schauen uns die Motive an und die Art, wie er sie aufgenommen hat, um Ideen zu gewinnen und kopieren zu können. Leuchttürme sind das dominierende Motiv. Kein Wunder an der wilden Küste Oregons.
Nach einem Abstecher an den Binnenhafen des Yaquina River, an dem die Seelöwen lautstark und stinkend auf sich aufmerksam machen, fahren wir entlang der Küste weiter nach Norden. Hier und da halten wir für Yard Sales an und sind auch recht erfolgreich heute. Ein Spiel namens Chronology für USD 1,50, ein Alaska-Kartenspiel für 25 Cents und eine große Bärendose für 50 Cents. Keine Ahnung, wie wir sie nach Deutschland transportieren sollen, aber für 50 Cents sollten wir das Risiko eingehen, daß sie die Reise nicht übersteht.
Depoe Bay ist der nächste Ort am US 101. Zur linken Hand den Pazifik zieht sich rechts der Straße eine Häuserzeile entlang, die dem Tourismus zum Opfer gefallen ist. Souvenir-Shops, Fast Food-Läden und Kneipen rangeln um die zahlreich vorhandenen Besucher. Doch einen Stop ist Depoe Bay allemal wert. Zum einen gibt es südlich der Brücke einen großen Second Hand Bookstore, in dem man mit Sicherheit eine günstige Reiselektüre findet, wenn es einem gelingt, die trägen und fetten Katzen von den Bücherkisten zu scheuchen und jemanden zu finden, der einem die Bücher verkauft. Zum anderen hat Depoe Bay den kleinsten schiffbaren Hafen der Welt.
Was nicht sonderlich beeindruckend klingt ist eine Herausforderung für viele Yachtfahrer, denn die unter der Brücke liegende Zufahrt zum Hafen ist äußerst schmal. Mit zahlreichen anderen Schaulustigen beobachten wir einen Freizeitkapitän, der mit seiner Motoryacht vor der Hafeneinfahrt steht und wartet, bis eine Welle ihn hineinträgt. Abenteuerlich sieht der Versuch aus, doch es gelingt ihm ohne Schrammen den Hafen zu erreichen.
Lincoln City dürfte die größte Ansiedlung der Küste sein und sieht man von Einkaufsmöglichkeiten ab sind die vielen Strände ihre größten Attraktionen. Um mit ihnen noch mehr Besucher anzulocken hat Lincoln City sich etwas Spezielles ausgedacht und zahlreiche Glaskugeln im Sand vergraben.
Ob Schatzsucher schon alle ausgebraben haben oder noch welche bis dato unentdeckt geblieben sind, wir wissen es nicht. Doch schon die Suche nach einem Parkplatz scheint schwieriger, als eine Nadel im Heuhaufen zu finden. Wohl eher Dank des guten Wochenendwetters als Dank der Glaskugeln sind alle Strandparkplätze grenzenlos überfüllt. Wir fahren in ein Wohngebiet ein, durchsuchen die Straßen und bleiben schließlich für einige Minuten im Parkverbot stehen, um zumindest einige Schritte am Strand zurückzulegen. Dabei über eine der Glaskugeln zu stolpern wäre wirklich zu viel verlangt gewesen. Aber versuchen mußten wir es bevor wir unsere Reise fortsetzen.
Thomas Kay Woolen Mill
Mission Mill Museum Salem,
Oregon 2001
Unser Plan nennt Portland als nächstes Ziel, doch wir wollen Salem einen Besuch abstatten. Zum einen, um ein weiteres State Capitol in unsere Reiseliste einzutragen, zum anderen, um das Mission Mill Museum zu besuchen.
Über die 18 und die 22 fahren wir ostwärts zur Hauptstadt Oregons. Die Fahrt ist wenig ereignisreich wenn man davon absieht, daß wir unterwegs das gerade erworbene Chronology-Spiel ausprobieren, eine Art geschichtliches Trivial Pursuit. Wir haben einen Heidenspaß und wenn zwischen Lincoln City und Salem irgendwo eine Sehenswürdigkeit ist, sehe man es uns nach, wenn wir sie übersehen haben ...
Erst in Salem packen wir das Spiel vorerst beiseite. Aus der 1834 gegründeten methodistischen Missionsstation ist eine sympathische Stadt hervorgegangen, in der Schilder auf einige historische Gebäude hinweisen. Die größten Schilder weisen den Weg zum Mission Mill Village. Neben der Visitor Info und ein paar Läden befindet sich hier auch der Eingang zum Mission Mill Museum. Auf dem Gelände der ehemaligen Wollmühle hat Oregons Hauptstadt u.a. ein Pfarrhaus von 1841 und eine Kirche von 1858 versammelt. Für USD 6 pro Person sehen wir uns einen kurzen Film an und erhalten die Schlüssel zu den Gebäuden und zur Mühle. Wir erkunden die historisch möblierten Gebäude und die Mühle, in der uns Bewegungsmelder Schritt für Schritt begleiten und uns informieren über die Arbeitsschritte im 19. Jahrhundert und über die Bedeutung der Mühle für die Besiedlung Oregons.
Das State Capitol ist unser nächstes Ziel, das wir um 15:40 Uhr knapp vor Toresschluß (16:00 Uhr) erreichen. Schulklassen tummeln sich auf den Stufen und wir nutzen die 20 Minuten, die uns bleiben, um uns schnell ein Bild des Gebäudes zu verschaffen. Über uns ist die Rotunda der Kupel zu sehen, in der Mitte des Bodens ist das Siegel Oregons eingelassen, das einen Planwagen zeigt. Rund um das Gebäude sind Wandgemälde angebracht, die Oregons bedeutendste Industriezweige zeigen. Vielleicht wäre es heutzutage angebracht, eines davon mit dem Bild des Tourismus zu übermalen, wenn auch Landwirtschaft und Wollproduktion sicherlich noch einen hohen Stellenwert haben. Der Turm ist leider schon geschlossen, die Räume des Senats und des House of Representatives sehen wie in fast allen State Capitols ordentlich sortiert, aufgeräumt und leer aus.
Mit ein paar Schritten durch den umgebenden Park runden wir unser Bild Salems an. Wir setzen uns auf eine Bank, beobachten blaue Vögel, die neugierig Boden und Buschwerk durchforsten und mehrere Eichhörnchen, von denen eines demonstrativ direkt vor unseren Augen versucht eine Nuß zu knacken.
Auch ein besonderer Baum steht nur wenige Meter von uns entfernt. Der Moon Tree ist von Gouvenor Strauß 1978 gepflanzt worden, nachdem der Samen der Douglastanne mit der Apollo durch die Schwerelosigkeit gereist und den Mond besucht hat. Genau genommen ist allerdings die entsprechende Hinweistafel das außergewöhnlichste an dem Baum, der eigentlich wie eine ganz normale Tanne aussieht.
Eichhörnchen vor dem
Oregon State Capitol
in Salem,
Oregon 2001
An diesem Abend wollen wir eigentlich nicht mehr nach Portland reinfahren. Stattdessen sind wir dankbar, als wir plötzlich in Woodburn ein Factory Outlet sehen. Die Highway-Abfahrt haben wir aber dummerweise schon verpaßt, so daß uns erst ein kleiner Umweg in das Einkaufsparadies führt.
Angesichts des Memorial Day Weekends will man uns hier überall mit Sonderrabatten verwöhnen. Wir durchstöbern zahlreiche Läden, finden teils gar nichts, können uns teils nicht entscheiden und enden schließlich mit 2 T-Shirts für Claudia sowie einem neuen Levis-Geldbeutel für mich.
Nachdem wir soviel Geld vershoppt haben, soll zumindest die Unterkunft günstig sein. Unser Coupon-Heft nennt uns ein Budget Inn an der 99E für USD 32. Ein sensationeller Preis und auf der Suche nach dem Motel wissen wir auch warum. Die 99E liegt einige Meilen abseits des Highway und das Budget Inn selbst auch noch ein gutes Stück südlich des Zentrums von Woodburn. Wir hoffen, daß wir angesichts Memorial Day Weekend nun nicht wieder die Floskel hören, daß das Angebot bei so einem Ereignis natürlich nicht gilt. Doch der Preis steht. Wir schauen uns das Zimmer des von Indern (oft in den USA!) betriebenen Motels an, akzeptieren, unterschreiben und machen uns gleich wieder zum Abendessen auf.
Es ist Samstag und bei McDonalds Big Mäc-Day. Da dies Claudias Lieblings-Dinner bei McDonalds ist, haben wir keine andere Wahl als hinzugehen - und 99 Cents für einen solchen Burger ist wirklich ein guter Preis. Das richtige vorm schlafen gehen würde es dagegen kaum sein. Aber was soll's, wir sind in den USA und 95% der Bevölkerung dürften wir mit unseren normal gebauten Körpern ausstechen können ...
Part 16
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Portlandia
Portland,
Oregon 2001
Von Portland an die Füße des Mt. St. Helens
Tag 15: Woodburn - Portland - Cougar
Gleich am Morgen fahren wir ohne Frühstück von unserem Motel wieder Richtung Highway. Portland, die größte Stadt Oregons ist unser Ziel. Es ist ein Sonntag und der Highway ist leer. Trotzdem gibt es auf einem Parkplatz mit Infotafeln über das uns hinter der Großstadt erwartende Washington einen Kleinbus, an dem Fahrern kostenloser Kaffee und kleine Muffins angeboten werden. Wir bedienen und bedanken uns für diesen heute sehr willkommenen Service.
Wie ausgestorben wirkt Portland an diesem Morgen. Viele Städter scheinen für das lange Wochenende (morgen ist Memorial Day) ausgeflogen zu sein. Auch die Visitor Info hat sich diesem Trend angeschlossen, müssen wir überrascht feststellen. Die Millionenstadt (geschätzt, wie soll ich es auch genau wissen, wenn die Visitor Info geschlossen ist) scheint niemanden zu erwarten.
In außen angebrachten Prospektständern finden wir zumindest das nötigste, einen Stadtplan mit einer Historic Walking Tour. Viel mehr brauchen wir eigentlich auch nicht. Mit dem bunten Stück Papier machen wir uns auf den Weg zum Waterfront Park und stellen fest, daß wir doch nicht allein sind in der Stadt. Zum einen werden Zelte und Fahrgeschäfte für ein großes Memorial Day Fest aufgebaut, zum andern ziehen Jogger ihre Wege entlang des Ufers des Willamette Rivers.
Portland sieht sich selbst als grüne Stadt. Der Waterfront Park bietet hier auch einen schönen Kontrast zwischen dem Bürocentrum zur Linken, dem Blick auf historische Brücken, die den Fluß überspannen und das pyramidenförmig aufragende Oregon Convention Center östlich des Flusses.
Zwischen Joggern und Arbeitern laufen wir nach Norden und biegen in die Old Town ab. Backsteine und Gußeisen zieren hier die Fassaden der Gebäude, Designermöbel und Anwaltzskanzleien ihr Inneres. Gleich zu Anfang stolpern wir über den Saturday Market, der offensichtlich auch Sonntags abgehalten wird. Auch hier sind Menschen unterwegs, wenn wir auch den Eindruck gewinnen, daß die Aussteller noch weitestgehend unter sich sind. Schön ist auch die Trennung zwischen den Marktständen mit Massenwaren wie T-Shirts, Handytaschen etc. auf einem Platz und dem für Kunsthandwerk & Krimskrams auf einem zweiten. Wir schauen uns ein paar Sachen und auch ein paar Aussteller an, die wir eher in der
Haight-Ashbury-Street in San Francisco denn hier in Oregon erwartet hätten.
Fast nahtlos ist der Übergang zu Chinatown, das hier in Portland kaum mit der Atmosphäre anderer amerikanischer Chinesenviertel mithalten kann. Das übliche Stadttor wirkt deplatziert zwischen nüchternen und zumindest an diesem Sonntag leblosen Hauswänden und die Straßenlaternen, die hier ein asiatisches Kleid tragen, erscheinen irgendwie zu bunt.
Ausholenden Schrittes gehen wir weiter zur Union Station. Der Bahnhof ist ein markantes historisches Gebäude und verkörpert ein Stück der Erschließung des Westens. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte Amtrak diese Region erschlossen und lieferte regelmäßig Waren und neue Siedler an die Ufer des Williamette Rivers.
Auch das Innenleben des Bahnhofs ist interessant. Hohe Hallen, massive dunkle Holzbänke, die in Reih und Glied hunderte von Reisenden beherbergen und würden wir jetzt eine Dampflok hören, wären wir in eine andere Zeit versetzt. Doch dringlicher zieht es uns im Moment zu den sanitären Möglichkeiten des Bauwerks.
Unsere müden Füße tragen uns noch bis zum Beginn der Transit Free Zone, wo wir auf einen kostenlosen Bus aufspringen und in die Innenstadt zurückfahren. Am Portland Building, das mit der Portlandia-Skulptur das Wahrzeichen der Stadt trägt, steigen wir wieder aus. Ein Ziel in der Innenstadt haben wir noch im Visier. In den South Park Blocks, einer Parkanlage südwestlich des Zentrums, soll eine indianische Kunstausstellung stattfinden.
Wir laufen die drei Blocks Richtung Westen und stehen am Rand der langgezogenen Parkanlage. Wir versuchen uns einen Überblick zu verschaffen, laufen in die eine und in die andere Richtung, finden aber nicht, was wir suchen. Das Portland Art Museum allerdings befindet sich direkt am Rand des South Parks. Wir sprechen die Kunstinteressierten an, die davor auf die Öffnung des Gebäudes warten, ernten zwar hilfsbereite, aber gleichzeitig hilflose Antworten. Die Öffnung des Museums abzuwarten und die kunstseitig sehr versierten Mitarbeiter zu fragen, dürfte wohl der beste Tip gewesen sein (wenn man von "vielleicht weiter unten" und "haben Sie mal weiter oben geschaut" absieht).
Statt zu warten, wollen wir uns zwischenzeitlich die Old Church anschauen, die weitere 3 Blocks entfernt ist. Wir laufen durch eine eher unschöne, in ein altes Gewerbegebiet übergehende Gegend und stehen schließlich vor einem hellblau gestrichenen, aus Holz errichteten alten Kirchlein. Die Türen sind verschlossen, wenn man das was drinnen zu erwarten ist am äußeren Erscheinungsbild beurteilt, macht das auch nichts.
Wir drehen also um, laufen an einer anderen Kirche der tausenden von Glaubensgemeinschaften vorbei, die es in den USA gibt und wollen spontan versuchen, diese als Kompensation zu nutzen. Der Gottesdienst scheint gerade zu Ende, viele Menschen verlassen das Gebäude und ein älterer Herr steht im Eingang und verabschiedet sie hier und da. Der Pfarrer scheint es jedoch nicht zu sein. Mich begrüßt er mit Handschlag, nach meinem und nach Claudias Namen fragt er mich, begrüßt sie jedoch nicht. Gerne ist er bereit, uns die Kirche zu zeigen, führt uns herum und ignoriert konsequent Claudia, während er sich mit seinen Erzählungen (natürlich hat er Verwandte in Deutschland!) an mich wendet. Die Kirche ist allerdings wenig sehenswert, seine Erzählungen halbwegs interessant, halbwegs gebe ich mich interessiert, während Claudia sichtlich ihre Mißachtung erbost.
Aber was soll's, wir werden dem Glauben nicht beitreten, wurden nicht der Gedankenwäsche unterzogen und haben den Ausgang wieder gefunden. Der Eingang zum Portland Art Museum sah inzwischen aus, als hätte jemand einen Keil aus Menschen hineingetrieben. Wir sprechen eine der Kartenabreißerinnen an und landen einen Treffer - sie weiß Bescheid!
Ihre Info ist aber wenig erfreulich. Das Indian Art Festival mußte mangels Sponsoren in diesem Jahr abgesagt werden, aber im Museum sei auch indianische Kunst zu finden. Wir lehnen dankend ab. Kein Wunder, daß sich kein Sponsor findet in einer Stadt, in der kein Besucher irgendwas findet, da die Visitor Info geschlossen ist ...
Union Station
Portland,
Oregon 2001
Aber da gibt es noch eine weitere Attraktion in Portland, von der wir auch ohne Visitor Info wissen: The Grotto.
Wir fahren aus dem Stadtzentrum heraus Richtung Nordosten. Ecke Sandy Boulevard und 85te Straße liegt der tief verwachsene Park, in dem sich die Höhle befindet. Ob eine Marienerscheinung der Ursprung dieser Andachtsstätte ist, wissen wir nicht abschließend, es zeigt sich jedoch das die sonntägliche Mittagszeit für diesen Besuch (zufällig) äußerst gut gewählt ist.
Auf dem Parkplatz finden wir mit Glück noch eine Ecke für unseren Wagen, schnappen uns Fotoapparat und Videokamera und folgen dem Chorgesang. Eine Grotte in einer massiven Felswand, die eine marmorne Nachbildung der Pietè Michelangelos ziert, ist der Sorgenvollen Mutter Gottes gewidmet. Eine Mittagsandacht findet gerade statt. Die Bänke sind voll und es ist ein ungewohntes Bild, so viele Menschen bei einem Gottesdienst zu sehen, daß die Plätze nicht ausreichen.
Wir folgen dem Gesang des Chores etwas und gehen dann weiter. Selbstverständlich gibt es auch eine prächtige Kirche hier, es gibt einen kleinen Shop mit sakralen Präsenten und ein paar Mädchen verkaufen für einen guten Zweck selbstgebackene Donuts. Ohne richtiges Frühstück kommt uns diese Möglichkeit der "Spende" genau recht. Wir schauen uns um, schlendern -die Musik immer im Hintergrund- über das Gelände und teilen uns schließlich auf. Während Claudia noch etwas der Predigt folgen will, erkunde ich die Umgebung weiter und entdecke eine typisch amerikanische Tradition. Auf die Kuppe des massiven Felsens hat man ein Glasgebäude gesetzt, in dem auch das obere Drittel eines riesenhaften Kreuzes endet. In dem kleinen Shop kann man Tickets für einen Aufzug kaufen, der die Besucher zur Spitze des Kreuzes bringt, von wo aus man sicherlich einen guten Ausblick über die Umgebung hat. Von unten sieht es eher kurios aus, wie hinter Glasscheiben auf dem Querbalken eines Kreuzes Menschen herumspazieren. Aber wir sind nunmal in den USA.
The Grotto
Portland,
Oregon 2001
Ich kehre zurück zu Claudia und berichte ihr auf dem Weg zum Wagen. Wir suchen uns die nächste Highwayauffahrt
und überqueren kurz darauf die Grenze zu Washington. Nach etwa einer halben Stunde fahren wir in Woodland
bereits wieder ab und halten am Woodland Info Center. Der Mt. St. Helens ist hier natürlich das Hauptthema - und auch unser
Ziel.
Wir sprechen die beiden älteren Damen an, erhalten ein paar Broschüren und den Hinweis, daß aufgrund des
Memorial Day Weekends keine Übernachtung im direkten Umfeld des Mt. St. Helens National Volcanic Monument zu bekommen sei.
Unsere einzige Möglichkeit sei, in Woodland zu bleiben und am nächsten Morgen zu starten.
Es ist gegen 2 Uhr
nachmittags. Wir wägen die Alternativen ab. Nach Aussage der Damen, gibt es keine Alternative als in Woodland zu bleiben.
Doch was soll man hier? Alternative 2 wäre, es darauf ankommen zu lassen, in den Nationalpark einzufahren, zu gucken,
ob wir eine Übernachtung kriegen. Wenn dem nicht so ist, wäre 2a zu versuchen, möglichst viel des Nationalparks mitzunehmen
und noch an diesem Tag weiter zu fahren oder 2b festzustellen, daß es zu viel für einen Nachmittag zu sehen gibt und wir nach
Woodburn zurückkehren müssen.
Alternative 2 liegt uns deutlich näher. Etwa 30 kurvige Meilen trennen uns von
Cougar. Wir machen uns mit einem flauen Gefühl im Magen sofort auf den Weg, versuchen schnell voranzukommen,
um möglichst früh unsere Handlungsmöglichkeiten einschätzen zu können bzw. langsameren Reisenden noch das letzte freie
Zimmer wegzuschnappen.
Etwa 45 Minuten benötigen wir bis zu dem winzigen Ort. Gleich am Ortseingang sehen wir ein Motelschild, halten an, fragen nach und erhalten die Anwort, das natürlich noch Zimmer frei seien. Und für USD 40 sind diese günstiger, als sie vielleicht in Woodland gewesen wären. Motel und Campingplatz gehören hier zusammen, die Räumlichkeiten sind mit dunklem Holz verkleidet, das Bett betagt und der Fernseher altertümlich. Aber das Zimmer ist sauber, günstig und nah am Vulkan. Wahrscheinlich werden die beiden Damen in der Visitor Info von Woodland vom dortigen Gewerbeverein bezahlt und wahrscheinlich fallen die meisten der Reisenden auch auf sie herein und lassen ihr Einkaufs-, Essens- und Übernachtungsgeld in dem unbedeutenden Nest an einer Highway-Abfahrt in Washington.
Wir verlassen unser Motel wieder und fahren in den Mt. St. Helens Park hinein. Auf dem Weg zur Ape Cave können wir bereits einen Blick erhaschen auf den Mt. St. Helens, dessen ehemalige Kuppel bei der Eruption 1995 weggesprengt wurde und der nunmehr wie ein massiver Tafelberg wirkt. Er ist noch vollständig mit Schnee bedeckt, hebt sich allerdings nur kaum vom grauweißen Himmel ab.
An der Ape Cave angekommen informieren wir uns über die Möglichkeiten. Natürlich benötigen wir einen National Forest Pass, eine Führung durch die Ape Cave kostet dafür allerdings nichts. Wir überlegen, ob wir uns eine Gaslaterne leihen oder auf die Tour warten sollen. Wir entscheiden uns für letzteres, schließlich wollen wir nicht nur durch eine finstere Höhle spazieren, sondern auch etwas darüber erfahren.
Eine Gruppe sammelt sich und mit einem Ranger, der erst seit einigen Monaten hier in Washington weilt, erkunden wir die Höhle. Ich erhalte die verantwortungsvolle Aufgabe, eine der Gaslaternen zu tragen und ab geht es in die Lava Tube. Die Ape Cave ist eine Höhle, die die brennend heiße Lava des Mount St. Helens gegraben hat. Entsprechend geradlinig ist die riesenhafte Röhre, deren Ende man noch nicht erkundet hat. Zarte Spuren von Vegetation und Leben, das es seit dem letzten Ausbruch geschafft hat, sich hier anzusiedeln, beobachten wir und erfahren von den Mt. St. Helens Apes, einer Studentengruppe, die die Höhlen ursprünglich erkundete.
Nachdem wir die Lower Cave erkundet haben, werden wir am Eingang wieder entlassen. Für Kletterer bietet sich zusätzlich die Upper Cave an, die man alleine erkunden kann und die wohl anspruchsvolleres Caving bietet. Uns zieht es jedoch wieder dem Sonnenlicht entgegen, auch wenn davon nicht viel zu sehen ist.
Die Luft ist feucht und obwohl es nicht direkt regnet, nimmt unsere Kleidung ein klammes Gefühl an. Trotzdem nehmen wir uns noch den Trail of 2 Forests vor. Alter Wald, der den Ausbruch überstanden hat, umringt hier eine Schneise, die die Lava gebrannt hat, und in der neue Flora sich entwickelt. Am überraschendsten ist jedoch die Entdeckung, daß die Lava in der Schneise sämtliche Bäume bis in den Boden hinein verbrannt hat, so daß senkrechte Röhren bis tief ins Erdreich führen. Leitern sind in einigen Löchern drin und bieten mir (Claudia bleibt lieber oben) Zugang ins Erdreich, wo umgebrochene Stämme schmale Höhlen hinterlassen haben. Durch dieses durchzurobben überlasse ich dann allerdings lieber Kindern, die gerade schreiend ein anderes Loch entdeckt haben.
Wäre das Wetter entsprechend, böte Mt. St. Helens sicherlich noch viel mehr Möglichkeiten, und an diesem Abend lockert es auch noch auf, so daß wir für den nächsten Morgen hoffen. Wir essen im einzigen richtigen Grill & Restaurant von Cougar zu Abend und verbringen den Abend am aufgestauten See des Lewis River. Wir haben wieder unser Chronology dabei, sitzen auf einem Holzanhänger und spielen, vor der Kulisse aus Anglern, Bergen und Wasser bis der Wind zu kühl wird und das Licht zu dunkel, um die Karten lesen zu können.
Part 17
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Mt. St. Helens,
Washington 2001
Tanz um den Vulkan
Tag 16: Mt. St. Helens N.M. - Rendal - Chehalis - Centralia
Das Wetter hat uns getäuscht. Regen erwartet uns am nächsten Morgen und es ist kalt geworden. Trotzdem füllen wir unsere Eisbox auf, um das Essen kühlt zu halten, bevor wir losfahren.
Etwas unentschlossen sitzen wir im Auto, Claudia ist lustlos angesichts des trüben Wetters. Mangels Alternative bleibe ich jedoch hartnäckig und wir fahren Richtung Lava Canyon. An einem der ersten Trails lassen wir unser Auto auf einem einsamen Parkplatz zurück, ziehen Jacken und Mützen an und erkunden die Umgebung. Die Region ist von der Lava verwüstet worden und nur spärlich drückt sich Zwergwuchs durch die versteinerte Gegend. Weitsicht gibt es keine an diesem Morgen und wir fragen uns, was genau wir im Regen hier erkunden sollen.
Nach einigen Minuten drehen wir um, schälen uns aus den bereits durchnäßten Jacken und fahren weiter. Wir wollen es beim Lava Canyon am Ende der Straße noch einmal versuchen. Die Intensität des Regens verändert sich ständig. Mal prasselt er auf unsere Autoscheibe, mal verwandelt er sich in ein kleines Nieseln.
Am Parkplatz über dem Lava Canyon angekommen, haben wir gerade wieder eine heftigere Phase und frühstücken erst einmal im Auto. In einem Motel-Plastikbecher machen wir uns Müsli und warten bis der Regen nachläßt. Tatsächlich erwischen wir einen Moment, in dem er fast nachgelassen hat. Wir nutzen die Chance, um den Kofferraum unseres Autos zu durchsuchen. Vor Jahren haben wir in irgendeinem Laden zwei blaue, winzig gepackte Regen-Plastiküberwürfe für je DM 1,-- gekauft, die seitdem mit uns um die Welt reisen, ohne je benutzt worden zu sein. Heute ist der Tag dafür. Wir finden die Capes, ziehen sie über unsere noch trockenen Pullover und lachen selbst über uns. Wir sehen aus, als hätte man uns in durchsichtige Müllsäcke gesteckt und als hätten wir - wie bei alten Omas eher üblich - eine Plastikhaube über den Kopf gezogen.
Doch die Investition erweist sich als äußerst sinnvoll. Ich packe die Videokamera noch unter mein Cape und los geht es hinab in den Canyon. Die ersten Meter sind einfach begehbar, serpentinenartig wurde ein Weg asphaltiert, der uns immer tiefer in den Wald bringt. Selbst wenn hier das Dach der Bäume trügerischen Schutz vor dem Regen bietet, so hängt die Feuchtigkeit doch auch in der Luft und in den Pflanzen.
Lava Canyon
Mt. St. Helens National
Volcanic Monument,
Washington 2001
Der Asphalt begleitet uns bis der Wald uns einen ersten Blick über den Canyon und auf unseren Rückweg gestattet. Über Stock und Stein geht es weiter, mal weiter weg, mal näher dran an der steil abfallenden Canyonwand. Tief in den Fels hat die Lava hier ihr Bett gegraben, das jetzt dankbar vom Schmelzwasser des Mt. St. Helens genutzt wird. Das Wasser rauscht durch die enge Schlucht und dürfte den höchsten Wildwassergrad längst übersprungen haben. Immer wieder ergeben sich beeindruckende Bilder, bei denen nur die Sonne und der blaue Himmel fehlt.
Einmal sehen wir kurz eine kleine Gruppe auf der gegenüberliegenden Seite des Canyons, die wie wir durch den Regen stapft. Unser Rückweg scheint also offensichtlich auf der anderen Seite des Canyons zu verlaufen. Wie wir hinüber kommen, um den 1,7 Meilen langen Walk zu vollenden, sehen wir einige Minuten später. Eine Hängebrücke überspannt die Schlucht. Die Pfeiler auf beiden Seiten sehen alt und von der Natur angegriffen aber immer noch massiv aus. Die Konstruktion an sich erfordert allerdings Selbstvertrauen. Mit unseren Händen, die sich an den Seilen links und rechts festklammern, scheinen wir die Brücke selbst zusammenhalten zu müssen. Mit jedem Schritt über die kleinen Holzbrettchen bringen wir die ganze Brücke in Schwung und die einzige gangbare Lösung scheint zu sein, sich dem Rhythmus anzupassen und in konstantem, schnellen Tempo ohne Pause hinüberzugehen.
Der Rückweg wird zu einer kleinen Kletterpartie und führt uns trotz unserer Capes, die zwar den Regen, aber nicht die Feuchtigkeit abhalten können, klamm und kalt ans Auto zurück. Wir schälen uns schnell aus den nassen Sachen, machen die Heizung an und die hinteren Fenster einen Spalt auf, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
Weiter geht die Erkundung des Mt. St. Helens über die Ostroute. Wir halten am Pine Creek Information Center, um uns auch für diesen Tag für USD 5 einen National Park Pass zu kaufen und versorgen uns im nahegelegenen Store für eine Donation von USD 1 mit heißem Kaffee und Tee. Ein öffentliches Telefon gibt es allerdings leider nicht, um ein Lebenszeichen nach Deutschland abzusetzen.
Während wir die sich windende Straße weiterfahren, überlegen wir, ob wir die Windy Ridge anfahren sollen. Auf unserer Oststrecke ist sie (mit einem Umweg von vielleicht einer Stunde) die einzige Möglichkeit, den Krater des Vulkans einsehen zu können. Das Wetter erleichtert uns wieder einmal die Entscheidung. Es hört auf zu regnen und auch wenn der Himmel bedeckt bleibt, wollen wir es versuchen.
Wir biegen ab auf die Straße, die wieder westwärts hinauf zum Vulkan führt. Die Straße hat sich auch hier in Serpentinen in das Land eingefressen, die es fast unmöglich machen die unseres Erachtens teilweise zu langsam fahrenden Senioren zu überholen. Hier und da gelingt es uns doch, teils durch das Vertrauen, daß in dieser gottverlassenen Gegend schon kein Gegenverkehr kommen wird, teils dadurch, daß wir Viewpoints überspringen, die sie nehmen. Die Landschaft ist trostlos. Verkohlte Baumstämme, von der Hitze der vor 6 Jahren erfolgten Druckwelle verbrannt, überziehen die Berge. Schnee wird wieder zu unserem Begleiter. Zuerst auf den Hügeln um uns herum und plötzlich vermischt er sich auch mit dem wieder einsetzenden Regen.
Wir passieren eine kleine Lodge, die wir auf dem Rückweg zum Aufwärmen nutzen wollen. Doch zuerst wollen wir zur Windy Ridge. Ein Information Center, kostenlosen Kaffee, Bilder vom Vulkan und eine tolle Aussicht hinter Glas war so das, was ich mir vorgestellt habe. Was wir entdecken ist ein Parkplatz auf dem Menschen in vereinzelten Autos sitzen, ein Blick über die Kuppe in die Wolken und ein verlassenes, von Glasplatten halbwegs gegen den Wind geschütztes Amphitheater indem sich wahrscheinlich zu gewissen Gelegenheiten ein Ranger einfindet. Während Claudia im Auto bleibt, versuche ich die Gegend zu erkunden. Meine erste und einzige Entdeckung die ich mache ist allerdings, wie der Ort seinen Namen bekam. Der Wind ist knallhart, kommt glücklicherweise von der Klippe, so daß nicht die Gefahr besteht, heruntergedrückt zu werden, aber der Handlauf ist dringend erforderlich, um nicht von einer brutalen Böe umgeworfen zu werden.
Auch die Hoffnung, die andere Besucher noch haben, daß sich die Sicht auflockert und daß sie aus der Windschutzscheibe (die hier ebenfalls ihren Namen verdient!) ihres Wagens den Krater des Mt. St. Helens sehen können, teilen wir nicht.
Wir kehren um zur Lodge. Doch statt Wärme finden wir auch hier verschlossene Türen vor. Es bleibt uns nichts, als die Windy Ridge wieder zu verlassen. Vereinzelt halten wir noch an Viewpoints an, werfen einen Blick über einen Schmelzwassersee und auf den Miners Car, ein Wagen, der zum Zeitpunkt der Eruption des Vulkans hier unterwegs war und wie in einer Schrottpresse schön verpackt wurde. Die Fahrer wurden herausgeschleudert, ihr Leben konnte das allerdings nicht retten.
Regen, Schnee und Hagel begleiten uns auf dem Weg nach Randle, dem nächsten Fluchtpunkt der Zivilisation. Tatsächlich gibt es hier sogar einen Supermarkt, den wir unverzüglich aufsuchen, eine Tankstelle, die wir ebenfalls gut gebrauchen können und ein öffentliches Telefon. In dieser Gegend erfreuen wir uns sogar an diesen selbstverständlichen Dingen.
Brücke über den
Lava Canyon
Mt. St. Helens National
Volcanic Monument,
Washington 2001
Doch wie geht es weiter ? Mt. Rainier, das Wahrzeichen Washingtons war als unser zweiter Nationalpark des Tages geplant. Doch der Berg, der sich eigentllich im Norden über Randle bereits erheben sollte, hüllt sich ebenfalls in Schnee- und Regenwolken.
Wir canceln den Berg und machen uns auf den Weg nach Centralia. Angesichts des Memorial Days nutzen viele ihre Scheunen und Garagen, um ihr altes Hab und Gut zu verkaufen. Wir steuern einige Yard Sales an, kommen mit einigen Leuten ins Gespräch, auch über Mt. St. Helens und Mt. Rainier, kaufen jedoch nichts.
Zwischen Chehalis und Centralia kommen wir unvermittelt auf eine Antique Row, eine Straße voller Antiquitätengeschäfte. Einige haben anläßlich des Feiertages geschlossen, andere sind geöffnet, bieten uns eine trockene Abwechslung, aber auch kein Einkaufserlebnis.
Das finden wir aber kurze Zeit später, nachdem wir uns in Centralia ein Motel 6 gesichert haben. Direkt neben dem Motel 6 ist ein Outlet Shopping Center. 2 Hemden (Two for 1 Price), 1 Buch und 1 Stofftier sind unsere vorläufige Bilanz, bis wir einen Spielzeugladen betreten. Close-Out-Sale verkünden uns große Banner und die Preise die wir sehen sind unglaublich ! Während Claudia für ihre Patenkinder Sesamstraßenspielzeug aussucht, stehe ich vor dem Regal mit Star Wars-Merchandising. Es fällt mir schwer, mich zwischen dem Limited Edition Star Wars Trivial Pursuit und dem Star Wars Episode 1 3D-Monopoly zu entscheiden. Die Würfel fallen schließlich für letzteres und bei einem Preis von USD 24 habe ich dabei sicherlich 50% gegenüber einem deutschen Ladenpreis gespart.
Geld haben wir dennoch viel ausgegeben, so daß Fast Food wieder einmal als Abendessen dienen soll. Wir finden ein Arbys, eine Kette, die wir bisher noch nie besucht haben, wollen ihr eine Chance geben und werden angenehm überrascht.
Arbys legt Wert auf gesunde Ernährung, ein gewisses Gewicht auf Salate und statt Pommes gibt es als Beilage auch Curly Fries oder Baked Potatoes. Wir mixen uns zwei Menüs aus Chicken bzw. Bacon Burger, Salad, Baked potatoe und Curly Fries. Kompliment, alles schmeckte wunderbar und man vermißte die fettige Art anderer Fast-Food-Ketten überhaupt nicht !
Part 20
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Fort Worden
Port Townsend,
Washington 2001
Rund um den Puget Sound
Tag 19: Port Townsend - Port Gamble - Olympia - Tacoma - Federal Way
Nach einem eher unbefriedigenden Fühstück (Kaffee alle, kein heißes Teewasser, Donuts und Danish wurden nicht mehr aufgefüllt) nehmen wir mit einer Fahrt durch die Stadt Abschied von Port Townsend.
Fort Worden, das ebenfalls auf der Halbinsel liegt, diente als Schauplatz des Filmes "Ein Offizier und Gentleman". Wir fahren durch die Kulisse aus weiß getünchten Häusern, die heute teils privat vermietet sind, teils als Museum bzw. Hostel genutzt werden, vor zum Leuchtturm. Auch dieser ist heute Privatbesitz und großräumig abgesperrt. Der benachbarte Strand jedoch bietet erneut einen einsamen Ausblick auf Vancouver Island. Wir sitzen einige Minuten auf einem angeschwemmten Baumstamm und schauen in den Morgennebel. Erst Helikopter, die über dem Gelände von Fort Worden und über dem Strand kreisen machen uns unruhig und wir machen uns auf den Weg.
Über die Hood Canal Bridge fahren wir nach Port Gamble. Der kleine Ort wurde von der Holzfirma ins Leben gerufen, der das Land gehört. Stolz sind die Bewohner des Ortes darauf, das Port Gamble zum schönsten Ort Washingtons gekürt wurde. Sehr gepflegt sind die wenigen Straßenzüge, viktorianische Häuser ziehen sich daran entlang. Wenn man schon einmal hier ist, sollte man jedoch nicht versäumen, den General Store zu besuchen. In ihm befindet sich das einzige (und kostenlose) Muschelmuseum der Welt. Zwar mag man über den Reiz von Muscheln geteilter Meinung sein, aber es gibt zweifelsohne beeindruckende Exemplare und wenn man nebenbei einen getrockneten Sea Devil sieht, weiß man, woher das Meerestier seinen Namen hat.
Das Historical Museum befindet sich ebenfalls im General Store und ist über den Hintereingang zu betreten. Wir setzen uns aber nur vor das täglich geöffnete Museum und blicken auf das Sägewerk. Riesige Baumstämme verschwinden in einer Maschine und erscheinen auf der anderen Seite wieder als sauber geschnittene Bretter während die Sägespähne in wehenden Fahnen herausfliegen.
Washington State Seal,
Olypmia,
Washington 2001
Auch diese Insel verlassen wir wieder und fahren nach Olympia, in die Hauptstadt Washingtons. An der Visitor Info des State Capitols stellen wir unseren Wagen ab. 30 Minuten können wir kostenlos bleiben und dies muß wohl reichen, um den Capitol Hill zu erkunden. Am State Capitol Washingtons wird gerade gebaut, weshalb es als Fotoobjekt nur eingeschränkt zu gebrauchen ist. Innen gewinnt es sofort unsere Sympathie, da sämtliche Treppen und die Rotunde aus Alaska Marmor hergestellt sind, was uns sofort mit dem Gebäude verbindet.
Wir schauen uns die offenen Säale an, in denen gerade keine Sitzungen stattfinden, und erkunden noch den Rest des Viertels. Eine goldene Statue vor dem Gebäude springt uns noch ins Auge, die wohl den Treck nach Westen symbolisieren soll, auf den wir am späten Nachmittag noch aufspringen werden.
Der Farmers Market soll eine weitere Besonderheit der Hauptstadt sein. Wir erwarten jedoch zu viel, müssen wir feststellen. Zwar bieten die Stände Kunst, Handwerk und die Früchte der naheliegenden Felder, aber den Markt haben wir in 15 Minuten komplett erkundet. Wir suchen einen Platz am Wasser, um uns in die inzwischen scheinende Sonne zu setzen. Doch an die offene See ist kein herankommen und uns bleibt nur der Weg zur Hafenbucht, in die wir uns für einige Minuten setzen. Es ist jedoch nicht die Umgebung, die wir uns vorgestellt haben.
Wir essen etwas auf dem Farmers Market und wollen es am Capitol Lake probieren. Doch auch diesmal scheitern wir, da der See wegen Uferarbeiten gesperrt ist. Kurzentschlossen verlagern wir unser Sonnentanken nach Tacoma.
Bucht von Olympia
vor Mount Baker,
Washington 2001
Tacoma ist die nächste Stadt am Puget Sound in der Bucht von Seattle und dort finden wir im Point Defiance Park auch viele schöne Stellen, von denen wir uns eine Wiese nahe eines kleinen Teiches aussuchen. Auf unseren Handtüchern lassen wir uns nieder und legen uns mit unseren Büchern in die Sonne.
Unweit von uns wird ein Buffet aufgebaut, was unsere Aufmerksamkeit immer mehr anzieht. Doch weder Essen noch Sekt sind für uns bestimmt. Es ist Graduation Day und die Schüler haben sich offensichtlich vorgenommen im Park zu feiern. Nach und nach fahren die Autos mit der Aufschrift "Grad 2001" ein und jubelnd steigen die Absolventen aus.
Doch wir fangen langsam an unsere Sachen zusammenzupacken, denn der Grund für unser nachmittägliches Lotterleben wartet auf uns. Donnerstags von 17:00 bis 20:00 ist nämlich der Eintritt ins Washington State History Museum kostenlos. Wir nehmen das Angebot wahr und parken kurz nach 5 vor den alten Bahnhofshallen der Union Station Tacoma.
Gute 1,5 Stunden halten wir uns in dem interessant gestalteten Museum auf. Wir sehen einen Film über die Bedeutung des Wassers und den Bau eines Staudamms, erfahren mehr über die Besiedlung des Landes, die Konfrontation mit den Indiandern, die Gründung Washingtons und auch über die Geschichte neuerer Zeit.
Dabei ist alles lebendig gestaltet, man läuft an Figuren dabei, die über Bewegungsmelder aktiviert werden und ihre Geschichte erzählen, kann durch einen alten Eisenbahnwagon laufen, Kurzfilme aktivieren und verschiedenstes tun oder lassen. Auch über den Wettbewerb zwischen Tacoma und Seattle erfahren wir einiges. Tacoma war die erste und anfangs schneller wachsende Siedlung am Puget Sound. Auch die erste transkontinentale Eisenbahn in den Nordwesten Amerikas hatte ihre Endstation in Tacoma. Trotzdem verlor man den Kampf irgendwann, Olympia wurde zur Hauptstadt und Seattle zur Metropole Washingtons. Vielleicht aber ist Tacoma immer noch die schönste Stadt des Landes. Der Besuch des Museum lohnt sich in jedem Fall, auch wenn der Eintrittspreis sonst mit akzeptablen USD 7 zu entrichten ist.
Wir verlassen Tacoma an diesem Abend noch und fahren nach Federal Way, eine der typischen US-amerikanischen Highwaystädte. Zwischen zwei Großstädten hat sich hier an der Highwayabfahrt eine reine Motel-, Shopping- und Essensszenerie entwickelt. Wir steuern es an, weil wir wissen, daß wir hier ein Super 8-Motel für USD 45 kriegen, einen Preis, zu dem wir in Seattle niemals unterkommen könnten. Unser Abendessen nehmen wir bei Taco Bell ein, wo es wieder Riesenportionen mexikanischen Essens zu einem kleinen Preis gibt. Wir nehmen diesmal eine 10er-Combo aus Tacos und Burritos und haben uns dabei grenzenlos überschätzt. Wir essen was wir können und müssen am Ende doch zwei Tacos übrig lassen.
Den erforderlichen Verdauungsspaziergang machen wir durch Home Depot (Baumarkt) und Circuit City (Technikmarkt), wo ich mich nach Laptops umschaue. Erst auf der Reise bin ich auf die Idee einer solchen Anschaffung gekommen und habe leider keine Preisvergleiche aber USD 799 für einen Laptop, der einen besseren Prozessor hat als mein PC zu Hause klingt schon günstig.
Ich bin mir aber zu unsicher, kaufe ihn nicht und stelle im Nachhinein bei Preisvergleichen in Deutschland fest, daß der Compaq-Rechner ein absolutes Schnäppchen gewesen wäre. Naja, jetzt sitze ich übrigens gerade in Schweden und schreibe diesen Bericht an einem geliehenen Laptop ...
Part 21
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Stadtbild Seattle,
Washington 2001
Under the Boardwalk
Tag 20: Federal Way - Seattle
Nach einem Continental Breakfast wollen wir direkt nach Seattle hinein und stecken im Stau. Es ist Freitag morgen und wir haben anscheinend den Berufsverkehr erwischt. Wir parken in der Washington Street etwas südlich vom Stadtzentrum, aber günstig mit 50 Cents für 30 Minuten. Mehr Kleingeld haben wir im Moment nicht und eigentlich wollen wir uns erstmal umschauen, ob wir hier länger bleiben wollen.
Es ist kalt an diesem Junimorgen in der Stadt nahe der kanadischen Grenze und Regen kündigt sich bereits an. Wir laufen zum Pioneer Square, dem Anfangspunkt Seattles und von da aus hinunter zur Waterfront. In einem Curiosity Laden drehen wir um und laufen zurück. Unser erster Eindruck ist vernichtend: Die Stadt ist häßlich und dreckig. Es wundert uns kaum, daß hier der Grunge entstanden ist und wir wissen eigentlich nicht, was wir 2 Tage hier tun sollen.
Wir gehen zurück zum Auto, fahren durch die ganze Stadt bis zum Seattle Center, drehen wieder um und fahren zurück in den Süden der Stadt, wo wir an einem steilen Abhang für USD 6 pro Tag parken dürfen.
Undergound Tour
Seattle,
Washington 2001
Wenn wir schon in einer so dreckigen Stadt sind, können wir auch am dreckigsten Punkt beginnen und kaufen uns zwei Tickets (USD 9,-- pro Person) für die Bill Speidel's Underground Tour. 25 Minuten dauert die sarkastische Einführung in einem alten Salon in leider etwas schwer verständlichem Englisch, bevor die Gruppe aufgeteilt wird und wir in die Unterwelt vorstoßen. Doch was sich in Seattle Underground Pioneer Square befindet sind nicht wirklich Keller, sondern die Geschichte der Stadt. Nach dem großen Brand von 1889 hat die Stadt beschlossen, die Chance zu nutzen, dem Dreck und der Ratten Herr zu werden, indem man die Straßen eine Etage nach oben verlegt. Dies führte dazu, daß die Bürgersteige und die Eingänge zu den Geschäften plötzlich nur noch über Leitern zu erreichen waren und ein Spaziergang durch die Stadt (Bürgersteig, Leiter rauf, über die Straße, Leiter wieder runter, Bügersteig, Leiter rauf ...) äußerst anstrengend war. Die einzige Alternative, die den Geschäftsleuten blieb, war sich anzupassen, eine Gewölbe zu bauen und die Bürgersteige auf die Höhe der Straße zu bringen, ein Fenster im ersten OG aufzubrechen und daraus einen Eingang zu ihrem Laden zu machen. Geplant getan und unter dem neuen Seattle blieb teilweise eine Unterwelt erhalten bestehend aus den Fassaden der alten Geschäfte.
Die Tour ist äußerst interessant, wird lustig gestaltet und hat nicht umsonst einige Preise verdient - und wie gesagt, Seattles Untergrund ist nicht schmutziger als die oberirdische Stadt. Als wir wieder das (neuzeitliche) Straßenniveau erreichen, regnet es. Wir nehmen einen Bus zum Pike Place Market, einem wirklich riesigen zweigeschossigen Markttreiben. Sowohl frische Waren als auch Kunst und Souvenirartikel werden hier vertrieben und der Vorteil der Überdachung sollte in Seattle nicht unterschätzt werden.
Von einem Dach treibt uns der Regen unter's nächste, diesmal unter das der Pike's Bagel Company, wo wir etwas warmes trinken und an einem Surftable die E-Mails checken. Und tatsächlich führt dies zu einem erheblichen Lichtblick. Per Mail erhalte ich die Info, daß mein erstes Buch nunmehr im deutschen Buchhandel erhältlich ist.
Wir nehmen wieder den Bus bis zum Ende der transit free zone kurz vorm Seattle Center und wollen das Gelände der Weltausstellung von 1962 inspizieren. An der Space Needle starten wir, finden aber das Wetter für USD 11,-- pro Person zu schlecht und den Preis auch an sich zu hoch für den Blick über die (häßliche) Stadt.
Trotz des Regens laufen wir über das Gelände und schauen uns einige der futuristisch gestalteten Gebäude an. Eines davon erinnert eher an ein Werk Hundertwassers und entpuppt sich als das EMP Musiccenter. Was es genau ist verstehen wir ehrlich gesagt nicht so ganz. Eine Art Musikmuseum mit Experimentierbereich usw. Für einen Eintrittspreis von USD 19,95 pro Person wollen wir es auch gar nicht herausfinden. Stattdessen stöbern wir etwas durch den zugehörigen Shop, der dem Musikfan schon zu eher realistischen Preisen einiges bieten kann.
Der Food Court ist unser letzter Fluchtpunkt, in dem wir zwei Gyros essen und uns an der Information über den Spiritual Walk erkundigen wollen, der laut einigen Postern in der Stadt am nächsten Tag auf dem Gelände des Seattle Centers stattfinden soll. Aber selbst bei der Info ist man sich nicht sicher, wo und wie das Indianerfest denn stattfinden soll. Auch das festigt unsere Entscheidung am nächsten Tag zum Marysville Powwow zu fahren.
Schweine-Kunst
Seattle,
Washington 2001
Wir laufen wieder zur transit free zone, fahren bis zur Ecke 4th/Pike und laufen durch die Fußgängerzone. Im Rahmen eines künstlerischen Projektes stehen überall bunte Schweinestatuen in der Stadt, was man einerseits als vielsagend für Seattle bezeichnen könnte, andererseits ein wenig Farbe in das Stadtbild bringt.
Ich kaufe noch eine CD, bevor es mit dem Bus wieder zum Auto geht. Eigentlich wollte ich schon immer auf einer unserer USA-Reisen ein Baseballspiel sehen und warum es nicht hier in Seattle wahrmachen, wo wir schon mal am Wochenende hier sind.
Wir fahren zum Baseball Stadion, das ebenfalls südlich der Stadt liegt und kommen mit dem Auto kaum vorwärts in einem Strom voller Menschen. Wir haben keine Chance zu parken und nachdem ich Claudia rausgeworfen habe, um sich nach Tickets zu erkundigen, habe ich Zeit, um das Stadion zu kreisen und die Gegend zu erkunden. Zwischen USD 10 und 15 kosten Parkplätze auf irgendwelchen Hinterhöfen und Firmengeländen. Hinter den Bahngleisen jedoch, näher als mancher der Parkplätze, scheint ein halblegales, kostenloses Parken möglich zu sein. Zumindest ist hier schon alles voll und einige Autos suchen noch vergeblich nach Lücken.
Da Playoffs sind haben wir die Möglichkeit, Karten für Samstag abend zu kaufen und uns kleidungstechnisch besser vorzubereiten. Claudia kauft zwei in einer günstigeren Kategorie (je USD 15) und wir versuchen dem Trubel wieder zu entkommen.
Was wir außerdem suchen ist ein Motel in Flughafennähe, da wie bereits gesagt die Motels in Seattle zu teuer sind und wir übermorgen sowieso zum Flughafen müssen. Viele der Motels sind jedoch bereits ausgebucht und wir landen schließlich im SeaTac Inn. Für zwei Nächte kriegen wir einen kleinen Rabatt und zahlen je USD 42. Das Motel liegt jedoch eher im Status "gerade noch akzeptabel".
Nach dem Einchecken fragen wir nach einem Kino, um uns Moulin Rouge anzusehen, stellen jedoch fest, daß in den Kinos von SeaTac (SEAttle TAComa International Airport) weder dieser Film läuft noch ein anderer, der uns reizt. Also gehen wir eben Steak essen!
Im Bull Pin, einer Art Sportlokal, nimmt Claudia sich einen Bacon Burger und ich mir ein Prime Rip Steak, bei dem für USD 8,50 auch nur Gaststättenqualität zu erwarten ist. Während wir warten und essen bietet sich aber die Gelegenheit das heutige Playoff der Seattle Mariners auf den Fernsehern zu verfolgen und uns nochmals mit den Regeln auseinanderzusetzen.
Mit Siedler spielen und lesen endet schließlich der Abend im Motelzimmer.
Part 22
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Marysville Powwow
Tulalip Indian Res.,
Washington 2001
Marysville Powwow und Mariner Baseball
Tag 21: Seattle - Marysville/Tulalip Indian Res. - Seattle
Kaffee und Tee sind kalt, Muffins erhalten wir erst nach Anforderung. 6 identische aus einer Supermarktpackung für USD 1,99 zur Auswahl. Wir nehmen 4 davon, die sogar ganz gut schmecken.
Es regnet kräftig und wir wissen nicht so richtig, was wir mit dem Tag anfangen sollen. Auf gut Glück nach Marysville fahren? Findet so ein Powwow eigentlich drinnen oder draußen statt? Stimmt die Information überhaupt, die wir aus einem Buch haben, das in einem Laden in
Mendocino auslag?
No risk, no fun. Wir fahren auf den Highway Richtung Norden. Der Regen läßt auf dem Highway etwas nach und da wir sowieso früh dran sind, fahren wir ab, als wir rechts der Straße ein großes Gebäude, eine Kathedrale oder etwas ähnliches sehen.
Doch zwischen den Häuserblocks verlieren wir den Blickkontakt und müssen uns nach Gefühl orientieren. Durch Demonstrationen von Studenten landen wir auf dem Gelände der Washington State University. Wahrscheinlich ist der Mietwagen von Avis jetzt auf einer Liste der Streikbrecher verzeichnet, aber darum sollen sich andere scheren. Wir fahren über das Gelände der Uni, das an diesem Samstag morgen nur von einigen Studenten heimgesucht wird. So sehen wir es auch als kein allzugroßes Vergehen an, unseren Wagen auf einem der Parkplätze abzustellen, die man nur mir einem bestimmten Uniparkausweis belegen darf.
Wir laufen über das Gelände, sehen eine Malerin bei ihrer Arbeit, suchen die Kathedrale. Nach einiger Zeit finden wir das Gebäude auch und es entpuppt sich als die alte Bibliothek, an die etwas lieblos ein kalter weißer Neubau angeklebt wurde. Wir laufen weiter bis wir einen Polizisten beim verteilen von Parktickets sehen. Auf der Stelle machen wir kehrt und suchen den schnellsten Weg zu unserem Auto, das wir auch noch unbestraft vorfinden. Zwar konnten uns die Demonstranten nicht aufhalten, vor den Hütern der Parkregeln schrecken wir jedoch zurück.
Wir orientieren uns Richtung Highway und lassen uns gerne durch einige Yard Sale-Schilder ablenken. Es ist Samstag und somit wieder die ideale Zeit, um in den alten Sachen anderer Leute nach vermeintlichen Schätzen zu suchen. Doch wir sind in einem Studentenviertel gelandet und alt bedeutet hier eher 18 Monate getragene Hosen als 81 Jahre alte Antiquitäten.
In Mukilteo verlassen wir den Highway erneut, um über Everett nach Marysville zu fahren. Zwei weitere Orte, an denen es sicherlich mehr zu sehen gibt, als auf dem Highway, und in denen es Yard Sales gibt. Im wieder einsetzenden Regen tauchen wir in die eine oder andere Garage ein, werden heute aber nicht fündig.
Aber immerhin finden wir den Weg nach Marysville und dort direkt gegenüber dem Casino der Tulalip First Nation eine Visitors Information. Claudia wartet im Wagen, während ich die ältere Dame besuche, um von ihr zu erfahren, wo denn nun genau der Marysville Powwow stattfindet. Die Dame ist ratlos. Zwar lebt sie schon lange hier und arbeitet auch schon lange in der Visitors Info aber von einem Powwow habe sie noch nie gehört (genau genommen wußte sie nicht einmal, was es ist) und gefragt hat sie auch noch niemand danach. Nach einigem Blättern in Unterlagen, ein paar hilfsbereiten Tips wie z.B. im Casino nachzufragen weil da arbeiten ja Indianer und wenn es denn ein Indianerfest ist, wissen die es ja bestimmt, kommt sie schließlich auf die Idee, das Stammensbüro anzurufen.
Die Tulalip First Nation ist ebenso überrascht von der Unwissenheit der Visitor Information wie wir und beschreibt genau, wie wir den Weg zu ihrem Powwow finden. Claudia wartet noch immer ganz ruhig im Wagen auf mich. Was sich in der Visitor Info abspielt, hat sie sich schon gedacht. Zu oft haben wir bereits die Erfahrung gemacht, daß eine Visitor Info in den USA lediglich in der Lage ist Prospekte zu verteilen und als Vermarktungsorgan des Gewerbevereins zu fungieren.
Doch wir fahren ungetrübt nach Westen in das Tulalip Indian Reservation und sogar das Wetter bessert sich während der Zeit, die wir brauchen, um das Stammeszentrum zu finden.
Auf dem Parkplatz stehen vielleicht 30 Autos, knapp 10 Stände stehen auf einem Platz vor dem Tribal Centre. Indianisches Kunsthandwerk verschiedenster Art wird dort angeboten. Einiges davon reizt mich, insbesondere einen der Pfeile zu erwerben. Aber kommt da nicht vielleicht doch zu stark das Kind in mir durch? Was um alles in der Welt will ich mit einem Pfeil, auch wenn ein echter Indianer ihn geschnitzt und den Vogel geschossen hat, dessen Federn ihn schmücken? Günstig sind die Pfeile jedenfalls nicht, aber der Preis wird wohl angemessen sein, denn gut 95% der potentiellen Käufer sind selbst Indianer.
Doch zum Powwow. Stattfinden soll er in einer schlichten Turnhalle, die rundum mit Stammeszeichen dekoriert ist. Offensichtlich gehört jedem Stammeszweig eine Parzelle, in der sein Wappen hängt und in der sich die Mitglieder seiner Familie versammeln. Am Kopfende ist die Technik aufgebaut und der Tisch des Festkomitees. Es scheint noch etwas zu dauern bis es losgeht und ich suche erstmal die Toiletten auf.
Verblüfft gewinne ich dabei schon einmal einen Eindruck, von dem was uns erwartet. Der Weg zu den Toiletten der Sporthalle führt durch die Umkleidekabine, in der zahlreiche der First Nation sich gerade umziehen, ihren Federschmuck umbinden, Speere mit aufgespießten Adlerköpfen tragen und mich freundlich grüßen. Etwas mulmig ist mir dabei, mich mit dem Rücken zu ihnen an ein Pissoir zu stellen und es dauert auch nicht lange, bis eine bullige Rothaut, mit Kriegsbemalung versehen, gelber Kleidung und einem Schmuck aus Adlerfedern auf dem Rücken neben mir steht. Die Sonnenbrille paßt nicht ganz zu dem restlichen Outfit und outet ihn als Stadtindianer.
Für die Indianer ist es wohl gerade das, was einen Powwow ausmacht. Bei dem Fest kommen alle Mitglieder des Stammes, die diesem noch verbunden sind, zusammen, unabhängig davon, ob sie in den Reservaten leben, ob sie noch nach den Gepflogenheiten ihres Volkes leben oder ob sie einem ganz alltäglichen Beruf in einer Großstadt der USA nachgehen.
Der Powwow selbst ist ein farbenfrohes Fest und teilweise leiden wir mit den Tänzern, die sich unter dem Gewicht ihrer Dekoration bewegen müssen und die abartig schwitzen. Haben einzelne der Tänzer Pause, verschwindet in der Regel sofort der Kopfschmuck auf einem separaten Stuhl und wird im Zweifel gegen eine Baseballmütze getauscht. Vier Trommlergruppen sind anwesend und begleiten die Tänze, die unterteilt sind nach Alters-, Hierarchieklassen und Geschlechtern und die völlig unterschiedlich sind. Der Tanz der weiblichen Ältesten ähnelt fast den vorsichtigen Schritten einer asiatischen Tänzerin. Der Tanz der jungen Führer der Stammeszweige bringt das kriegerische zu Tage, zeigt ruckartige, herausfordernde Bewegungen und präsentiert ihre Kampfestrophäen. Der Tanz der männlichen Ältesten wiederum verkörpert Tiere und spiegelt deren Bewegungen wieder.
Über zwei Stunden folgen wir dem Fest und essen zwischendurch ein Fryed Bread und ein Indian Taco (schwierig zu essen aber lecker) bevor wir es vorzeitig verlassen.
Live beim Baseball,
Seattle,
Washington 2001
Unser früher Abschied erweißt sich als die richtige Entscheidung. Als wir uns Seattle nähern stehen wir im Stau und dichter Regen zieht wieder auf. Wir fahren bereits einige Ausfahrten vor dem Stadion ab und machen uns durch die Stadt auf den Weg nach Süden, was überraschend gut klappt. Wir als weitest angereiste Besucher des Spiels beweisen offensichtlich die beste Ortskenntnis. Auch bezüglich des Parkplatzes landen wir noch einen Treffer. Einer der letzten Plätze hinter den Bahngleisen gehört uns und ich werde nicht ohne Stolz zum Park-King erklärt.
Mit hunderten von Fans strömen wir ins Stadion, lassen unseren Rucksack durchsuchen, der nur noch mehr warme Kleidung und etwas zu essen verbirgt und erkunden die Gänge des Stadions. Zu essen gibt es nahezu alles was man sich vorstellen kann, zu trinken gibt es auch einiges und natürlich gibt es Souvenirs und Memorabilita. In der Aile 330 sind unsere Plätze und damit ziemlich weit oben. Aber wir haben gute Sicht und sitzen unmittelbar über dem Schlagmann. Während einige Spieler sich aufwärmen, erkläre ich Claudia nochmal die Regeln, bevor die Show beginnt. Verschiedene Gewinnspiele vorneweg und es geht los.
Seattles Pitcher
Washington 2001
Obwohl es kalt ist, sitzen wir gut und trocken auf unseren Plätzen. Das Stadiondach ist zu und durch die offene Wand hinter der Anzeigetafel können wir den Regen draußen sehen. In Seattle ist es inzwischen dunkel und im Stadion beginnt das Spiel der Seattle Mariners gegen die Tampa Bay Devil Rays. Die Stimmung ist super. Immer wieder heizt Musik das Publikum in den zahlreichen kurzen Pausen eines solchen Spieles an und die "La Ola" hält uns einigermaßen warm.
Wir halten durch bis nach 10 Uhr und bis zum Abschluß des 7. Innings bis wir uns auf den Weg machen. Seattle führt, aber letztlich ist uns das auch nicht ganz so wichtig, denn wir wollten Baseball erleben und nicht zwingend eine der Mannschaften siegen sehen. Wo wir allerdings schon mal in der häßlichen Stadt im Nordwesten der USA sind, haben wir natürlich den Mariners die Daumen gedrückt.
Mit uns sind bereits zahlreiche andere Besucher auf dem Weg nach Hause, doch unmittelbar neben dem Stadion ist direkt unsere Auffahrt zum Highway nach SeaTac, so daß wir gut wegkommen. Noch vorm schlafen packen wir unsere Rucksäcke denn am nächsten Morgen geht es in den Flieger - zu unserem Abschlußbesuch in Kansas City.
Part 23
Westküste USA
Unsere zweite
Etappe entlang
der Panamericana
Seattles Spaceneedle,
Washington 2001
Abschied von Seattle
Bevor es nach Kansas City geht noch einige Worte zu unserem Abschied von Seattle. An diesem Morgen war der Tee heiß und die Muffins erhielten wir ohne Nachfrage. Das Motel scheint sich rehabilitieren zu wollen. Wir fahren zur Autoabgabe an den Flughafen und mir ist etwas mulmig im Magen bei den Problemen, die wir einmal bei einer Wagenabgabe bei Avis hatten. Doch diesmal läuft alles einwandfrei. Der Mitarbeiter ist ein Chinese, der vor 20 Jahren aus Paris nach Seattle ausgewandert ist. Der Wagen wird ohne irgendwelche plötzlich entstehenden Zusatzkosten zurückgenommen und er wünscht uns sogar eine gute Heimreise. Avis, was ist nur los mit Dir?!
Beim United Airlines-Flug ist alles wie immer. 30 Minuten Verspätung schon vorm Einchecken, die Maschine ist überbucht und man sucht für USD 200,-- Freiwillige, die auf den Flug nach Denver verzichten. 2,5 Stunden Flug ohne nennenswertes Essen obwohl wir über die Mittagszeit fliegen und auch kein Film.
In Denver haben wir nur wenige Minuten bis zum Weiterflug nach Kansas City. Wir hasten durch den ganzen Flughafen, da Ankunfts- und Abflugsgate natürlich nach weitestmöglicher Entfernung ausgewählt wurden. Wir erreichen die Maschine rechtzeitig, haben aber so unsere Zweifel bezüglich unseres Gepäcks.
Doch wir fliegen pünktlich, setzen zur Landung an kaum daß wir die Reisehöhe erreicht haben und erreichen Kansas on time und mit Gepäck.
The Plaza
Kansas City,
Kansas 2001
Freunde in Kansas City
Was soll ich viel beschreiben von einem Kansas City-Besuch, der eigentlich mehr unseren Freunden als Kansas City galt. In Kansas City gibt es nämlich nicht viel zu sehen, verkünden uns Jeff und Jenny und auch unsere Reiseführer sind etwas ratlos, wenn es um die größte Stadt des Bundesstaates geht.
Also blenden wir den Freundesbesuch einmal aus und halten kurz ein paar Facts zu Kansas City fest:
The Plaza
Die Plaza von Kansas City ist eines der Aushängeschilder. Ein attraktives Viertel historischer Gebäude ist hier mit verschiedenen guten Geschäften, Boutiquen und Restaurants belebt worden. Angabegemäß gibt es sogar zahlreiche New Yorker, die ihr Christmas Shopping nicht im Big Apple sondern in Kansas absolvieren.
Wenston at the Plaza
Der wohl älteste und immer noch beliebteste Burgerbräter der Stadt. Auch wenn an diesem Tag unsere Bedienung nicht ihren besten Tag hat, schmecken die Burger und Wenston hat es geschafft, sich an einem hervorragenden Citystandort gegen McD und BK durchzusetzen. Eine Leistung die man eigenlich mit einem Burger bei Wenston unterstützen muß - es sei denn, man will richtig à la Kansas-Art essen.
Gates BBQ
Dann ist Gates genau das richtige. Die Steaksaucen werden über Stadt und Land hinaus verkauft und Steaks sollen nirgendwo so gut schmecken wie vom Grill von Gates. Davon sind auch unsere Gastgeber überzeugt, auch wenn wir uns ein BBQ bei ihnen zuhause wünschen.
Union Station
Auch hier hat man in Kansas City Altes wiederbelebt. Das riesige ehemalige Bahnhofsgebäude wurde mit Restaurants, Food Court, Science City und anderen Ausstellungen gefüllt. Während unseres Besuches war die "andere Ausstellung" die Titanic-Ausstellung und diese haben wir auch besucht. M.E. eine schöne Ausstellung, für die der Preis allerdings zu hoch ist. Wir essen im Food Court und ich setze mich kurz an die Internetkuh der Cowparade (in der Schweiz geborene Idee bunt bemalter Kühe, die durch die Welt reisen und für Aufsehen sorgen), in der ich www.traveldiary.de erst einmal als Lesezeichen einrichte.
Über eine Brücke geht es von der Union Station zum Crowne Center, wo eine weitere Ansammlung aus Shops aufwartet. Ein witziges Restaurant ist dort noch hervorzuheben, das Fritz's Railroad Restaurant, in dem das Essen von durchs Lokal fahrenden Zügen gebracht wird.
Cowparade in der
Union Station
Kansas City,
Kansas 2001
Abschied aus Kansas City
Noch einmal ein kleines Kapitel, das ich vielleicht United Airlines widmen sollte. Die wahre Geschichte beginnt diesmal am Flughafen von Kansas City, spielt sich aber auch an anderen regelmäßig in ähnlicher Form ab.
Jenny und Jenna (Tochter) bringen uns zum Flughafen. Wir stellen uns an der Eincheckschlange für unseren Flug nach Chicago an als plötzlich verkündet wird, daß unsere Maschine noch nicht da ist und wohl mehrere Stunden verspätet starten wird.
Passagiere mit Anschlußflügen werden bevorzugt abgefertigt. Wir dürfen entsprechend vor und erfahren, daß wir auf First Class-Plätze einer American Airlines Maschine umgebucht werden können, die in Kürze fliegt. Neben uns steht eine Frau, die ihre deutschen Eltern zurück nach Frankfurt verfrachten will. Das Chaos zeichnet sich bereits ab und sie vertraut uns die beiden an, die kaum Englisch sprechen und wir sagen zu, sie mitzunehmen.
American Airlines sitzt natürlich in einem anderen Terminal. Also zurück mit dem Gepäck zum Auto, einmal um den Flughafen (Einbahnstraßen!) und bei American Airlines wieder den Wagen abgestellt. Beim Einchecken ist natürlich wieder eine Schlange aber als First Class-Passagiere haben wir einen eigenen Schalter.
Alles weitere scheint gutzugehen. Wir kriegen Getränke, steigen in die Maschine ein und fahren hinaus aufs Rollfeld. Da stehen wir und hören plötzlich die Durchsage des Kapitäns, daß der Flughafen von Chicago aufgrund der Witterung keine Landeerlaubnis gewährt und wir mindestens noch 45 Minuten am Boden bleiben müssen. Ein Raunen geht durch die Maschine, ein Passagier beschwert sich und erklärt es für überflüssig nach Chicago zu fliegen, da er dort seinen Business-Termin nicht mehr einhalten können wird.
American Airlines bietet daraufhin allen Passagieren an, die aussteigen möchten, dies zu tun. Unsere Maschine wird zurück in die Parkposition gebracht, die Türen gehen auf und 1 (in Worten "ein") Passagier steigt aus. Türen wieder zu, wieder raus auf's Rollfeld und weiter gewartet.
1,5 Stunden warten wir schließlich, bis unsere Maschine von Chicago ein o.k. erhält und wir abheben können. Als First Class-Passagiere dürfen wir natürlich aus verschiedenen Weinsorten kostenlos auswählen, bleiben aber bei Soft Drinks. Wer weiß, was der Tag noch alles an Überraschungen für uns bereithält!
Doch der Pilot tut was er kann und schafft es 15 Minuten auf unserem Weg nach Chicago aufzuholen. Wir kommen runter und glauben eigentlich unseren Anschlußflug schon verloren, doch die Anzeigetafeln verkünden uns, das auch die Maschine nach Frankfurt Verspätung hat. Wir können es noch schaffen. Nur langsam kommen wir voran mit dem älteren Ehepaar im Schlepptau, kennen den Flughafen von Chicago aber inzwischen gut genug, um uns nicht lange mit Lageplänen aufhalten zu müssen. Raus aus dem Terminal, mit dem Skytrain zu den International Departures, durch den Tunnel zum C-Satelliten und zu unserem Abfluggate.
Wir schaffen es tatsächlich und sitzen alle vier in der Maschine nach Frankfurt. Unser Anschlußflug nach Hamburg ist natürlich weg aber das ist kein größeres Problem, da noch mehrere Maschinen im Laufe des Tages in den Norden der Republik fliegen und auf irgendeiner werden schon noch zwei Plätze frei sein.
Eigentlich sollten die Ereignisse reichen, um von United Airlines wieder als Entschädigung Flugvouchers einzufordern. Doch wir haben ehrlich gesagt die Lust verloren, an United gebunden zu sein. Lieber wollen wir bei unserer nächsten Reise, die uns zur Fortsetzung der Panamericana nach Mittelamerika führen wird, die Chance haben, eine andere Fluggesellschaft auszusuchen.
Übrigens: Neben unheimlich vielen Erinnerungen, Eindrücken und Bildern haben wir noch etwas mit nach Hause genommen. Flat Stanley, eine kleine Pappfigur, die die Aufgabe hat, mit uns unsere Heimatstadt Hamburg zu erkundnen.
So long ...